Ada Lovelace im historischen Gespräch
Sie verband Wissenschaft mit Poesie und erkannte sehr früh die Möglichkeiten der Rechenmaschine – Lord Byrons Tochter Ada Lovelace
- Gordon Bolduan
Sie verband Wissenschaft mit Poesie und erkannte sehr früh die Möglichkeiten der Rechenmaschine – Lord Byrons Tochter Ada Lovelace
TR: Verehrte Countess, es freut mich sehr, dass dieses Gespräch doch noch zustande gekommen ist.
Ada Lovelace: Mich wunÂdert es eher. Meine liebe Frau Mutter wacht so sehr ĂĽber mich, dass selbst mein Mann William und meine Kinder nicht an mein Krankenbett dĂĽrfen.
Greifen Sie deswegen schon am frĂĽhen Morgen zum Rotwein?
NatĂĽrlich nicht! Mein LeibÂarzt Charles Locock hat mir den Wein verschrieben, um mein Nervenleiden zu mindern. Eigentlich probiere ich gerade das neue Opium-System aus, indem ich ĂĽber die Woche verteilt Laudanum oder Morphium konÂsumiere. Jedoch setzt dies Ruhe und Entspannung voraus, womit aufgrund Ihres Besuchs wohl nicht zu rechnen ist.
Countess!
Sie sind Journalist! Ihre Zunft degradiert mich seit meiner Geburt zum öffentlichen Spektakel – wie zuvor schon meinen Vater...
…den berühmten Lord Byron, den Sie niemals kennenlernten, weil Ihre Mutter es nicht wollte? Erst als Sie schon 20 Jahre alt waren, durften Sie ein Porträtbild von ihm betrachten.
Ja, ganz genau. Aber ich sage es Ihnen gleich: Ich rede nicht über meinen Vater und auch nicht über meine Affären.
Bitte beruhigen Sie sich. Ich interessiere mich nicht fĂĽr Ihr Privatleben, sondern nur fĂĽr die von Ihnen beschriebene Technologie.
FĂĽr welches Magazin arbeiten Sie?
Technology Review. Das ist ein deutschsprachiges Wissenschaftsmagazin Anfang des 21. Jahrhunderts, mit Verbindungen nach Amerika.
Ich kenne nur die „Westminster Review“ und natürlich „Taylor’s Scientific Memoirs“…
…in dem Sie 1843, vor acht Jahren, Ihre viel gelobten Erläuterungen zur analytischen Maschine von Charles Babbage publizierten, ein Gerät, das Instruktionen liest, um mathematische Probleme zu lösen. Doch woran haben Sie seitdem geforscht? ... ()