Nach 20 Jahren: SETI@home stellt die verteilte Arbeit ein
Version 1.0 der Software
Es ist wohl das bekannteste Programm zum verteilten Rechnen, aber nun steht das Ende bevor. Nur noch im MĂ€rz bekommt die SETI@home-Software neue Daten.
SETI@home wird nur noch bis Ende MĂ€rz Daten zur Analyse an die Software zur verteilten Suche nach auĂerirdischem Leben schicken. Danach werden sie das Programm in einen Ruhezustand versetzen, erklĂ€ren die Macher. Sollten andere Astronomen der University of California, Berkeley ein neues Projekt beginnen, könne die Software aber reaktiviert werden, versichern die Verantwortlichen.
Sie begrĂŒnden den Schritt mit dem sich immer weiter verringernden Nutzen â "im Grunde haben wir alle Daten analysiert, die wir aktuell brauchen" â und der anstehenden Analysearbeit, die in einem wissenschaftlichen Paper mĂŒnden solle. Sie freuen sich darauf [1], das ursprĂŒngliche Projekt nach 20 Jahren abzuschlieĂen.
Verteilte Suche nach AuĂerirdischen
SETI@home ist sicher das bekannteste Computing-Projekt zum verteilten Rechnen und widmet sich seit dem 17. Mai 1999 der Suche nach Signalen etwaiger extraterrestrischen Intelligenzen. Es wird in Berkeley betrieben und widmete sich anfangs ausschlieĂlich Signalen, die quasi nebenbei am weltbekannten Radioteleskop Arecibo in Puerto Rico gesammelt wurden. SpĂ€ter kamen das Green Bank Telescope in West Virginia und das Parkes-Observatorium in Australien hinzu. Dort aufgefangene Signale werden in handliche PĂ€ckchen zerlegt, die dann auf jene Software verteilt wird, die Privatnutzer auf ihren Rechnern installiert haben. Die arbeitet als Bildschirmschoner nur, wenn der Computer gerade nichts zu tun hat, und analysiert dann die Signale. Ist das Datenpaket fertig aufbereitet, gehen die Ergebnisse zurĂŒck an die Zentrale in Berkeley.
Vor allem in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts war die Software millionenfach installiert und wurde zum erfolgreichsten Projekt des verteilten Rechnens. Schon vor dem zweijĂ€hrigen Geburtstag konnte beispielsweise im FrĂŒhjahr 2001 der dreimillionste Nutzer [2] begrĂŒĂt werden. Mit den immensen Nutzerzahlen und der dadurch erreichten gigantischen Rechenleistung landete das Projekt auch im Guinness-Buch der Rekorde [3]. 2004 wechselte SETI@home auf die BOINC-Infrastruktur [4] (Berkeley Open Infrastructure for Network Computing), die auch andere Projekte unterstĂŒtzte. GegenwĂ€rtig hat SETI@home [5] noch 1,8 Millionen Nutzer, die Software lĂ€uft im Schnitt auf rund 148.000 Rechnern. Damit ist es weiterhin das mit Abstand erfolgreichste BOINC-Projekt.
Nach mehr als 20 Jahren bedanken sich die Verantwortlichen nun bei all den freiwilligen Teilnehmern â auch wenn keine Signale gefunden wurden, die auf auĂerirdische Intelligenzen hinweisen. Auf Twitter erklĂ€ren sie [6], dass aktuelle Programme wie etwa die von Breakthrough Listen [7] inzwischen so viele Daten sammeln, dass die Rechenleistung zu den Daten wandern muss und nicht mehr anders herum. Aktive Nutzer von SETI@home ermutigen sie, sich eines der anderen BOINC-Projekte [8] anzusehen, die unterstĂŒtzt werden können. AuĂerdem verweisen sie auf das Projekt Science United [9], das auf der gleichen Infrastruktur aufsetzt. Nutzer unterstĂŒtzten hier aber keine Projekte, sondern stellen ihre KapazitĂ€ten Wissenschaftsdisziplinen zur VerfĂŒgung. FĂŒr die nahe Zukunft versprechen die Forscher dann noch "spannende Neuigkeiten".
(mho [10])
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- https://www.heise.de/news/Drei-Millionen-machen-mit-bei-SETI-home-40965.html
- https://web.archive.org/web/20051128165405/http://www.guinnessworldrecords.com/index.asp?id=53519
- https://www.heise.de/news/SETI-home-wechselt-zu-BOINC-103059.html
- https://setiathome.berkeley.edu/kiosk/
- https://twitter.com/BerkeleySETI/status/1234648658726928387
- https://www.heise.de/news/Ausserirdische-gesucht-Breakthrough-Listen-gibt-weitere-SETI-Daten-frei-4661752.html
- https://boinc.berkeley.edu/projects.php
- https://scienceunited.org/su_about.php
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