Technikverbände: Keine neuen Normen für Glasfaserausbau nötig
Der VDE und der ZVEH sprechen sich gegen Regierungspläne aus, neue technische Dokumente zur Umsetzung der Gigabit-Infrastrukturverordnung erstellen zu lassen.
(Bild: SHARKstock / Shutterstock.com)
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) will eine Arbeitsgruppe einrichten, um den Handlungsbedarf rund um die von der Gigabit-Infrastrukturverordnung der EU geforderten Normen und technischen Spezifikationen für den Glasfaserausbau zu prüfen – und ob möglicherweise neue technische Dokumente erstellt werden müssen. Das sei nicht nur Zeit- und Geldverschwendung, sondern berge auch "erhebliche Risiken für den Markt", warnen nun die vom VDE getragene Deutsche Kommission Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (DKE) sowie der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH).
Laut Artikel 10 des Gigabit Infrastructure Act (GIA) müssen die Mitgliedstaaten in Konsultation mit interessierten Parteien bis zum 12. November 2025 einschlägige Normen oder technische Spezifikationen erlassen, die zum Aufbau glasfaserfähiger gebäudeinterner physischer Infrastrukturen und für die Inhouse-Glasfaserverkabelung nötig sind.
Deutschland erfülle diese Forderung bereits vollumfänglich, schreiben DKE und VDE in einer gemeinsamen Stellungnahme. Sie verweisen dabei auf die Arbeit bestehender internationaler, europäischer und nationaler Normungsgremien sowie bereits vorliegende Dokumente etwa zu Zugangspunkten, Kabel, Buchsen, Leerohren und Mikrokanälen. Auch Themen wie Störungen, "Mindestbiegerradius" und Verkabelung seien bereits abgedeckt.
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"Verwirrung" durch zusätzliche Normen befürchtet
VDE und ZVEH empfehlen daher die Unterstützung des etablierten Systems der "Qualitätsinfrastruktur". Dieses basiere auf multilateralen Verträgen der Welthandelsorganisation WTO, der EU und der Bundesregierung mit den Normungsorganisationen. Den Kern dieses Systems bildeten die in der Normung und Standardisierung aktiven Kreise in der DKE und die damit verbundene "Eigenverantwortung des Marktes".
"Die bereits bestehenden Normen bieten eine solide Grundlage für den Aufbau nachhaltiger Glasfasernetze", betont DKE-Normungsmanager Thomas Sentko. "Sie reduzieren Kosten und vermeiden Fehlinvestitionen. Für die Umsetzung setzen wir auf die qualifizierten Fachkräfte, insbesondere des Handwerks." Die handwerklichen Betriebe "arbeiten erfolgreich mit den zur Verfügung stehenden Normen und Standards und treiben so den Glasfaserausbau voran", versichert auch ZVEH-Referatsleiter Paul Seifert. Zusätzliche bürokratische Vorgaben führten zur Verwirrung und könnten das Tempo beim Ausbau der Breitband-Infrastruktur drosseln.
(vbr)