Asteroid Bennu enthält alle fünf Nukleinbasen des Erbguts
Proben vom Asteroiden Bennu enthalten die Bausteine des Lebens, wie wir es kennen. Wissenschaftler sind enthusiasmiert.
Asteroid Bennu
(Bild: NASA)
Gesteinsproben des Asteroiden Bennu begeistern Wissenschaftler. Analysen zeigen, dass der Asteroid nicht nur Mineralien hat, die für Leben, wie es auf der Erde existiert, notwendig sind. Sondern es gibt auf Bennu auch alle fünf Nukleinbasen, die irdisches Erbgut ausmachen. Die NASA-Mission mit der Sonde Osiris-Rex, die auf Bennu Proben gesammelt und 2023 über der Erde abgeworfen hat, macht sich wissenschaftlich bezahlt. Osiris-Rex steht für Origins, Spectral Interpretation, Resource Identification and Security-Regolith Explorer.
Insgesamt hat die Mission 121,6 Gramm an Probenmaterial gebracht, mehr als das Doppelte der Zielmenge. Ein Bennu-Steinchen ist in Smithsonians Nationalem Naturhistorischen Museum in der US-Hauptstadt Washington ausgestellt. Weitere Bennu-Probenstückchen werden von der NASA und mehreren anderen Forschungseinrichtungen untersucht.
Alle Erbgut-Bausteine
Dabei haben Forscher aufregende Entdeckungen gemacht: Eine große amerikanisch-japanisch-deutsche Gruppe unter Führung des Goddard Space Flight Center der NASA meldet, "dass Bennu-Proben reich an flüchtigen Bestandteilen sind und mehr Kohlenstoff, Stickstoff und Ammoniak enthalten als Proben vom Asteroiden Ryugu und den meisten Meteoriten." "Wir haben Aminosäuren (darunter 14 der 20 in terrestrischen Lebewesen üblichen), Amine, Formaldehyd, Carbonsäuren, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und N-Heterozyklen (darunter alle fünf Nukleobasen, die in DNA und RNA vorkommen) sowie etwa 10.000 stickstoffhaltige chemische Spezies nachgewiesen", schreiben sie in ihrem Forschungsbericht in der Zeitschrift Nature Astronomy.
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Die Häufigkeit von Aminosäuren und anderen löslichen organischen Stoffen deute darauf hin, dass diese bei niedrigen Temperaturen entstanden seien, möglicherweise in Ammoniak-haltigen Flüssigkeiten: "Der Mutterasteroid von Bennu entwickelte sich in einem Reservoir im äußeren Sonnensystem, in dem Ammoniak-Eis stabil war oder holte sich Eis aus einem solchen Reservoir."
Die fünf Ergbut-Nukleinbasen sind Adenin, Cytosin, Guanin, Thymin und Uracil. Sie bilden DNS (ohne Uracil) und RNS (ohne Thymin). [Update:] Die ursprüngliche Angabe, es sei das erste Mal, dass alle fünf Substanzen auf Asteroiden oder Meteoriten nachgewiesen worden seien, hat Smithsonian zurückgezogen. [/update]
Soda
Erstmals auf einem Asteroiden oder Meteoriten nachgewiesen wurden Spuren wasserhaltigen Sodas (Natriumcarbonatverbindungen). Das hat die elektronenmikroskopische Analyse einer Bennu-Probe durch ein anderes Forscherteam geschafft, unter Leitung von Wissenschaftlern der Naturhistorischen Museen in Washington und London. Auf der Erde kommt natürliches Soda beispielsweise in verdunsteten Salzseen vor. Die Wissenschaftler haben insgesamt elf Mineralien gefunden, die wahrscheinlich aus einer salzlaugenartigen Umgebung auf Bennus Mutterasteroiden stammen.
Wie sie in einem in Nature erschienen Artikel erklären, unterscheidet sich das chemische Profil jedoch von irdischen Salzlaugen. Bennu ist reich an Phosphor, das auf der Erde vergleichsweise selten ist, dafür fehlt Bennu Bor, das in hypersalinen Sodaseen auf der Erde häufig ist. In diesen Punkten ähnele Bennu untersuchten Meteoriten, aber eben nicht dem typischen Erdprofil. Die verdunsteten Mineralien Bennus stammen demnach aus der Frühphase der Entstehung unseres Planetensystems.
"Wir wissen jetzt, dass wir die Grundbausteine für den Weg zum Leben haben", sagte Meteoritenforscher Tim McCoy von Smithsonians Naturhistorischem Museum in Washington. "Aber wir wissen nicht, wie weit die Umweltbedingungen (Bennus) es zugelassen haben, diesen Weg zu beschreiten." "Gemeinsam haben wir enormen Fortschritt dabei gemacht, zu verstehen, wie sich Asteroiden wie Bennu entwickelt haben und wie sie dabei geholfen haben könnten, die Erde bewohnbar zu machen", fügte seine britische Kollegin Sara Russel hinzu. Sie hat sich auf kosmische Mineralogie spezialisiert.
(ds)