Games Convention: Kölner Kinder testen Spiele
Im Rahmen des Computerprojekts der Stadt Köln testen Kinder und Jugendliche gemeinsam mit pädagogischen Helfern Konsolen- und Computerspiele. Die Ergebnisse fließen in eine jährlich erscheinende Ratgeberbroschüre ein.
Mit ernsthaftem Gesichtsausdruck und ganz ohne die Frage "Ha'mse Werbegeschenke?" auf den Lippen bilden die 23 Kinder und Jugendlichen mit dem "Spieletester"-Aufdruck auf ihren T-Shirts einen deutlichen Kontrast zur Mehrzahl der Besucher auf der Leipziger Games Convention, die am heutigen Sonntag nach vier offiziellen Messetagen endet. Die Nachwuchs-Spieletester, deren Alter zwischen 10 und 20 liegt, stammen aus Köln und fühlen im Rahmen des Computerprojekts der Domstadt Konsolen- und Computerspielen des allgemeinen sowie des Edutainment-Bereichs auf den Zahn. Mitglieder des Projekts sind Jugendzentren, Kindertagesstätten sowie die Fachhochschule. Begleitet von einem jungen Dokumentationsteam aus werdenden Mediengestaltern versuchen die 23 auf der Games Convention inmitten des lautstarken Getöses in den Hallen Informationen über Neuerscheinungen zu bekommen, die sie in die kommende 14. Ausgabe der Broschüre "Spiel- und Lernsoftware pädagogisch beurteilt" einfließen lassen.
Träger dieses Druckwerks, das alljährlich im Dezember gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft erscheint und für 4 Euro bestellt werden kann, ist die Fachstelle Medienpädagogik und Jugendmedienschutz des Kölner Amts für Kinder, Jugend und Familie. Die aktuelle Ausgabe 13 weist neben einer kurzen Abhandlung, die Vorurteile in Bezug auf Gewaltneigung und gewalthaltige Spiele in Frage stellt, 82 Kurzbeschreibungen von Spielen auf, die neben Inhaltsangaben, technischen Daten und USK-Einstufungen auch eine besondere pädagogische Altersempfehlung sowie Hinweise aus den Erfahrungen der Nachwuchstester enthalten. Die behandelten Produkte sind infolge des langen Erscheinungszeitraums inzwischen aus den Charts verschwunden. Horst Pohlmann von der Fachstelle verweist jedoch darauf, dass viele im Rahmen von Republishing-Aktionen nach etlichen Monaten zu ermäßigtem Preis wieder im Handel auftauchen, was sie gerade für preisbewusste Spielekäufer besonders interessant mache.
Auf der Messe haben die Kölner Nachwuchs-Spieletester sich mit ihrer nordrhein-westfälischen Landesministerin für Schule, Jugend und Kinder, Ute Schäfer (SPD) getroffen und ihr eine Ausgabe der Broschüre sowie ein Spieletester-T-Shirt überreicht. Von der Politik erhoffen die Leute vom Computerprojekt, dass man über geplante Kürzungen in den Jugendeinrichtungen, die auch die Medienarbeit treffen, noch einmal kritisch nachdenkt -- nebenbei wünschen sie sich auch Hilfe bei der schwierigen Vorfinanzierung der Broschüre.
Bei ihrer Tour über die Messe haben die Kölner sich nicht in erster Linie von marktschreierischen Promotion-Aktionen einfangen lassen, sondern das – infolge des Lärmpegels oft schwierige – Gespräch mit Entwicklern und Produktmanagern gesucht. Einige Jugendliche sind zugleich als Reporter für den Kölner Jugendserver Jukobox unterwegs, um über den Einsatz zu berichten. (Nico Nowarra) / (psz)