Spezialdistributor CPI musste Insolvenzantrag stellen
Die Gerüchte um CPI kursierten bereits seit längerem. Am Montag dieser Woche musste die Geschäftsführung des Distributors und Lösungsanbieters beim Amtsgericht München Antrag auf ein Insolvenzverfahren stellen. Noch ist offen, wie es weitergehen wird.
CPI Computer Partner Handels GmbH, Feldkirchen
(Bild:Â CPI)
Montag, 21. Juni 2010, Punkt 13 Uhr, war der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht München unter der Geschäftsnummer 1507 IN 2132/10 aktenkundig. Die CPI Computer Partner Handels GmbH aus Feldkirchen bei München steht seit dem unter der Insolvenzverwaltung des Münchner Rechtsanwaltes Matthias Hofmann von der Kanzlei Pohlmann Hofmann. Am späten Nachmittag der zweite Schritt der beiden CPI-Geschäftsführer Werner Nowak und Werner Stumpferl: Sie informierten im Rahmen einer Betriebsversammlung die Beschäftigten über den Insolvenzantrag. Zugleich kündigten sie an, dass der Insolvenzverwalter die Geschäfte übernehmen wird.
Mitarbeiter hoffen auf Weiterbeschäftigung
"Wir waren ziemlich geschockt", erzählt ein Mitarbeiter heise resale. Dass es so weit kommt, damit haben die Beschäftigten nicht gerechnet. "Klar, in letzter Zeit war es etwas ruhiger geworden. Aber das hat auch was mit dem Markt generell zu tun", sagt der Mitarbeiter. Von drohender Insolvenz jedenfalls habe man nichts gehört oder gespürt. Jetzt hofft er "dass der Insolvenzverwalter, der schon bei uns im Haus ist, bald gute Nachrichten hat". Das operative Geschäft läuft jedenfalls weiter. Trotzdem werde er sich sicherheitshalber schon mal bei anderen Unternehmen umhören.
Kosten nagten an der Eigenkapitalqoute
Dass CPI ins Straucheln geraten ist, überraschte kaum. Der Distributionsanteil mit seinen mageren Margen war im Verhältnis zum Lösungsgeschäft in der Vergangenheit viel zu hoch. Das Großhandelsgeschäft betrug etwa 70 Prozent. Umzug, Ausbau der Lagerkapazitäten, neue Distributionsverträge – bei rund 50 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwas mehr als 35 Millionen Euro, nagten die Kosten schnell an der Eigenkapitalquote, die noch vor zwei Jahren bei etwa 20 Prozent lag. Ziel der damaligen Geschäftsführer und des Investors TAC war eine Quote von gut 25 Prozent.
Unruhe auf der Managementetage
Werner Stumpferl
(Bild:Â CPI)
Seit 2007 hält die TAC-Holding 85 Prozent der CPI-Anteile. Mit dem Einstieg bei dem Distributor kam auch Hans-Peter Haubold in die Geschäftsführung. Haubold leitete die in vielen Wirtschaftsbereichen aktive TAC und stockte gleich mal das Stammkapital auf. Während er sich damals mehr als "Mann im Hintergrund" verstand, lenkten weiterhin Peter Markgraf, Peter Stumpferl und Wolfgang Wagner als Geschäftsführer das Unternehmen. In den kommenden Jahren wurde es allerdings unruhig auf der Managementetage. Wolfgang Walter verließ im Mai 2009 das Unternehmen, Peter Markgraf folgte ziemlich genau ein Jahr später. Beide, Walter und Markgraf, haben inzwischen eigene Unternehmen auf die Beine gestellt. Nicht unbedingt zur Freude von CPI.
Werner Nowak
(Bild:Â CPI)
Während Markgraf die Server and More gründete, übernahm Walter die hiesige Geschäftsführung der aus Großbritannien stammenden Boston Server & Storage Solution GmbH. Einen Schwerpunkt im Geschäft der beiden neuen Firmen bilden unter anderem Server-Komponenten von Supermicro, während CPI hierzulande zu den langjährigen Distributionspartnern des Herstellers gehörte. Dass der Ausbau des Distributorennetzwerkes von Supermicro wesentlich zu den Problemen bei CPI geführt habe soll, will ein anderer Mitarbeiter des Unternehmens im Gespräch mit heise resale so nicht sehen. "Das war nicht unser Problem. Sondern der Wandel vom Schwerpunkt Distribution hin zum Lösungsgeschäft. Im Grunde hat sich CPI auf dem richtigen Weg befunden. Nur war die Zeit zu knapp. Vielleicht gelingt dies jetzt unter dem Insolvenzverwalter. Aber ganz ohne schmerzhafte Schnitte wird auch das nicht gehen". Haubold jedenfalls wird das Messer nicht mit ansetzen müssen. Denn er trat im September vergangenen Jahres aus der Geschäftsführung aus und übergab die Funktion an seinen TAC-Kollegen Werner Nowak. (map)