Online-Musik: RealNetworks jubelt
Nicht nur der Ton zwischen den Konkurrenten auf dem Online-Musikmarkt wird härter, die Jubelschreie über die jeweils eigenen Erfolge werden auch lauter.
Nicht nur der Ton zwischen den Konkurrenten auf dem Online-Musikmarkt wird härter, die Jubelschreie über die jeweils eigenen Erfolge werden auch lauter: RealNetworks feiert eine Million Songs, die man alleine seit der Preissenkung vor gut einer Woche online verkauft habe. Anfang vergangener Woche hatte RealNetworks den Preis, den der Streaming-Spezialist für den Download von Songs aus einem RealPlayer Music Store verlangt, auf 49 Cent gesenkt. Mit der Aktion zielte die Firma explizit auf Apple: "Half the Price of Apple" lautete das Motto.
Mit Apple befindet sich RealNetworks aber auch in anderer Hinsicht im Clinch: Mit Harmony stellt RealNetworks für seinen Online-Musikshop und seine Medienplayer eine Technik zur Verfügung, die im Internet gekaufte Musik automatisch auf das DRM-System des portablen Players anpasst, den der Kunde des Online-Musikshops nutzt. RealNetworks verspricht, mit Harmony auch Apples DRM-System Fairplay zu unterstützen -- und dies, obwohl Apple bislang an keine andere Firma die Technik zur Rechteverwaltung lizenziert hat, die der iPod-Hersteller für die im iTunes Music Store gekauften Songs verwendet. Erwartungsgemäß fand Apple das gar nicht lustig und kündigte an, rechtliche Schritte wegen möglicher Verletzung des US-Copyright-Gesetzes Digital Millennium Copyright Act (DMCA) und anderer Gesetze zu prüfen.
Die Erfolgsmeldungen von RealNetworks dagegen dürften Apple aber immer noch weitgehend kalt lassen: Die Firma beansprucht mit dem iTunes Music Store 70 Prozent Marktanteil für sich und verdient mit dem portablen Musikplayer iPod unter anderem auch durch die Kombination mit dem Online-Musikshop gutes Geld. Auch kann man bereits seit Mitte Juli auf die stolze Marke von 100 Millionen verkaufter Songs verweisen; allein während einer Woche Anfang Mai will Apple 3,3 Millionen Songs verkauft haben.
Auch beim Repertoire, das die einzelnen Shops anbieten können, ist ein heißer Wettstreit im Gange. Apple beispielsweise verkündete stolz, man sei auch bei den Verhandlungen mit den Independent Labels vorangekommen: Zum Start der europäischen Ausgabe des iTunes-Shops gab es gerade wegen des Fehlens vieler Indies heftige Kritik. Mittlerweile soll sich diese Situation jedenfalls entspannt haben: "Der erste und einzige Online-Musikservice, der den Verbrauchern einen Katalog von einer Million Songs anbietet", trompetete Apple Mitte August die nächste Erfolgsmeldung hinaus. RealNetworks hat dagegen nach eigenen Angaben gut 625.000 Songs im Angebot; On Demand Distribution (OD2) wiederum kontert Apple-Erfolgsmeldungen regelmäßig mit dem Hinweis, dass man nach der Fusion mit Loudeye 1,3 Millionen Songs von den fünf Majors sowie hunderten von Independent-Labels sowohl für die USA als auch für Europa lizenziert habe.
Vom Konkurrenzkampf über solche Erfolgsmeldungen kann die deutsche Musikbranche allerdings momentan nur träumen. Zwar meint der Branchenverband, der Online-Musikmarkt in Deutschland wachse beständig, die eigens aufgebaute eigene Branchenplattform Phonoline glänzt aber keineswegs durch zu bejubelnde Erfolge, sondern ist auch Monate nach dem eher unglücklichen Start heftig unter Beschuss. (jk)