Zahlen, bitte! Kürzester Monat des Jahres – wie der Februar zu 28 Tagen kam

Der moderne Kalender hat römisch-katholische Wurzeln. Da sich die Sonne nicht exakt an die irdische Zeitrechnung hält, sind Schalttage notwendig.

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(Bild: heise online)

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Von
  • Detlef Borchers
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Unser Kalendarium ist ein multikultureller Mischmasch: Den Tag mit 24 Stunden zu jeweils 60 Minuten, die in 60 Sekunden unterteilt sind, verdanken wir den Babyloniern. Der Jahreskalender mit seinen 12 Monaten und Zusatztagen in Schaltjahren ist ein Geschenk der katholischen Kirche, die astronomische julianische Zeitrechnung ein Produkt der naturwissenschaftlichen Revolution.

Die seltsame Stellung des Februars als Monat mit 28 Tagen, dem in Schaltjahren mit ein paar Ausnahmen ein zusätzlicher Tag spendiert wird, verdanken wir einem römischen König.

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Um das Jahr 700 vor Christus regierte Numa Pompilius als mythischer König von Rom. Er war der Nachfolger des kriegerischen Romulus, der unterschiedliche Stämme zu Römern geeinigt hatte, und kümmerte sich in friedlichen Zeiten um die Gesetzgebung und die Religion. Unter anderem revolutionierte er den römischen Kalender mit seinen 10 Monaten und einem Jahr, das am 1. März, dem Tag des Kriegsgottes Mars begann. Numa Pompilius legte das Jahr mit 355 Tagen fest und ergänzte die Monatszählung um den Januar und den Februar sowie um den Schaltmonat Mercedonius. Die Monate, die bisher 30 Tage hatten, wurden auf 29 Tage, der Februar gar auf 28 Tage gekürzt.

Zahlen, bitte!
Bitte Zahlen

In dieser Rubrik stellen wir immer dienstags verblüffende, beeindruckende, informative und witzige Zahlen aus den Bereichen IT, Wissenschaft, Kunst, Wirtschaft, Politik und natürlich der Mathematik vor.

Nach jeweils vier Jahren wurde der Schaltmonat Mercedonius mit 22 Tagen eingefügt. Die Hintergründe dieser umfangreichen Kalenderreform hat der Dichter Vergil mit "Numero deus impari gaudet" beschrieben, "Gott freut sich der ungeraden Zahlen." Martius, Maius, Quinctilis (später Julius) und October waren 31 Tage lang, die anderen Monate 29 Tage, mit der Ausnahme des Februarius, des Totengedenkmonats (Parentalia) mit 28 Tagen.

In der sich entwickelnden römischen Welt waren die ungeraden Zahlen männlich, die geraden Zahlen weiblich. Historiker wie Theodor Mommsen vermuten hier einen Einfluss der Phytagoreer, die die ungeraden Zahlen als begrenzt, männlich und glücklich auffassten, während sie die geraden Zahlen als unbegrenzt, weiblich und unglücklich klassifizierten. Diese Einordnung durchzieht sich durch die römische Geschichte, vom Dreikinderrecht der Römerinnen und der fünf Kinder für unfreie Frauen, von den Nonen (7. bzw. 5. Tag eines langen bzw. kurzen Monats) bis zu den Iden (15. bzw. 13. Tag eines langen und kurzen Monats).

Italienische Armreife von 1850 mit Darstellung der Wochentage durch olympische Götter in der heutigen Tagesreihenfolge: Diana als Mond für den Montag, Mars für den Dienstag, Merkur für den Mittwoch, Jupiter für den Donnerstag, Venus für den Freitag, Saturn für den Samstag und als Sonne für den Sonntag.

(Bild: gemeinfrei)

Alle römischen Feste wurden an ungeraden Tagen gefeiert, was dazu führte, dass bei mehrtägigen Festen die Feier an geraden Tagen unterbrochen wurde. Als die Römer nach Ägypten kamen, störten sie sich an dem regelmäßigen Kalender mit 12 Monaten mit je 30 Tagen, zu denen 5 Extratage (bzw. 6 in Schaltjahren) angehängt wurden.

Die Einteilung von Numa Pompilius hielt sich bemerkenswert lange. Die erste Änderung kam im Jahre 153 vor Christus, als der Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar verschoben wurde. Neben der Zählung der Monatstage gab es das System der Markttage (Nundinae), an dem die ländliche Bevölkerung in die Stadt durfte und die Städter ihre Vorräte auffüllten. 45 vor Christus gab es schließlich die erste grundlegende Kalenderreform unter Julius Cäsar mit einem Jahr von 365,25 Tagen, dem Wegfall des Schaltmonats und Einfügen eines Schalttags, der alle vier Jahre nach dem 28. Februar gelegt wurde, nach der Formel 365+(1/4)-(1/000)

Der julianische Kalender war aber noch immer nicht exakt genug und brachte einen kalendarischen Verzug gegenüber dem Sonnenjahr. Mit der Einführung des gregorianischen Kalenders am 15. Oktober 1582 und der Korrektur von 10 Tagen, die übersprungen werden mussten, sind wir schon beim heute üblichen Kalender angelangt. Papst Gregor bzw. seine mathematischen Berater definierten das Jahr mit der Formel 365+(1/4)-(1/100)+(1/400)=365,2425 Tage. Die Anpassung erfolgte nach einer neuen Schaltregel, wegen der sogenannte Säkulärjahre (sie schließen das Jahrhundert ab und sind daher durch 100 ohne Rest teilbar), deren Zahl geteilt durch 400 keine ganze Zahl ergibt, nicht als Schaltjahre gelten.

60-Pfennig-Sondermarke der Deutschen Bundespost aus dem Jahr 1982 zum 400. Jubiläum des gregorianischen Kalender. Die Briefmarke wurde durch die Künstlerin Elisabeth von Janota-Bzowski gestaltet.

(Bild: gemeinfrei)

Unbeschadet aller zunehmenden Präzision überstand der Februar des Numsa Pompilius mit seinen 28 oder 29 Tagen die Zeitläufte bis ins Jahr 1606, als der französische Kalenderforscher Joseph Justus Scaliger die astronomische Weltzeit vorschlug und sie nach seinem Vater Julius César Scaliger als Julianische Zeitrechnung propagierte. Sie begann am 1. Januar 4712 (entsprechend dem 1. Januar 4713 v.Chr, weil es das Jahr Null nicht geben kann) und ist bis heute eine nützliche Methode, da jeder Tag mitsamt der Uhrzeit eine eigene Ordnungszahl besitzt, in die er umgerechnet werden kann.

Abseits dieser kalendarischen Ordnung leben wir nach wie vor mit dem gregorianischen Kalender und dem Februar mit 28 Tagen. Mit der Gründung des Völkerbundes 1920 bzw. später der UNO gab es den Versuch, ihn durch einen Weltkalender zu ersetzen. Er scheiterte wie viele andere ausgetüftelten Kalendersysteme.

(mawi)