1,5 Milliarden Objekte: Forscher setzen größte Karte der Milchstraße zusammen

13 Jahre lang wurde beobachtet, am Ende entstand ein Datensatz von 500 Terabyte. Das Megaprojekt kam jetzt zum Abschluss. Allerdings nur vorläufig.

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Der Hummernebel, gesehen mit dem VISTA-Teleskop der ESO

Der Hummernebel

(Bild: ESO)

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Forscher haben die bislang detaillierteste Infrarotkarte der Milchstraße mit mehr als 1,5 Milliarden Objekten veröffentlicht. Sie wurde aus über 200.000 Aufnahmen zusammengesetzt, die in einem Beobachtungszeitraum von 13 Jahren entstanden sind. Sie werde, so der Projektleiter Dante Minniti, aufgrund vieler neuer Entdeckungen die Sicht auf unsere Galaxie für immer verändern.

Für das Projekt wurde das VISTA-Teleskop (Visible and Infrared Survey Telescope for Astronomy) der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile genutzt. Im Jahr 2010 wurde damit begonnen, Aufnahmen zu tätigen. Der Umfang der Daten beträgt laut Mitteilung der ESO rund 500 Terabyte. Das entstandene Bild ist zu groß, um es im Netz zu veröffentlichen.

Die Infrarotaufnahmen erlauben es den Astronomen, auch durch Staub und Gas zu "schauen". Dadurch sei der Blick freigegeben auf sonst verborgene Bereiche der Milchstraße. Die entstandene genaue 3D-Ansicht der inneren Milchstraße sei bereits Basis für über 300 wissenschaftliche Artikel und werde der Forschung wohl noch jahrzehntelang nützlich sein. Es wird als Ergänzung zu Aufnahmen durch Weltraummissionen wie Gaia oder das James-Webb-Weltraumteleskop gesehen.

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Die Karte decke einen Himmelsbereich ab, der 8600 Vollmonden entspricht, heißt es, umfasse etwa zehn Mal mehr Objekte als eine Vorgängerkarte aus dem Jahre 2012. Enthalten sind neugeborene Sterne, Kugelsternhaufen, die die ältesten Sterne der Milchstraße enthalten, braune Zwerge, Hyperschnellsterne aus dem galaktischen Zentrum, die aufgrund einer nahen Begegnung mit einem schwarzen Loch wegkatapultiert wurden, und auch freie Planeten.

Beim ESO-Teleskop wird bereits an die nächste Kartierung gedacht. Durch die Aufrüstung mit einem neuen Instrument (4MOST) und die Installation eines neuen Instruments (MOONS) soll das Teleskop für weitere Entdeckungen vorbereitet werden. Ziel sei eine Spektralanalyse von Millionen kartierter Objekte.

(mki)