6900 Modelle im Blick: Vergleichsportal der Bafin fĂĽr Girokonten ist online

Nach langen Verzögerungen hat die Bafin ein Portal für die Suche nach dem passenden Zahlungskonto fertiggestellt. Vergleichen lassen sich Kosten und Leistungen.

vorlesen Druckansicht 32 Kommentare lesen
Ein ungeordneter Stapel mit Kreditkarten und Girokarten von verschiedenen Zahlungsdienstleistern wie Mastercard oder Visa.

(Bild: Tatiana_Kuzmina/Shutterstock.com)

Lesezeit: 3 Min.
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die EU verlangt seit Jahren einen unabhängigen und kostenlosen Vergleich von Girokonten. Nach einem Fehlstart vor fünf Jahren steht ein solches Portal jetzt auch Verbrauchern in Deutschland zur Verfügung. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat am Mittwoch eine entsprechende Webseite online gestellt. Sie ermöglicht damit einen Überblick zu fast 6900 unterschiedlichen Kontenmodellen von rund 1100 Finanzdienstleistern für Privatpersonen. Neben Angeboten klassischer Banken und Sparkassen sind etwa auch solche von Neo-Banken und Fintechs enthalten.

Gegenüberstellen lassen sich Informationen wie monatliche Gebühren, Preise für Debit- und Kreditkarten sowie Haben- und Überziehungszinssätze. Oft empfiehlt sich dabei ein Blick ins Kleingedruckte. "Bei manchen Konten umfasst das monatliche Entgelt für die Kontoführung bereits bestimmte Zahlungsdienste", bringt die Bafin ein Beispiel. Für weitere Dienstleistungen könnten dann zusätzliche Kosten anfallen: "Etwa dafür, dass Sie Bargeld einzahlen oder abheben und Geldbeträge durch Lastschrift, Kartenzahlung oder Überweisung übermitteln." Manche Konten sind zudem an Bedingungen wie einen monatlichen Geldeingang geknüpft. Alle Details ließen sich nicht sofort darstellen, erläutert die Behörde: "Über Einzelheiten informieren Sie sich bitte beim Kontoanbieter."

Die Kontenmodelle werden auf der Plattform anhand von 27 Vergleichskriterien dargestellt. Über Such- und Filterfunktionen können Nutzer das Angebot eingrenzen. Es ist etwa möglich, Merkmale für ein Wunschkonto festzulegen, mit Aspekten wie Kontoführungsgebühr, unentgeltlicher Bargeldauszahlung im Ausland oder Ausgabe einer Kreditkarte. Suchergebnisse lassen sich online speichern, weiterleiten und herunterladen. Die Bafin betont: Cookies seien dafür nicht nötig.

Videos by heise

Hintergrund ist die EU-Zahlungskontenrichtlinie, laut der Verbraucher Anspruch auf mindestens einen einschlägigen Online-Vergleich für Giro- und Basiskonten haben. Die Bundesregierung hatte sich trotz Kritik zunächst entschieden, diese Vorgabe mit dem privaten Dienstleister Check24 umzusetzen. Dessen Portal ging im August 2020 an den Start – und im Januar 2021 schon wieder offline: Verbraucherschützer klagten wegen unzureichender Marktabdeckung des Portals und bekamen vor Gericht Recht. Über das Zahlungskontengesetz beauftragte der Gesetzgeber dann die Bafin mit dem Projekt.

"Ohne Girokonto gibt es keinen Mietvertrag, keinen Gehaltseingang und keine Online-Bestellung", erläutert der Bafin-Exekutivdirektor für Wertpapieraufsicht, Thorsten Pötzsch, die Bedeutung der Initiative. Die neue Webseite biete "einen flächendeckenden Überblick", freute sich Bundesverbraucherschutzministerin Steffi Lemke (Grüne). Finanzminister Jörg Kukies (SPD) ergänzte, das Angebot schaffe "Transparenz auf dem Girokontenmarkt". Verbraucher könnten damit "aufgeklärt das für sie passende Konto auswählen". Für die Richtigkeit der Angaben sind die Kontoanbieter selbst verantwortlich. Die Bafin führt aber "stichprobenhafte Qualitätschecks" durch. Die Aufnahme in den Vergleich ist ihr zufolge nicht als Gütesiegel zu verstehen.

(mma)