Unerklärliche Radioblitze: Einschläge auf Neutronensternen als mögliche Quelle
Seit mehr als 15 Jahren rätselt die Astronomie über immens energiereiche Radioblitze. Eine von dutzenden Hypothesen klingt jetzt wahrscheinlicher.
Das Observatorium Chime sucht nach Radioblitzen
(Bild: Chime)
Die mysteriösen Radioblitze, die seit Jahren für Rätselraten in der Astronomie sorgen, könnten zumindest teilweise auf interstellare Himmelskörper zurückzuführen sein, die mit Neutronensternen kollidieren. Das meint ein Forschungsteam, das dafür eine bereits vorgeschlagene Theorie überprüft hat. Wie sie dabei herausgefunden haben, passt die Rate von beobachteten Fast Radio Bursts (FRB) zur erwarteten Häufigkeit der beschriebenen Kollisionen. Zumindest für die nicht-periodischen Radioblitze könnte es sich deshalb um eine hinreichende Erklärung handeln. Bei den Kollisionen werden demnach die enormen Energiemengen freigesetzt, die einen Fast Radio Burst ausmachen. Verantwortlich dafür sind die extremen Bedingungen auf einem Neutronenstern.
Enorme Energiemengen möglich
Wie Forschungsleiter Dang Pham von der University of Toronto dem US-Magazin Space.com gegenüber erklärt, handelt es sich bei der überprüften Theorie um eine von mehr als 50: "Wir haben nachgezählt." Dass bei Einschlägen von interstellaren Himmelskörpern auf Neutronensternen enorme – und für FRB ausreichende – Energiemengen freigesetzt werden können, war demnach bereits bekannt. Das liege an der extremen Gravitation an deren Oberfläche. So hat die NASA einmal vorgerechnet, dass die Kollision eines Marshmallows mit einem Neutronenstern so viel Energie freisetzen würde wie eine frühe Atombombe. Bei einer Kollision mit einem ungleich größeren interstellaren Objekt würde genug Energie frei, um die Menschheit 100 Millionen Jahre zu versorgen.
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Während also grundlegende Fragen zu einem möglichen Zusammenhang mit den FRB bereits geklärt waren, sei aber noch unklar gewesen, ob sich solche Kollisionen überhaupt häufig genug ereignen, um die zahlreichen Nachweise der Radioblitze zu erklären. Sein Team habe nun gezeigt, dass interstellare Objekte, also Asteroiden und Kometen, die zwischen den Sternen unterwegs sind, wohl häufig genug sind, um die Menge der FRB zu erklären. Dabei geht es aber nur um die nicht-periodischen Radioblitze, die aber die große Mehrheit der Nachweise ausmachen. Ihrer Berechnung zufolge sollte sich eine Kollision eines interstellaren Objekts mit einem Neutronenstern in unserer Milchstraße ungefähr einmal alle 10 Millionen Jahre ereignen.
Entdeckt werden Fast Radio Bursts seit 2007, über ihren Ursprung wurde viel spekuliert. Sogar als mögliche Spuren außerirdischer Raumschiffe wurden sie bereits ins Spiel gebracht, zumeist wird aber ein natürlicher Ursprung angenommen. Bei den kurzen, aber äußerst heftigen Strahlungsausbrüchen wird innerhalb von Sekundenbruchteilen mehr Energie ausgestoßen, als unsere Sonne in einem Jahr generiert. Seit 2012 werden immer wieder auch periodische FRB entdeckt. Auf sie wurden besonders große Hoffnungen gesetzt, wenn es um die Klärung der physikalischen Prozesse geht, die dahinterstecken. Die Arbeit zu den sich nicht wiederholenden FRB wurde jetzt zur Veröffentlichung im Astrophysical Journal angenommen.
(mho)