Detailgenaue Tumornachsorge
Ein neues Testverfahren soll das Wiederaufleben von Prostatakrebs deutlich besser prognostizieren.
- Nidhi Subbaraman
Ein neues Testverfahren soll das Wiederaufleben von Prostatakrebs deutlich besser prognostizieren.
Quanterix, ein Diagnostik-Start-up aus dem amerikanischen Cambridge, hat eine hochempfindliche neue Technik entwickelt, mit der sich einzelne mit Krebs in Verbindung stehende Moleküle im Blut nachweisen lassen. Mit dem Verfahren ist es möglich, das erneute Auftreten von Prostatakrebs deutlich besser zu prognostizieren als bislang.
Die neue Erkennungstechnik ermittelt die Anzahl von prostataspezifischen Antigen-Molekülen (PSA), die Zellen der Vorsteherdrüse ins Blut abgeben. Bei Krebspatienten, deren Prostata entfernt wurde, fällt das PSA-Niveau sechs Wochen nach dem Eingriff so stark ab, dass es mit aktuellen Methoden nicht mehr detektiert werden kann. Eine mit der Zeit zunehmende PSA-Konzentration ist ein Zeichen dafür, dass der Tumor zurückgekehrt ist.
Mit der neuen Methode werden PSA-Moleküle auf Nanokügelchen eingefangen und dann einzeln in einem Array aus kleinen Kammern isoliert. Ein fluoreszierendes Enzym schlägt an, sobald es sich an PSA bindet, was wiederum Rückschlüsse auf die Anzahl der PSA-Moleküle in der Probe zulässt.
Bei einer Studie unter 30 Männern, deren Prostata entfernt worden war, ergab sich nun, dass der Test bis zu 1700 Mal empfindlicher arbeitet als ältere PSA-Erkennungsmethoden, die derzeit in klinischen Labors verwendet werden. So entdeckten die kommerziellen Tests keinerlei PSA in den Proben, während Quanterix geringe Mengen in allen 30 feststellte.
Noch ist unklar, wie teuer der Test sein wird, sobald er klinisch verfügbar ist. Das Interesse in der Medizin ist jedoch bereits groß. "Ich denke, dass man hier große Fortschritte beim Erkennungsniveau gemacht hat und hoffe, dass man es noch weiter verbessern kann", sagt Herbert Lepor von der Abteilung für Urologie am Langone Medical Center der New York University. Lepor will seine Blutprobensammlung Quanterix für weitere Tests überlassen, um die Methode zu standardisieren. "Ich freue mich darüber, dass wir unsere wertvollen Serumproben bereitstellen können, um ein Barometer dafür zu entwickeln, was dieser Test wirklich leisten kann."
Urologen untersuchen ihre Patienten normalerweise einige Jahre nach einer Prostataentfernung auf eine mögliche Rückkehr des Tumors. Empfindlichere Tests könnten dabei helfen, Menschen mit höherer Gefährdung auszusieben, die sich dann häufiger einer Untersuchung unterziehen müssten. Mit den verfügbaren PSA-Tests wartet Lepor derzeit bis zu drei Jahre lang, bevor er eine Prognose abgibt, wer ein höheres Risiko hat. Mit einem empfindlicheren Test ließe es sich deutlich früher ermitteln.
Dazu muss allerdings zunächst eine Balance gefunden werden, was die Genauigkeit anbetrifft. Der Test könnte nämlich zu empfindlich sein und PSA selbst dort finden, wo gar keine Tumorzellen vorhanden sind. In diesem Fall würden dann keine Einzelwerte genommen, sondern Überprüfungen über mehrere Wochen auf Veränderungen durchgeführt, meint Lepor.
Forscher bei Quanterix arbeiten bereits an der Nutzung ihrer hochempfindlichen Erkennungstechnik für andere Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Sie hoffen, Biomarker zu finden, die sich auch in geringen Mengen im Blut nachweisen lassen. "Für uns ist das nur die Spitze des Eisbergs", sagt David Duffy, leitender Direktor des Unternehmens. "Die Möglichkeit, einzelne Moleküle im Blut nachweisen zu können, lässt sich auch in vielen anderen Bereichen nutzen." (bsc)