KI im Journalismus: Bei den Bundesbürgern überwiegen die Bedenken

Täuschungen und fehlende Transparenz stehen im Fokus der Kritik bei KI in den Medien. Besonders skeptisch sehen die Befragten komplett per KI verfasste Artikel.

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mechanische Schreibmaschine mit eingespanntem Formular steht auf einem Tisch

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Drei Viertel der Bundesbürger (76 Prozent) sorgen sich um die Glaubwürdigkeit von Medien, wenn Künstliche Intelligenz (KI) im Spiel ist. Sie gehen davon aus: die Technik führt dazu, dass Vertrauen in Nachrichten und Medieninhalte sinkt. Das ist ein Kernergebnis der Studie "Transparenz-Check" zur "Wahrnehmung von KI-Journalismus", die die Landesmedienanstalten am Mittwoch veröffentlicht haben. Sie basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung von 3013 Internetnutzern. 56 Prozent der Teilnehmer sehen demnach in KI sogar eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Gleichzeitig halten über 90 Prozent klare Regeln für den Einsatz der Technik in den Medien und Kennzeichnungen für unerlässlich.

Über alle Altersgruppen hinweg überwiegen laut der Analyse bei KI im Journalismus die Bedenken. Täuschungen wie künstlich generierte, aber authentisch wirkende Deepfakes und fehlende Transparenz stehen im Fokus der Kritik. Besonders skeptisch beäugen die Bundesbürger rein KI-generierte Inhalte wie komplett mit der Technik verfassten Artikel oder synthetische Moderationsstimmen. Jüngere, formal höher gebildete Nutzer, die sich eine hohe Medienkompetenz zusprechen, sehen dagegen eher Chancen in KI. Ihnen zufolge könnten solche automatisierten Instrumente bei der Recherche oder Faktenprüfung helfen.

Ein Test der Studienmacher ergab, dass das Erkennen von KI-gestützten Beiträgen den Befragten teilweise schwerfällt. Besonders bei Texten erkennen 67 Prozent der Befragten eine Nutzung der Technik noch anhand transparenter Hinweise. "Praktisch niemand nimmt hingegen den Sprecherhinweis im Audio-Beitrag wahr", heißt es weiter. Auch bei den Kennzeichnungen in Videobeiträgen gebe es Verbesserungspotenzial. Am ehesten sprächen Jüngere hier auf Hinweise an. Wichtigste Erkennungssignale bei Video seien – wichtiger als die Kennzeichnung selbst – eine künstlich automatisiert klingende Stimme und Tonalität im Beitrag sowie der Einsatz von Avataren.

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Allgemein schätzt die Mehrheit (57 Prozent) ihr eigenes Wissen über KI als schlecht ein. 41 Prozent haben Werkzeuge wie ChatGPT oder DeepL schon ausprobiert. "Der Einsatz von KI im Journalismus verlangt mehr als nur technische Kompetenz", resümiert Transparenz-Check-Leiter Christian Krebs. "Es geht um eine ethische Haltung, die Verantwortung und Transparenz in den Mittelpunkt stellt." Medienhäuser und Plattformen müssten sich "aktiv für klare Kennzeichnung und nachvollziehbare Prozesse" starkmachen.

Laut einer Untersuchung des Medienverbands der Freien Presse (MVFP) sehen 78 Prozent der hiesigen Verlage KI als Megatrend. Die Technik wird bereits in jeder dritten Zeitschriftenredaktion für Recherche, Themenauswahl, Erstellung und Bearbeitung von Texten genutzt. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) mahnt: "Künstliche Intelligenz darf nicht an entscheidender Stelle in Redaktionsabläufe eingebunden werden." Die Aufgabe von Journalisten bestehe in deutlich mehr als im Feinschliff.

(mki)