Darf’s ein bisschen weniger sein?

Schon innerhalb der Subnotebook-Klasse – also unter den kleinen und leichten Mobilrechnern mit 10- bis 13-Zoll-Display – gibt es riesige Leistungs- und Preisunterschiede. Für wen reicht was, und wie gut sind aktuelle Geräte?

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Am Urlaubsort die frisch aufgenommenen Digitalbilder sortieren, im Straßencafé noch mal die Studienarbeit durchgehen oder beim Warten auf den verspäteten Flieger mit der Familie zu Hause chatten – Subnotebook-Besitzer können anfallende Arbeiten in einer freien halben Stunde zwischendurch an ungewöhnlichen Orten erledigen und müssen nicht warten, bis sie wieder am Heim- oder Büro-PC sitzen.

Wer sich heute ein kleines Notebook für den mobilen Einsatz kaufen möchte, hat die Wahl zwischen drei Unterklassen. Die günstigsten Geräte sind die seit rund zwei Jahren nicht mehr wegzudenkenden Netbooks, die teuersten die Subnotebooks mit Displaydiagonalen bis 13,3 Zoll und leistungsstarken Prozessoren. Dazwischen liegen Notebooks mit ULV-Prozessoren, also stromsparenden Ablegern der normalen Notebook-CPUs.

Mit ihren kompakten Abmessungen – selbst 13,3-Zöller haben eine Grundfläche, die kaum größer ist als eine DIN-A4-Seite – passen die Geräte aller drei Kategorien nicht nur problemlos in Tragetaschen und Rücksäcke, sondern lassen sich auch auf den Klapptischen in Zügen und Flugzeugen benutzen. Wegen des geringen Gewichts von unter zwei Kilogramm schleppt man sich nicht zu Tode, zumal dank Laufzeiten von mindestens fünf Stunden das Netzteil nicht dabei sein muss. Deutliche Unterschiede gibt es aber hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der verwendeten Prozessoren und Grafikchips sowie der Ergonomie.

Fast alle derzeit erhältlichen Netbooks sind mit Intels Atom-Prozessor ausgestattet. Manche haben noch die älteren Varianten N270, N280 oder Z530 an Bord, in neueren arbeitet der N450. Für die Rechenleistung spielt dies keine Rolle, denn der Einkern-Prozessor läuft bei allen genannten Modellen mit 1,6 oder 1,66 GHz – der Unterschied fällt in der Praxis nicht auf [1]. Auch die seltenen Atom-Modelle mit 1,86 GHz sind nicht spürbar schneller.

Größenvergleich: 10-Zoll-Netbook, 11,6-Zoll-Thin&Light-Gerät, 13,3-Zoll-Bolide mit Core i5

Generell gilt, dass der Atom der langsamste derzeit erhältliche x86-Prozessor ist. Für Büroarbeiten reicht er aus, weil jeder aktuelle Prozessor beim Texte-Tippen oder Tabellen-Basteln die meiste Zeit Däumchen dreht. Läuft im Hintergrund ein Virenscan, so wird er dank seines zweiten virtuellen Hyper-Threading-Kerns nicht völlig ausgebremst. Bei der Bildbearbeitung muss man allerdings schon beim Kleinrechnen von hoch aufgelösten Bildern mit nervigen Wartezeiten rechnen – von aufwendigen Effekten ganz zu schweigen. An Videoschnitt ist nicht zu denken.

Das Abspielen von Videos ist eine Gratwanderung: Während Videos in PAL-Auflösung ruckelfrei abgespielt werden, reicht die magere Rechenleistung für manche 720p-Videos schon nicht mehr aus – sei es von Festplatte oder im Webbrowser per Flash-Player. Der Grund: Den integrierten Grafikeinheiten GMA950 (N270/N280) beziehungsweise GMA3150 (N450) fehlen Videobeschleuniger, die dem Prozessor beim Dekodieren moderner Videoformate wie H.264 unter die Arme greifen. Die Videobeschleuniger der GMA500 (Z530) können das laut Datenblatt, werden aber erst mit den neusten Beta-Treibern von Intel unterstützt und schaffen auch dann keine ruckelfreie HD-Wiedergabe bei YouTube & Co. Zusätzliche Beschleuniger-Chips wie Broadcoms Crystal HD scheitern ebenfalls daran.

Dass Flash ein Performance-Fresser ist, merkt man bei den schwachbrüstigen Netbooks besonders: Hat man im Webbrowser mehrere Tabs mit Seiten offen, die Flash für Werbung, Navigation oder Seitendesign nutzen, wird das Arbeiten zäh.

Sowohl Intel als auch Microsoft haben den PC-Herstellern Hardware-Obergrenzen für die Atom-N-Serie beziehungsweise die Lizenz für Windows 7 Starter (und früher XP Home) auferlegt. Nur wer diese befolgt, bekommt Marketingzuschüsse – und weil kein Hersteller seine Netbooks im hart umkämpftem Niedrigpreissegment ohne diese Zuschüsse kostendeckend anbieten könnte, halten sich alle daran.

Die Beschränkungen haben sich im Laufe der Zeit zwar gelockert, doch es sind weiterhin maximal 250 GByte Speicherplatz und 1 GByte Hauptspeicher zu finden, wenn Windows 7 Starter vorinstalliert ist. Letzterem fehlen gegenüber der größeren Home-Premium-Edition unter anderem das Media Center, das Mobilitätscenter, die teiltransparente Aero-Oberfläche sowie die Touch- und Tablet-Funktionen; externe Monitore lassen sich nicht als erweiterter Desktop benutzen [2]. Netbooks mit speziellen Linux-Vorinstallationen sind mangels Kundenresonanz mittlerweile vom Markt verschwunden; Android und MeeGo spielen keine Rolle.

Bei der Bildschirmdiagonale erlaubt Intel maximal 10 Zoll. Obwohl es bei der Auflösung keine Limits gibt, trifft man Displays mit mehr als den üblichen 1024 x 600 Punkten kaum an. Ausnahmen sind Dells Inspiron Mini 10 und Sonys Vaio VPC-W21 mit jeweils 1366 x 768 Pixeln. Sie zeigen spürbar mehr Informationen auf einen Blick an, sind mit 156 dpi aber nur Nutzern mit guten Augen zu empfehlen. Dell und HP statten ihre Business-Netbooks Latitude 2100/2110 beziehungsweise Mini 5101/5102 optional ebenfalls mit solchen HD-Bildschirmen aus, nur bei HP gibt es solche mit matter Oberfläche. Auch bei der geringeren Standardauflösung findet man matte Bildschirme nur noch in wenigen Geräten wie Samsungs N220 und manchen Konfigurationen von Asus’ Eee PC 1001P und 1005P(E).

Die 10-Zoll-Netbooks wiegen rund 1,3 Kilogramm. Während anfangs noch Drei-Zellen-Akkus gang und gäbe waren, gibt es heute kaum noch Geräte ohne Sechs-Zellen-Akkus. Sie sorgen für Laufzeiten von bis zu zehn Stunden, und nur wenige aktuelle Geräte wie MSIs Wind U135 machen schon vor der Acht-Stunden-Marke schlapp.

In den kleinen Netbook-Gehäusen finden keine Tastaturen mit dem normalen Tastenraster von 19 Millimetern Platz, doch nicht alle Hersteller bauen gleich schmale Tasten ein. Mit Tasten von 17,5 oder mehr Millimetern Breite kommen Vielschreiber, die größere Tastaturen gewohnt sind, nach kurzer Eingewöhnungsphase zurecht; bei kleineren erfordert fehlerfreies Tippen eine hohe Konzentration.

Wem die niedrige Rechenleistung oder die geringe Bildschirmauflösung von Netbooks zu wenig ist, der sollte sich bei den kleinsten Exemplaren der sogenannten Thin&Light-Notebooks umsehen. In ihnen arbeiten häufig ULV-Varianten der Core-2-Prozessoren, also selektierte Exemplare mit abgesenkter Versorgungsspannung und geringerem Takt. Dies führt zu einer deutlich niedrigeren Leistungsaufnahme, welche kleine Kühler und damit flache Notebook-Gehäuse erlaubt.

ULV-Prozessoren gibt es zwar schon länger, doch seit 2009 erleben sie eine Renaissance, weil Intel zusätzlich zu den teuren High-End-Modellen günstige ULV-Prozessoren auf den Markt brachte, die mitunter als CULV (Cheap oder Consumer ULV) bezeichnet werden. Typische Vertreter sind der Celeron 723, der Pentium SU4100, der Core 2 Solo SU3500 oder der Core 2 Duo SU7300. Ihre Rechenleistung liegt deutlich über der des Atom, doch weil der Celeron und der SU3500 nur einen Rechenkern haben, fühlen sich damit ausgestattete Geräte zäh an, sobald eine Anwendung Rechenlast erzeugt.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 14/2010.

[1] Christof Windeck, Florian Müssig, Atom 1.5, Intel überarbeitet die Netbook- und Nettop-Prozessoren, c’t 1/10, S. 24

[2] Florian Müssig, Abgespeckt, 10-Zoll-Netbooks mit Windows 7 Starter, c’t 26/09, S. 64 (mue)