Auto-Elektronik: Flugzeuge und Pferde als Vorbild
Steuern und Bremsen im Auto über Elektronik gilt nach früher Euphorie derzeit als uninteressant. Aber das Konzept könnte bald ein Comeback feiern, berichtet Technology Review.
Nach einer Reihe von Problemen mit Elektronik im Auto gilt "X-by-Wire", also das Ersetzen mechanischer oder hydraulischer Verbindungen durch Elektronik, in der Branche derzeit als ausgesetzt, berichtet Technology Review in der Titelgeschichte seiner neuen Ausgabe. Dennoch könnte das Konzept in einer radikaleren Form, angelehnt an den Flugzeugbau, wiederkommen: "Wir skalieren den A380 herunter", sagte Gernot Spiegelberg von DaimlerChrysler dem Magazin.
Spiegelberg leitet bei DaimlerChrysler das Projekt PEIT (Powertrain Equipped with Intelligent Technologies). Dabei geht es darum, zunächst für Lastwagen einen neuartigen Antriebsstrang zu entwickeln, in den steer-by-wire (elektronische Lenkung), brake-by-wire und ESP integriert sind. Angesteuert würde er von einem zentralen, aber redundant ausgelegten Computer. Das Konzept kann man sich vorstellen wie ein Pferdefuhrwerk: Über die Zügel bekommt das Pferd Befehle, die eigentliche Ausführung wird ihm und seinem "Antriebsstrang" überlassen -- es stimmt seine Beine aufeinander ab, passt die Muskelkontraktion Bodenunebenheiten an und weicht Hindernissen aus.
Heutige Autos haben oft mehr als 60 einzelne Steuergeräte, also Mikrocontroller für spezielle Aufgaben. Verbunden ist diese historisch gewachsene Vielfalt über Bus-Systeme, die den Austausch von Daten und Signalen ermöglichen. Aber die zunehmende Vernetzung hat auch zu mehr Problemen im Betrieb geführt -- von daher kommen die Überlegungen, einen radikalen Schnitt zu machen und wie beim Airbus die Steuerung in einem zentralen Gerät zu konzentrieren.
Siehe dazu: (sma)
- Wird das Auto zu komplex?, Titelgeschichte in Technology Review 7/2004 (ab Donnerstag, den 24. Juni, im Handel)