Fernöstliche Wege, eine Mücke zu fangen

Bei der Insektenbekämpfung finden asiatische Unternehmen erstaunlich kreative Lösungen - darunter auch Riesen wie Samsung.

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Von
  • Martin Kölling

Bei meiner ersten China-Reise 1991 machte ich die Bekanntschaft mit einem wahrlich bestechenden Wesen: der gemeinen asiatischen Mücke. Die Viecher waren weit flinker als die mir bekannten norddeutschen Quälgeister – und daher schwerer zu fangen. Darüber hinaus schien sie sogar durch Jeans zu stechen und quasi unersättlich zu sein. Angesichts dieser Not überraschte mich der asiatische Erfindungsreichtum in Sachen Mückenbekämpfung nicht wirklich.

Ich war allerdings nicht wenig überrascht, als ich bei einem Restaurantbesuch den Wirt im Gastraum mit einer Art Tennisschläger hantieren sah. Sehr zu meiner Verwunderung knallte es hin und wieder wie bei einem Minicracker – und der Wirt lächelte dann. Schnell schwante mir, dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Tennisschläger handelte, sondern um eine Art elektrischen Stuhl für Mücken und Fliegen. Eine genauere Untersuchung des Produkts bestätigte die Vermutung: Die Bespannung des von Samsung Mückentennisschlägersist aus Draht, der aus Sicherheitsgründen mit einem grobmaschigen Plastikgitter überzogen ist. Im Griff ist Platz für 3 AA-Batterien, die den Strom liefern, um den Draht unter Spannung setzen. Durch zwei eingebaute LEDs doppelt der Mückenschläger zudem als Taschenlampe. Praktisch.

5,60 Euro kostete mich der Erwerb eines Testschlägers in einem kleinen Straßenladen. Ein Praxistest im Erdgeschoss meines Apartmentblocks in Tokio, wo in diesem Sommer wieder blutrünstige Mücken auf der Lauer fliegen, zeigt, dass das Gerät recht gut funktioniert. Die Trefferquote ist wegen der großen Fläche höher als mit der Hand. Zudem fallen nach einem gut gezielten Schwung gleich mehrere dieser Insekten mit angesengten Flügeln zu Boden. Die Nachteile: Das Erschlagen einer Mücke, die sich schon zum Blutsaugen in einen meiner Mitmenschen verstochen hatte, empfiehlt sich ebenso wenig wie der Einsatz in einer engen Wohnung.

Zum Glück ist der Schläger dort aber inzwischen entbehrlich. Zwar verfügt meine Wohnung nicht über Fliegengitter vor den Fenstern. Aber da sie in der achten Etage liegt, kommt kaum eine Mücke vorbei. Und die wenigen verirrten Blutsauger werden ausgeräuchert. Klassisch im Wortsinn: Noch heute setzen viele Menschen spiralförmige Räucherstäbe ein. Aber mir ist der Geruch zu intensiv und aggressiv.

Ich setze daher lieber auf die weit verbreiteten elektrischen Giftgasverdampfer, um das Schlafzimmer mückenfrei zu halten. Das geruchlose Gas soll für Mensch und Tier völlig unschädlich sein, verspricht der japanische Hersteller, der selbst in den USA unter dem Slogan: "Bringing happyness into people's lives" ein ganzes Arsenal an Giften gegen Kakerlaken, Mücken und Fliegen anbietet. Die Warnhinweise auf der Packung gelten wohl daher vor allem dem Stromkabel und nicht dem Gift. Beim eingesetzten Wirkstoff handelt es sich übrigens um Transfluthrin (2,3,5,6-Tetrafluorbenzyl-trans-2-(2,2-dichlorvinyl)-3,3- dimethylcyclopropancarboxylat), ein selektiv wirkendes Insektizid, das – wenn eine Internet-Recherche nicht täuscht – von Bayer entwickelt wurde. Ganz auf die Herstellerangabe verlasse ich mich allerdings nicht und schlafe deshalb bei offenem Fenster. (bsc)