Bluttest für 10 Cent

Ein billiges papierbasiertes Untersuchungskit könnte die medizinische Versorgung in der Dritten Welt verbessern.

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Von
  • Katharine Gammon

Ein billiges papierbasiertes Untersuchungskit könnte die medizinische Versorgung in der Dritten Welt verbessern.

Wissenschaftler einer australischen Universität haben einen sehr einfach anzuwendenden Teststreifen entwickelt, mit dem sich die Blutgruppe eines Patienten bestimmen lässt. Dazu reicht es aus, einen einzelnen Blutstropfen auf ein dünnes Papierstück zu geben, das mit Antikörpern bedruckt ist. Anschließend durchtränkt das Blut verschiedene Bereiche des Papiers und gibt innerhalb kurzer Zeit die Blutgruppe preis. Der Test, der nur wenige US-Cent kosten soll, könnte die medizinische Versorgung in der Dritten Welt verbessern helfen.

Das Ermitteln der Blutgruppe gehört zu den grundlegenden medizinischen Untersuchungen, setzt aber noch immer eine relativ komplexe und erstaunlich teure Analyse mit Mikrofluidik- oder Optik-Systemen voraus. Es gibt vier verschiedene Hauptblutgruppen, die auf Antigenen der roten Blutkörperchen basieren: A, B, AB und 0. Die Blutgruppe muss bekannt sein, damit Bluttransfusionen möglich sind, die Jahr für Jahr Millionen Menschenleben retten. Eine falsche Blutgruppe kann hier schlimme Auswirkungen haben.

Das australische Forscherteam aus Ingenieuren und Materialwissenschaftlern arbeitet schon länger an Verfahren, mit denen sich verschiedene biologische Substanzen drucken lassen, um ein sogenanntes bioaktives Papier zu schaffen. Dabei wird ein modifizierter Tintenstrahldrucker eingesetzt, dessen Tinte durch Enzyme oder Antikörper ersetzt wurde.

Während eines Experiments mit verschiedenen Substanzen ergab sich nach dem Druck von Blutantikörpern auf dem Papier ein interessanter Effekt: "Wenn man einen Blutstropfen auf ein Kleenex tröpfelt, verteilt es sich", erläutert Projektleiter Gil Garnier, Professor für Chemieingenieurwesen an der Monash University. "Wenn es aber verklumpt, verbleibt es an einer Stelle." Die sogenannte Agglutination oder auch Verdickung erfolgt, wenn ein bestimmter Bluttyp auf bestimmte Antikörper trifft.

Mit diesem Wissen schuf das Forscherteam ein Stück Papier mit drei Ärmchen – jeder bedruckt mit einem anderen Antikörper, die zu den Antigenen der roten Blutzellen passen. Dann wird ein Blutstropfen in die Mitte des Papiers gegeben, der sich dann die Abzweigungen entlang bewegt. Trifft das Blut auf passende Antikörper, verbleibt es an dieser Stelle – die Blutgruppe ist geklärt. Der Test entspricht laut Garnier in Sachen Genauigkeit aktuellen Laborverfahren. Zudem benötigt er nur einen einzigen Blutstropfen und wird kommerziell vermutlich unter 10 US-Cent kosten. Das bioaktive Papier eignet sich außerdem auch noch für andere Bluttests, so hofft Garnier in den nächsten Jahren auf Untersuchungskits zu Krankheiten wie Tuberkulose, Anämie oder Diabetes.

Einige Probleme gibt es allerdings noch zu lösen. So befinden sich die Regionen, die von diesem Test besonders profitieren würden, zumeist in heißen Klimazonen. Das Papier müsse also robust genug sein, woran gerade gearbeitet werde, sagt Garnier.

Außerdem lassen sich mit der aktuellen Version noch nicht alle Blutgruppen-Details entschlüsseln. "Der Test ist nur ein Teil des Prozesses vor einer Bluttransfusion", sagt Robert Richard, Medizindozent an der Abteilung für Hämatologie der University of Washington. So müsse noch sichergestellt werden, dass es nicht zu einer hämolytischen Reaktion durch eine Antigen-Inkompatibilität komme. Nichtsdestotrotz glaubt Garnier, dass ein billiger, portabler Papiertest Ärzten schnell geeignete Informationen liefern könne, "insbesondere in den Entwicklungsländern". (bsc)