Online trotz Netzkollaps
Wie sich Internetausfälle überbrücken lassen
Ob eigener Router oder Gegenstück beim Provider: Gelegentlich stirbt ein Stück Elektronik, das Netz ist weg und der Techniker muss anrücken. Die Zwangspause lässt sich mit wenig Aufwand von Tagen oder gar Wochen auf Minuten verkürzen.
Spätestens, wenn vor dem Homeoffice ein Bagger anrückt, um den Fußweg oder die Straße aufzureißen, sollten Sie sich wappnen: Bei Bauarbeiten beschädigte Kommunikationskabel können gleich ganze Wohnblöcke vom Internet abschneiden. Oft sind Netzausfälle aber weit weniger augenfällig und breitflächig, denn jede Elektronik verschleißt irgendwann, auch die von Netzbetreibern.
Ende 2017 brach des Autors Internetzugang zusammen: Der DSL-Router funktionierte, bekam aber kein Signal mehr von der Gegenstelle. Laut Techniker war unser Port in der Linecard im Konzentrator tot und auch kein anderer Port frei. Deshalb konnte er die Leitung nicht kurzerhand umklemmen. Bis eine Ersatzkarte aufgetrieben und installiert war, dauerte es rund zwei Wochen.
Glücklicherweise ließ sich die Wartezeit mit einem Mobilfunkrouter überbrücken, der als Testgerät samt Daten-SIM gerade in der Redaktion stand. So wurde die Misere zur Chance: Es entstanden zwei Praxisartikel, die schildern, wie man den heimischen Cloudserver trotz Provider-NAT aus dem Internet erreichen kann [1, 2].
Zwei Wochen lange Ausfälle sind gewiss selten. Doch auch wenn Ihre nächste Unterbrechung nur zwei Tage dauern sollte, kann sie hinderlich sein. Um bei einem Internetausfall im Handumdrehen wieder online zu kommen, müssen Sie aber nicht bei c’t arbeiten, sondern sich nur mit ein paar Schritten vorbereiten: Zugangsdaten dokumentieren, mit dem Nachbarn sprechen, einen Zweitweg ins Internet planen und dafür eventuell etwas Hardware anschaffen.
Der Beitrag auf Seite 66 leitet zur Prüfung an, ob Sie das Problem vielleicht selbst beheben können, und schildert, wie Sie Umwege ins Internet schaffen, bis der Hauptanschluss wieder funktioniert. Ein Umweg führt oft über ein Mobilfunknetz, was mit einem begrenzten und teuren Datenvolumen einhergeht. Damit das Kontingent nach einem morgendlichen Ausfall nicht schon am Abend ausgeschöpft ist, muss man heimlichen Saugern vorübergehend die Datengier abgewöhnen (siehe Seite 70).
Was vor dem Ausfall zu tun ist
Falls Sie übers Festnetz telefonieren, prüfen Sie, ob die Zugangsdaten zu Ihrem Provider-Portal beziehungsweise Kundencenter funktionieren und fordern Sie sie gegebenenfalls neu an. Dann können Sie bei einem Netzausfall die Festnetznummern aufs Smartphone umleiten, wenn die Internettelefonie über Ihr Backup nicht zuverlässig funktioniert.
Es schadet auch nicht, die Zugangsdaten für den Internetanschluss sowie die Internettelefonie parat zu haben. Damit können Sie bei einem Defekt Ihres Routers ein Ersatzgerät in Betrieb nehmen, ohne erst beim Provider anfragen zu müssen. Sichern Sie die Einstellungen Ihres Routers gelegentlich, damit Sie sie beim Gerätetausch gegen ein identisches Modell einfach wieder einspielen können. Wer sich einen gebrauchten Router desselben Typs in den Schrank legt, ist dann binnen Minuten wieder online.
Alternativ-Wege
In vielen Wohnungen gibt es zwei Medien, die den Zugang zum Internet aufbauen können: die Telefonleitung (DSL) und das TV-Kabelsystem (DOCSIS). Davon nutzt man in der Regel nur eines. Das andere lässt sich leider nicht mal eben in Betrieb nehmen, denn es fehlt zumindest am Versorgungsvertrag mit einem Provider, oft auch am geeigneten Modem oder Router.
Wer einen besonders zuverlässigen Internetzugang möchte und nicht auf den Euro schauen muss, kann beide Wege mit einem speziellen Router kombinieren (Multi-WAN, Wide Area Network, dazu gleich mehr). Alle anderen haben zwei Ausweichmöglichkeiten: beim Nachbarn anklopfen, um vorübergehend dessen WLAN als Internetquelle anzuzapfen oder oben erwähnten Mobilfunkumweg selbst bauen.
Beides kann ohne Investition in zusätzliche Hardware klappen: Manche Internet-Router können statt ihres Haupt-WAN-Zugangs (DSL, DOCSIS, Glasfaser) ihre WLAN-Schnittstelle als alternativen Internet-Uplink nutzen. Die Möglichkeit existiert allerdings nur, wenn Sie vollen Zugriff auf die Browser-Konfigurationsseiten eines eigenen Geräts haben – also keinen Provider-Router nutzen – und wenn das Modell diese Option beherrscht. Das ist beispielsweise bei AVMs Fritzboxen gegeben. Beherrscht Ihr Router den WLAN-Uplink nicht, hat aber einen Ethernet-WAN-Port für den alternativen Internetzugang, dann können Sie ihm einen WLAN-Client mit Ethernet-Ausgang vorschalten. Das kann auch ein WLAN-Repeater mit LAN-Port oder eine billig erstandene, gebrauchte Fritzbox wie das Modell 4020 sein.
Für den WLAN-Uplink bitten Sie Ihren Nachbarn um den Namen und das Passwort seines Gastnetzes sowie darum, darin alle Internetanwendungen freizugeben. Denn manche Router beschränken die Anwendungen im Gastnetz beispielsweise auf Surfen und Mailen, wodurch beispielsweise der VPN-Zugang zur Firma scheitert.
Mag der Nachbar nicht teilen, müssen Sie auf eine Funktion Ihres Smartphones zurückgreifen: Alle aktuellen Geräte können ihren Mobilfunk-Internetzugang per WLAN-Hotspot teilen (siehe Seite 66). Aktivieren Sie den Hotspot und tragen Sie seine Zugangsdaten beim WLAN-Uplink Ihres Routers ein. So versorgt das Smartphone Ihr ganzes Netz, ohne dass Sie dessen WLAN-Clients auf den Smartphone-Hotspot um- und später wieder zurückkonfigurieren müssten. Falls Sie das Smartphone nicht entbehren können oder schlicht keines nutzen, bietet sich in USB-Mobilfunksticks ein Ausweg.
Schauen Sie dann, ob Ihr Mobilfunkprovider eine zubuchbare Daten-Dayflat anbietet und ordern Sie diese – falls die Störung länger als ein paar Stunden anhält, an jedem Morgen neu. Beispielsweise gibt es bei Prepaid-Angeboten der großen Mobilfunker wie Vodafone CallYa oder O2 my Prepaid für 5 Euro ein für eine vierköpfige WG gerade so brauchbares Tagesvolumen von 10 beziehungsweise 25 GByte. Andere Provider bieten auch bei diesem Vertragstyp unbegrenzte Dayflats an, beispielsweise Telekom DayFlat unlimited für 6 Euro.
Wer ein einfaches Smartphone mit Prepaid-Karte als Notfallreserve für die Familie vorhält, nimmt lieber dieses statt seines persönlichen Geräts. Denken Sie zum Schluss noch daran, das Handy an einen Ort mit gutem Mobilfunkempfang innerhalb der WLAN-Reichweite des Routers zu legen, etwa auf die Fensterbank, und schließen Sie es per Ladegerät an die Steckdose an.
Reserve-Rat
Die oben geschilderten Wege setzen bei einem Internetausfall voraus, dass jemand vor Ort ist und den Router umkonfigurieren kann. Wenn das nicht gegeben ist, beugen Sie einem Internetausfall vor, indem Sie einen Router mit Failover-Funktion zu einem zweiten Zugang installieren. Solch eine Funktion steckt nicht nur in Routern für Firmenkunden, sondern auch in einigen für kleine Netze, unter anderem Fritzboxen oder Asus-Geräten.
Der zweite Zugang wird meist per Mobilfunk aufgebaut, entweder über einen separaten USB-Stick oder einen Mobilfunk-Router mit 4G- oder 5G-Technik. Die Fritzbox 6890 LTE für Supervectoring-Anschlüsse (Test in c’t 26/2017, S. 44) enthält bereits ein 4G-Modem. Zum Mobilfunk-Stick oder -Router brauchen Sie eine Daten-SIM-Karte (jüngste Tarif-Übersicht in c’t 4/2020, S. 94).
Für 4G/LTE genügt ein USB-Stick vom Gebrauchtmarkt. Wenn der am PC funktioniert, ist aber noch lange nicht klar, dass er es auch am Router tut. Prüfen Sie das vor dem ersten Internetausfall. Erkennt Ihr Router den Stick nicht automatisch, können Sie meist aus einer kleinen Auswahl manuell wählen. Am besten recherchieren Sie vor dem Kauf in Internetforen, welche Sticks sich für Ihren Router eignen.
Legen Sie sich mit dem Stick auch ein USB-Verlängerungskabel mit drei bis fünf Metern Länge bereit: Oft ist der Mobilfunkempfang am Standort des Routers schwach. Mit der Verlängerung können Sie den Stick näher am Fenster positionieren. Das verbessert die Funksituation und erhöht die Internetgeschwindigkeit.
Wer Unwägbarkeiten bezüglich der Kompatibilität von Router und Mobilfunkstick vermeiden will, kann sich alternativ einen günstigen stationären Mobilfunkrouter zulegen, der per LAN-Kabel als Ausweichverbindung an den Hauptrouter kommt. Solche Geräte gibt es neu für deutlich unter 100 Euro, beispielsweise den TP-Link TL-MR100. Ein älteres Exemplar wie Zyxels LTE-4506 – das weiße Tönnchen im Bild auf Seite 63 – findet man gelegentlich auch schon für unter 60 Euro. Wichtig beim Gebrauchtkauf: Lassen Sie sich keinen veralteten 3G-Router (HSPA, HSPA+) andrehen. Die Mobilfunk-Provider schalten nämlich in den kommenden Monaten ihre UMTS-Netze ab. Der Internetzugang über GSM/Edge (2G) funktioniert zwar weiter, ist aber für heutige Ansprüche bei Weitem zu langsam.
Für Ausflüge oder Dienstreisen sind akkubestückte 4G- oder 5G-Router im Zigarettenschachtelformat als Hotspot beliebt. Auch solche Geräte lassen sich am heimischen Router als Backup nutzen. Das geht am einfachsten, wenn der Taschenrouter einen Ethernet-Port hat und dauerhaften Betrieb bei angeschlossenem Ladegerät erlaubt. Letzteres ist keine Selbstverständlichkeit: Schauen Sie vor dem Kauf ins Datenblatt oder in das Handbuch.
Gürtel und Hosenträger
Wer wegen häufiger Ausfälle des Internetzugangs immer wieder aus der Arbeit gerissen wird, sollte überlegen, ob sich eine zweite Festnetzverbindung lohnt: Bei der Lastverteilung (Load-Balancing) etwa über DSL und TV-Kabel bekommt man nicht nur höhere Down- und Upload-Geschwindigkeiten (in Summe für die Gruppe), sondern auch erhöhte Verfügbarkeit, weil beim Ausfall einer Verbindung der Verkehr automatisch über die verbliebene weiterläuft.
Zwei Anschlüsse kosten normalerweise mehr als einer und man braucht zusätzlich zu den Provider-Routern beziehungsweise -Modems einen Multi-WAN-Router mit Load-Balancing-Funktion. Aber diese Investition kann sich bei kleinen Firmen und Selbstständigen im Homeoffice schnell bezahlt machen. Und auch die restliche Familie profitiert vom zuverlässigeren Internet.
Multi-WAN-Router gibt es vorwiegend für den Firmeneinsatz und in zahlreichen Ausstattungsvarianten von vielen Herstellern, beispielsweise Cisco, Draytek, Lancom, Mikrotik, Peplink oder Zyxel. Auch der Selbstbau ist bei vergleichsweise bescheidenem Kapitaleinsatz mit Router-Betriebssystemen wie pfSense oder OpenWrt möglich [3, 4, 5].
Den Multi-WAN-Betrieb findet man ebenfalls in WLAN-Routern von Asus als zuschaltbares „Dual-WAN“, wahlweise über einen zum zweiten WAN-Port umzuwidmenden LAN-Port oder per optionalem Mobilfunk-USB-Stick. Auch hier hat man die Wahl zwischen Failover und Load-Balancing.
Besonders geschickt lässt sich das in einem Mesh-System etwa mit dem Asus RT-AX92U (Test in c’t 13/2019, S. 86) hinter zwei Provider-Routern umsetzen: Der Mesh-Router bündelt deren Zugänge per Load-Balancing und leitet das so beschleunigte Internet in sein LAN und Mesh-WLAN weiter.
Üben und wachsam bleiben
Für welchen der oben geschilderten Internetumwege Sie sich auch entscheiden: Probieren Sie Ihre Lösung aus, und zwar nicht nur beim Einrichten, sondern auch danach immer mal wieder. Falls Ihr Internet-Backup übers Mobilfunknetz führt, achten Sie bei Prepaid-Daten-SIMs auf zwei Dinge: erstens, dass genug Guthaben aufgebucht ist, um bei Bedarf eine Dayflat zu aktivieren, und zweitens, dass Sie die Daten-SIM wenigstens einmal im Jahr kurz benutzen, damit der Provider sie nicht wegen Inaktivität abschaltet. Lassen Sie sich gegebenenfalls vom Smartphone daran erinnern.
Mit den Tipps in den folgenden Artikeln können Sie sich weiter vorbereiten, bevor der eingangs erwähnte Bagger seine Schaufel schwingt. Erwischt diese statt des Kommunikationskabels aber die Energieversorgung, ist es Zeit für einen laaangen Spaziergang. (ea@ct.de)