Anpfiff fĂĽr scharfe Bilder

Wenn am 11. Juni in Johannesburg die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 startet, ist dies gleich in mehrerer Hinsicht eine Premiere: Es ist nicht nur das erste internationale Fußballturnier, das auf dem afrikanischen Kontinent ausgetragen wird, sondern auch die erste Fußball-Weltmeisterschaft, die im deutschen Free-TV in hochaufgelösten Fernsehbildern (HDTV) zu sehen ist.

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Inhaltsverzeichnis

Für alle Fußballbegeisterten ist die kommende Weltmeisterschaft der ideale Zeitpunkt, um auf den HDTV-Zug aufzuspringen: Mit Das Erste HD, ZDF HD, RTL HD und Sky strahlen gleich vier Sender – in unterschiedlichem Umfang – die WM in hochaufgelösten Bildern aus. Passend dazu findet sich in den deutschen Elektronikmärkten eine große Auswahl an HD-tauglichen Fernsehern, in denen bereits das passende Empfangsteil (der Tuner) für verschiedene digitale Empfangswege eingebaut ist – weshalb wir diesen Geräten ab Seite 132 in c't 12/10 einen eigenen Artikel mit Kaufberatung widmen.

HDTV ist letztlich nur eine Spielart des Digitalfernsehens – wo man von Einsteigern nicht selten die Klage „Früher war Fernsehen mal einfacher“ hört. Leugnen lässt sich dies kaum: Jedes Fernsehgerät hat einen Tuner eingebaut, um sowohl über Kabel als auch (früher) über Antenne Analog-TV zu empfangen. Beim Digital-TV verlangt hingegen jeder Empfangsweg eine eigene Technik: DVB-T für Antennenfernsehen, DVB-C für digitales Kabelfernsehen und DVB-S für Satellit.

Sie alle tragen zwar DVB für Digital Video Broadcasting im Namen, unterscheiden sich aber im Detail, sodass sich mit einem DVB-Tuner immer nur eine Signalart nutzen lässt: Ein Sat-Receiver kann somit also nicht auch digitales Kabelfernsehen empfangen. Beim digitalen Satelliten-Empfang gibt es sogar noch eine Unterscheidung: Bei HDTV wird hier das effizientere Übertragungsverfahren DVB-S2 statt DVB-S genutzt, das andere Tuner verlangt. Alle aktuellen HDTV-Sat-Receiver sind aber abwärtskompatibel und können somit auch Digitalfernsehen in Standardauflösung wiedergeben. Auch Digital-TV-Empfangslösungen für den PC in Form von DVB-Einsteckkarten oder externen Boxen (meist USB) sind jeweils auf einen Übertragungsweg ausgerichtet. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich in einen Receiver oder eine PC-Empfangslösung nicht Digital-TV-Tuner für verschiedene Empfangswege einbauen lassen. Solche Hybrid-Lösungen finden sich beispielsweise bei einigen der ab Seite 132 in c't 12/10 vorgestellten Fernseher.

Da hierzulande DVB-T bei der HDTV-Ausstrahlung auch auf längere Sicht keine Rolle spielen wird, gehen wir auf das digitale Antennenfernsehen in diesem Artikel nicht weiter ein. Dafür berücksichtigen wir auch das sogenannte IPTV (Internet Protocol Television), gemeinhin bekannt als „Fernsehen aus der DSL-Dose“. Die TV-Programme werden hier über den Breitbandanschluss übertragen, der auch die Verbindung zum Internet herstellt.

Allen deutschen HDTV-Sendern ist gemein, dass sie den modernen Kompressionsalgorithmus MPEG-4 AVC alias H.264 einsetzen. Während die Privatsender ihr Programm in der höheren HDTV-Auflösung 1080i50 mit 1920 x 1080 Bildpunkten im Zeilensprungverfahren (interlaced) mit 50 Hertz ausstrahlen, haben sich die Öffentlich-Rechtlichen für die kleinere HDTV-Auflösung 720p50 mit 50 Vollbildern pro Sekunde in einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel entschieden. Das stößt zwar nicht bei allen Zuschauern auf Gegenliebe – dennoch ist der Unterschied zur Ausstrahlung in Standardauflösung deutlich sichtbar.

Bezüglich des Empfangsweges haben viele Deutsche keine Wahl – beispielsweise, weil sie als Mieter keine Sat-Schüssel installieren dürfen oder in ihrem Ort IPTV nicht verfügbar ist. Das ist umso bedauerlicher, da nicht alle der genannten HDTV-Sender auf allen Wegen zu bekommen sind. Zu den möglichen Kombinationen aus Sendern und Empfangswegen haben wir auf Seite 130 in c't 12/10 eine umfassende Tabelle zusammengestellt. Bevor es an die Details geht, beachten Sie bitte, dass bei den Privaten und Sky jeweils aufgeführt ist, wie die Kanäle „offiziell“ und „inoffiziell“ zu empfangen sind – wobei wir in letzterem Fall keine illegalen Hacks oder Card-Sharing-Verfahren beschreiben. Sie benötigen also auf jeden Fall eine gültige Abokarte pro Empfänger. Geht es Ihnen lediglich darum, die WM-Spiele am Fernseher anzuschauen, sind Sie mit dem offiziellen Weg stets am besten bedient.

Die inoffiziellen Lösungen ermöglichen hingegen einerseits den Einsatz von Geräten, die die Privaten und Sky eigentlich nicht unterstützen, etwa ältere HDTV-Fernseher mit integriertem DVB-Tuner oder Rechner mit DVB-Empfangslösung, die technisch eigentlich in der Lage sind, HDTV zu empfangen, aber von den Programmanbietern nicht als Empfänger akzeptiert werden. Andererseits lassen sich damit Beschränkungen – beispielsweise bei der Aufnahme und bei der Weiterverarbeitung von Mitschnitten – umgehen, denen die offiziellen Receiver unterliegen.

Allerdings sei hier auch klar angemerkt, dass der inoffizielle Weg wesentlich steiniger ist. Das fängt damit an, dass einige TV-Anbieter (Pay-TV-Sender, Plattformbetreiber, Netz-Provider) bei Abschluss eines Vertrags den Nachweis des Besitzes eines offiziellen (zertifizierten) Empfangsgeräts verlangen. Im schlimmsten Fall müsste man sich einen Alibi-Receiver kaufen, um an die Karte zu kommen. Weiterhin erfordern die inoffiziellen Lösungen eine eingehende Beschäftigung mit der Materie. Auf Unterstützung seitens des TV-Anbieters darf man nicht hoffen, sondern muss vielmehr befürchten, dass die Alternativlösung eines Tages auf technischem Wege blockiert wird. Ob sich der Aufwand tatsächlich lohnt, muss jeder Anwender selbst entscheiden.

Im Unterschied zu den öffentlich-rechtlichen Sendern sind die großen Privatsender in HD ebenso wie Sky kostenpflichtig und daher verschlüsselt. Für die Wiedergabe benötigt man folglich eine Smartcard. Zertifizierte Receiver enthalten einen passenden Kartenleser, in den die Abokarte gesteckt wird. Die Entschlüsselung übernimmt dann ein Bauteil im Gerät. Da nicht alle Sender mit demselben Verfahren verschlüsselt werden, die zertifizierten Receiver aber meist nur eines unterstützen, kann es vorkommen, dass man für verschiedene Angebote verschiedene Receiver benötigt.

Mittlerweile bekommt man für unter 100 Euro Sat-Receiver, mit denen sich die unverschlüsselten HDTV-Sender anschauen und – bei Anschluss einer USB-Festplatte – sogar aufzeichnen lassen.

Allerdings ist es gibt es auch eine modulare Lösung für den Empfang von verschlüsselten Programmen: Hierfür muss der Receiver, der Fernseher oder die PC-Empfangslösung ein sogenanntes Common Interface (CI) besitzen, in das ein sogenanntes Conditional Access Module (CAM) inklusive gültiger Sky-Smartcard geschoben wird. Die Entschlüsselung übernimmt dann das Modul. Einige CAMs beherrschen gleich mehrere Verfahren, andererseits gibt es für einige Verschlüsselungssysteme wie NDS Videoguard keine offiziellen Module. Weder Sky noch die großen Privatsendergruppen oder Kabelnetzprovider akzeptieren gewöhnliche CI-Receiver als offizielle Empfangslösungen.

Noch recht neu sind Module nach dem sogenannten „CI-Plus“-Standard. Sie unterscheiden sich äußerlich nicht von den gewöhnlichen CAMs, jedoch ist bei ihnen der komplette Signalverlauf gegen äußere Eingriffe geschützt – womit sie von den ersten TV-Anbietern als offizielle Empfänger akzeptiert werden. Passend zu den CI-Plus-CAMs gibt es Receiver und vor allem Fernseher mit CI-Plus-Slot, PC-Nutzer schauen hingegen in die Röhre. Theoretisch lassen sich die CI-Plus-CAMs zwar in gewöhnlichen CI-Empfängern verwenden, allerdings können Fernsehsender und Provider über Flags im TV-Datenstrom diesen Weg sperren. Wie zertifizierte Receiver beherrschen CI-Plus-Module meist nur ein Verschlüsselungsverfahren, zudem benötigt man das jeweils zum TV-Angebot passende Modul.

Im Internet tauchen in letzter Zeit immer mehr programmierbare Module wie das Diablo2 oder das UniCAM auf, die sich mittels eines sogenannten Flashers dank einer alternativen Firmware auch für Verschlüsselungssysteme fit machen lassen, für die es ansonsten kein CAM gibt. Ein solches umprogrammiertes CAM lässt sich (ebenso wie ein gewöhnliches Modul) in jedem Receiver und Fernseher mit Common Interface verwenden – egal ob dieses dem Plus-Standard folgt oder nicht. Auch in einem PC mit DVB-S2-Empfangslösung und gewöhnlichem Common Interface funktioniert es.

Wer gewöhnliche oder programmierbare CAMs in Receivern mit CI-Plus-Slot verwendet, könnte dabei aber künftig in eine Falle laufen: So hat Kabel Deutschland bereits angekündigt, über ein Flag im TV-Datenstrom dafür zu sorgen, dass alle CI-Plus-Empfänger gewöhnliche Module ohne Plus ablehnen. Wer sein CAM weiterbenutzen möchte, bräuchte folglich einen Empfänger mit CI-Slot ohne Plus – TV-Geräte mit einfachem Common Interface dürften aber künftig kaum mehr zu bekommen sein.

Einige Anwender setzen wiederum auf HDTV-Receiver mit offenem Linux-Betriebssystem und eingebautem Smartcard-Reader, darunter Modelle von Dream Multimedia und Vantage. Spielt man auf ihnen eine alternative Firmware und eine SoftCAM genannten Software auf, können sie mit der offiziellen Abokarte Bezahlprogramme entschlüsseln und ohne Einschränkungen speichern beziehungsweise wiedergeben.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 12/2010.

Mehr Infos

Schärfer fernsehen

Artikel zum Thema "Schärfer fernsehen" finden Sie in c't 12/2010:

  • HDTV-Empfang ĂĽber Kabel, Satellit und DSL - Seite 126
  • Flachbildfernseher mit 40 bis 46 Zoll Diagonale - Seite 132

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