Unterseekabel Estlink2 beschädigt: Estland lässt Estlink1 von Marine schützen
In Estland und Finnland wurde die Weihnachtsruhe durch beschädigte Unterseekabel in der Ostsee gestört. Die Regierung in Tallinn reagiert mit Militärpräsenz.
(Bild: Cloudy Design/Shutterstock.com)
Estland wird nach dem Ausfall des Unterseekabels Estlink2 die Stromleitung Estlink1 durch Patrouillenschiffe überwachen lassen. "Wir haben beschlossen, unsere Marine in die Nähe von Estlink1 zu schicken, um unsere Energieverbindung mit Finnland zu verteidigen und zu schützen", schrieb Verteidigungsminister Hanno Pevkur auf dem Plattform X. Damit solle sichergestellt werden, dass der wichtigen Verbindung nichts passiere und sie betriebsbereit bleibe, sagte Pevkur im estnischen Radio. Auch die Nato kündigte an, ihre militärische Präsenz in der Ostsee zu verstärken.
Die Stromverbindung Estlink2 zwischen Estland und Finnland war am Mittwoch unterbrochen worden. Die finnischen Behörden vermuten Sabotage und haben den unter der Flagge der Cookinseln fahrenden Öltanker "Eagle S" festgesetzt, dessen Anker den Schaden am Kabel verursacht haben könnte. Das Schiff soll der EU zufolge zur sogenannten russischen Schattenflotte gehören – Tanker und andere Frachtschiffe, die Russland inoffiziell benutzt, um Sanktionen etwa beim Öltransport zu umgehen.
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Über Weihnachten wurden zudem Störungen an Kommunikationskabeln in der Ostsee bekannt. Drei davon verlaufen einem Bericht des finnischen Rundfunksenders Yle zwischen Finnland und Estland, eines zwischen Finnland und Deutschland. Untersuchungen zu den Hintergründen der Ausfälle laufen.
Notfalls auch mit militärischen Mitteln schützen
"Natürlich muss die Untersuchung alle Einzelheiten des Bruchs des Estlink2-Kabels und der Kommunikationskabel aufdecken. Aber unsere Aufgabe ist es, sofort eine klare Botschaft zu senden, dass wir bereit sind, die Verbindungen zwischen Estland und Finnland, wenn nötig, auch mit militärischen Mitteln zu schützen", wurde Pevkur in einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums zitiert.
In Estland, Finnland und anderen Ostsee-Anrainerstaaten herrscht erhöhte Wachsamkeit und Alarmbereitschaft wegen möglicher Sabotageakte, nachdem es zuletzt mehrfach zu Ausfällen und Störungen von Stromkabeln, Gaspipelines und Telekommunikationsverbindungen gekommen ist. NATO-Generalsekretär Mark Rutte bekundete auf X seine Solidarität mit den Verbündeten. Zudem kündigte er an, dass die NATO ihre militärische Präsenz in der Ostsee verstärken werde.
Die Reparatur der 170 Kilometer langen Verbindungsleitung Estlink2 könnte nach ersten Schätzungen der Netzbetreiber mehrere Monate dauern. Größere Auswirkungen für Verbraucher soll es nach Angaben von estnischen und finnischen Behörden nicht geben.
(mho)