Vorauseilender Gehorsam verärgert Rundfunkräte
Die Rundfunkräte beklagen die bereits Ende April gestarteten Löschungen im Internet-Angebot der ARD, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch viele Aspekte ungeprüft waren und noch sind.
Als die ARD Ende April auf einer Pressekonferenz ankündigte, einen großen Teil ihrer Angebote im Internet zu löschen, war das wohl als Signal gedacht, wie ernst man es mit den Auflagen der Politik nimmt – und es wurde auch gleich kräftig gelöscht. Doch wie der Spiegel in seiner kommenden Ausgabe berichtet, regt sich jetzt Kritik an diesem Vorgehen bei den für die Kontrolle zuständigen Rundfunkräten der ARD.
Die "medienwirksam verkündeten" Löschungen seien "bei den Gremien auf Unverständnis und Verärgerung gestoßen", beschwert sich der Vorsitzende der Konferenz der Gremienvorsitzenden Harald Augter in einem Brief an den ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust. Es sei der "falsche und unseres Erachtens verfahrensgefährdende Eindruck" entstanden, über die Internetangebote der ARD sei schon abschließend entschieden – trotz der "laufenden Verfahren" und der "noch nicht abgeschlossenen Beratungen der Gremien". In der Tat haben die Sender bis zum 31. August Zeit, im Zuge eines Drei-Stufen-Tests zu klären, ob ihre Internet-Veröffentlichungen vom öffentlich-rechtlichen Auftrag gedeckt sind, ob sie zum publizistischen Wettbewerb beitragen und welcher finanzielle Aufwand für das Angebot erforderlich ist.
Boudgoust wies Augters Kritik in seiner Antwort zurück. Die frühe Löschung habe praktische Gründe gehabt. Zudem habe er bei der Pressekonferenz "die wichtige Arbeit der Gremien" betont. (gr)