"Von Biden im Stich gelassen": Trump macht Starliner-Astronauten zum Politikum

Die Starliner-Crew ist noch auf der ISS, ihr Raumschiff nicht mehr. Gestrandet sind sie nicht, ihre Rückkehr steht bevor. Das sieht der US-Präsident anders.

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Drei schwebende Astronauten vor einer US-Flagge

Suni Williams (li.) und Butch Wilmore (Mitte) mit Nick Hague auf der ISS

(Bild: NASA)

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Die Rückkehr der vorübergehend auf der ISS gestrandeten NASA-Astronautin Suni Williams und ihres Kollegen Barry Wilmore wird wenige Wochen vor dem Abflug von der Internationalen Raumstation zum Politikum. Dafür haben US-Präsident Donald Trump und sein enger Berater, der US-Milliardär Elon Musk, jetzt gesorgt. Zuerst hat der SpaceX-Chef auf seinem Kurznachrichtendienst X erklärt, dass er von Trump gebeten worden sei, die beiden "so schnell wie möglich" zurückzubringen und ergänzt, dass es "schrecklich" sei, dass sie von Trumps Amtsvorgänger so lang dort gelassen wurden. Später bestätigte Trump die Bitte und behauptete noch, die beiden seien von der Biden-Regierung "praktisch im Stich gelassen worden".

Williams und Wilmore sind Anfang Juni als erste Menschen mit dem Boeing-Raumschiff Starliner zur ISS geflogen. Wegen technischer Probleme mit dem Raumfahrzeug konnten sie dann aber nicht damit zurückfliegen. Stattdessen flog der Starliner leer zurück und die NASA schickte Ende September nur zwei Raumfahrer mit einer Crew Dragon zur ISS. Zwei Plätze an Bord blieben frei für Williams und Wilmore. Die beiden sind also überhaupt nicht gestrandet, stattdessen arbeiten sie auf der ISS und warten auf den planmäßigen Rückflug ihrer Raumkapsel – die von Elon Musks SpaceX stammt. Nur weil sich der Start der nächsten SpaceX-Raumkapsel jetzt verzögert, war die Abreise zuletzt um einige Wochen nach hinten verschoben worden.

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Für die Rückholung der Astronautin und des Astronauten ist also längst SpaceX verantwortlich. Wie der für gewöhnlich gut informierte Journalist Eric Berger von Ars Technica jetzt schreibt, gibt es nicht den kleinsten Hinweis darauf, dass die vorige US-Regierung Einfluss auf die Pläne zur Heimkehr der beiden genommen hat – und das, obwohl es im Wahlkampf womöglich sogar Gründe dafür gegeben hätte. Am wahrscheinlichsten sei jetzt, dass der Heimflug von Williams und Wilmore so ablaufen wird, wie es schon lange geplant war, während Trump und Musk weiter von einer Rettung sprechen und die abgelöste US-Regierung kritisieren.

(mho)