Abgestürzter Metallring in Kenia: Herkunft von Weltraumschrott noch ein Rätsel
Kurz vor dem Jahreswechsel ist in Kenia ein 500 Kilogramm schwerer Metallring abgestürzt, offenbar aus dem Weltall. Um was es sich handelt, ist weiter unklar.
(Bild: Dotted Yeti/Shutterstock.com)
Fast zwei Wochen nach dem Absturz eines 500 Kilogramm schweren Stücks Weltraumschrotts im Süden Kenias ist offenbar weiterhin nicht klar, woher das Objekt stammt. Das geht aus einer Mitteilung der Weltraumagentur Kenias (KSA) vom vergangenen Wochenende, Stellungnahmen des Raumfahrtunternehmens Arianespace und Analysen mehrerer Raumfahrtexperten hervor. Nicht ganz ausgeschlossen ist offenbar auch noch, dass es sich bei dem Objekt überhaupt nicht um Weltraumschrott handelt. Das meint etwa der Niederländer Marco Langbroek, der seit Jahren die Bahnen von Satelliten analysiert. Kenias Weltraumagentur selbst ist zuletzt öffentlich Falschinformationen entgegengetreten, denen zufolge Indien für verursachte Schäden aufkommen soll.
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Bei Arianespace erkennt man Objekt nicht
Wie Langbroek in einem Blogeintrag erläutert, kommen anhand der Bahndaten, des Absturzzeitpunkts sowie der Absturzstelle eigentlich nur zwei Objekte infrage. Bei dem einen handle es sich um den Teil einer 2008 gestarteten europäischen Ariane-Rakete. Zu dem passen demnach die meisten Eigenschaften, aber das gefundene Objekt wäre wohl deutlich zu schwer. Außerdem hat ein Sprecher des Herstellers Arianespace gegenüber der französischen Zeitung Le Parisien versichert, dass Ingenieure anhand der Fotos zu dem Schluss gekommen seien, dass "dieses Teil nicht zu einem Teil einer europäischen Trägerrakete gehört, die von Arianespace betrieben wird". Laut der ArianeGroup passe überdies der Durchmesser nicht.
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Als zweiten Kandidaten hat der niederländische Experte den Booster einer 2004 gestarteten Rakete des Typs Atlas ausgemacht, aber der würde gleich aus mehreren Gründen nicht so gut passen. Obendrein sei dieses Objekt noch nach dem Absturz im Orbit beobachtet worden. Der US-Raumfahrtexperte Jonathan McDowell wiederum sieht das nicht ganz so skeptisch. In einem eigenen Blogeintrag verweist er darauf, dass die Beobachtungsdaten falsch sein könnten und ein Teil dieses Stücks Weltraumschrott schon früher abgestürzt sein könnte, was dann doch zur Absturzstelle passen könnte. Aber auch hier sei die Masse des Objekts zu gering für die, die der abgestürzte Ring haben soll.
McDowell schließt in seinem Text noch fünf weitere mögliche Kandidaten aus, zumeist hat es sich dabei um Objekte im Zusammenhang mit Starts von Starlink-Satelliten gehandelt. Damit kann eine Antwort auf die Frage nach der Herkunft wohl nur aus Kenia selbst kommen, wo das Objekt derzeit untersucht wird. Die dortige Raumfahrtagentur hatte versichert, dass das Objekt keine "unmittelbare Gefahr für die Sicherheit" darstellt und analysiert werde. Es handle sich um einen Einzelfall, den man unter den Regeln der internationalen Vereinbarungen aufarbeiten wolle, hatte die Kenya Space Agency erklärt. Auf ihrem Facebook-Account war sie zuletzt Falschmeldungen in Verbindung mit dem sichergestellten Objekt entgegengetreten.
(mho)