Britische Flugkontrolle leidet unter IT-Dauerbaustelle
Eines der wichtigsten Computerprojekte in Großbritannien, die Neuordnung der britischen Flugüberwachung, sorgt seit Jahren für negative Schlagzeilen.
Eigentlich sollte der National Air Traffic Control Service (Nats) in den Jahren 1996 und 1997 von West Drayton in der Nähe des Londoner Flughafens Heathrow in ein völlig neu konzipiertes Flugüberwachungszentrum in Swanwick in der Nähe von Southampton umziehen. Swanwick gilt als modernstes, computergestütztes Flugüberwachungszentrum der Welt -- wenn es denn funktioniert. Fehler in dem 623 Millionen Pfund (rund 940 Millionen Euro) teuren neuen System von Lockheed Martin verzögerten jedoch den Beginn des Umzugs immer wieder bis zum Januar 2002. Und erst im Jahr 2007 soll der Umzug vollständig abgeschlossen sein.
Vier Monate nach der Inbetriebnahme des Zentrums in Swanwick kam es zu einem ersten großen Ausfall des Computersystems, der im Mai 2002 den Flugverkehr in Großbritannien lahm legte. Experten machten damals Störungen in der technischen Kommunikation zwischen den alten Rechnern in West Drayton und den neuen Maschinen in Swanwick als Fehlerursache aus.
Der aktuelle Störfall ist nach Angaben der Luftaufsichtsbehörde darauf zurückzuführen, dass in der Nacht zum Donnerstag neue Software in West Drayton getestet wurde und anschließend der Großrechner zunächst nicht wieder bootete -- obwohl am System keine dauerhaften Änderungen vorgenommen worden seien. Der Computer in West Drayton, eine IBM 390, basiert zwar mittlerweile auf recht moderner Hardware; aber Teile der Software stammen noch aus den 70er Jahren. Durch den Ausfall des Systems arbeitete dann am Donnerstagmorgen auch das System in Swanwick auf Grund fehlender Daten nicht mehr korrekt.
Die neue Software war nach dpa-Angaben nach einem Zwischenfall im Januar 2004 angefordert worden, als es im britischen Luftraum zu einem Beinahezusammenstoß zwischen zwei größeren Passagiermaschinen kam. Der Fluglotse hatte die Flugzeuge über das Datensystem angewiesen, sich voneinander zu entfernen. Die Daten waren aber vertauscht angekommen, sodass die Maschinen sich immer weiter näherten. Dieser Fehler wurde damals aber noch rechtzeitig von den Piloten und dem Fluglotsen bemerkt. (tol)