Microsoft quittiert Mitarbeit in UN/Cefact

Das UN-Gremium fĂĽr Handelserleichterungen und E-Business UN/Cefact wird kĂĽnftig ohne die Mitarbeit von Microsoft auskommen mĂĽssen.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Das UN-Gremium für Handelserleichterungen und E-Business (UN/Cefact) wird künftig ohne die Mitarbeit von Microsoft auskommen müssen. Das Softwarehaus, das seit langem aktiv auch in Standardisierungsgremien wie dem World Wide Web Committee, in der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (OASIS) und der Internet Engineering Task Force (IETF) mitarbeitet, kündigte am Montag seinen Austritt aus dem UN-Gremium "aus geschäftlichen Gründen" an.

Die zögerlich geäußerte Begründung, "der Fokus des Standardisierungsgremiums [bewege sich] immer weiter weg von Microsofts eigener Expertise", klingt auf Anhieb plausibel; schließlich fühlt sich Cefact etwa im Zusammenhang mit Webservices eher für deren betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte verantwortlich und überlässt die technischen Fragestellungen vorrangig anderen Gremien.

Hinter den Kulissen kann man aber auch andere Motive für Microsofts Ausstieg mutmaßen: Gerade um den technisch bedeutenden Standard zur Koordinierung verschiedener Webservices, die Sprache ebXML, hatte es in der UN-Arbeitsgruppe zuletzt einige Querelen wegen des Microsoft-Engagements gegeben. Das wesentlich von IBM mitentwickelte, lizenzfrei verfügbare ebXML hat -- auch mit Cefact-Unterstützung -- in Europa und Asien bereits einige Verbreitung gefunden. Es konkurriert aber mit ähnlichen Microsoft-Entwicklungen, die bei weiter Verbreitung durchaus Anlass zu Lizenzforderungen aus Redmond geben könnten. Laut gewordenen Unkenrufen, Microsoft beteilige sich nur an der Cefact-Arbeit, um den eigenen Standard zu protegieren, hatte der Konzern ebenso wie -- nach bester diplomatischer Etikette -- auch Cefact widersprochen.

Doch die auch in Redmond vollzogene Praxis, mal das eine, mal das andere Standardisierungsgremium mit den FrĂĽchten der eigenen Software-Entwicklng zu fĂĽttern, macht ebenso wie die aktuelle KĂĽndigung deutlich, dass die Softwareindustrie bei solchen Gremien manchmal mit Zuckerbrot und Peitsche hantiert. UN/Cefact hat diese Woche offensichtlich eher Letzteres zu spĂĽren bekommen. (hps)