Digital-TV-Firma Convergence muss kräftig sparen
Der Spezialist fĂĽr digitale Videorekorder auf Linux-Basis und Set-Top-Boxen baut Personal im Verwaltungsbereich ab -- Open-Source-Projekte und Online-Foren sollen aber weiter laufen.
Der Berliner Spezialist für Linux- und Digital-TV Convergence tritt stark auf die Kostenbremse. "Es gibt einige Einschnitte", erklärte ein Mitarbeiter der Firma gegenüber heise online. Der Betrieb werde aber nicht eingestellt und die Entwicklungsabteilung weitgehend ohne Beschränkungen aufrecht erhalten. "In der Verwaltung wurden aber Stellen abgebaut", erklärte der Insider unter der Bedingung, nicht namentlich zitiert zu werden. Zudem habe man den bisherigen Internet-Provider gekündigt und suche auch eine neue Bleibe, da die jetzigen Räume in Berlin-Mitte einfach zu teuer geworden seien. Das Gros der momentan etwa 30-köpfigen Belegschaft werde aber weiter beschäftigt bleiben.
Wirbel rund um die Zukunft der Firma hatte seit dem gestrigen Mittwoch die Tatsache ausgelöst, dass die Online-Präsenzen von Convergence und die bisher vom Unternehmen gesponserten Webseiten des Linux-TV-Projekts momentan nicht erreichbar sind. Das betrifft auch die Server, über die die Mailinglisten zu Klaus Schmidingers Video Disk Recorder (VDR) und den zugrundeliegenden DVB-Treibern von Convergence laufen, sowie die Online-Präsenz zu DirectFB. Fragen zu den technischen Problemen tauchten beispielsweise im VDR-Portal auf.
Die Websites und Kommunikationsforen werden nun erst einmal auf einem privaten Server eines Mitarbeiters installiert, hieß es in Unternehmenskreisen. Sie sollen am morgigen Freitag wieder laufen. Die Open-Source-Projekte von Convergence würden auf jeden Fall weiter geführt. Bei der Lübecker Mutterfirma, der galaxis technology AG, wollte man gar überhaupt keine Probleme mit der Berliner Tochter einräumen. "Wir haben die Linux-Boxen im Feld und es werden weiter Produkte rausgehauen", erklärte ein Mitarbeiter aus dem Galaxis-Entwicklungsteam gegenüber heise online. Die Gerüchte über Zahlungsschwierigkeiten seien vermutlich "von Konkurrenzunternehmen gestreut" worden. Die Lübecker hatten Convergence nach der 2001 erfolgten Insolvenzanmeldung des Nischenunternehmens übernommen.
Galaxis selbst war 2003 ins Gerede gekommen, weil ihr Chef Winfried Klimek laut Medienberichten mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen hatte. Im selben Jahr wurde das Digital-TV-Haus von der US-Firma Distinctive Devices geschluckt, die einen wichtigen Teil ihrer Entwicklungsabteilung in Indien angesiedelt hat. Das Hauptproblem von Firmen wie Convergence sehen Experten darin begründet, dass die Nachfrage nach leistungsstarken Set-Top-Boxen auf Basis der Multimedia Home Platform (MHP) nach wie vor schwach ist und sich das digitale Fernsehen hierzulande insgesamt recht langsam durchsetzt. (Stefan Krempl) / (anw)