Finanzspritzchen: Regierung fördert mobile Satellitenstarts in der Nordsee

870.000 Euro hat das Verkehrsministerium für den geplanten Offshore-Weltraumbahnhof freigegeben. Zuvor äußerte vor allem das Wirtschaftsressort viele Bedenken.

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Rending einer schwimmenden Startplattform fĂĽr Raketen.

Eine schwimmende Startplattform für Raketen könnte so aussehen (Rendering).

(Bild: GOSA)

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Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) unterstützt den Plan für eine mobile Plattform in der Nordsee zum Start von Weltraumraketen, die Satelliten ins All befördern sollen. Es fördert daher ein Vorlaufprojekt zur Planung der schwimmenden Startplattform für kleine Trägerraketen mit 870.000 Euro. Damit soll die German Offshore Spaceport Alliance (GOSA) bis Ende September eine "ganzheitliche" Lösung für den Weltraumbahnhof für vorwiegend kommerzielle orbitale und suborbitale Starts entwickeln. BMDV-Staatssekretär Stefan Schnorr (FDP) begründete die Finanzspritze damit, dass der Weltraum "ein wichtiger Zukunftsmarkt mit großem wirtschaftlichem Potenzial auch für die deutsche Wirtschaft" sei.

"Die Nachfrage nach Satelliten und die Bedeutung der Branche nehmen immer weiter zu", betont Schnorr. Er geht davon aus, dass – nicht nur aufgrund von Konstellationen für Breitbandinternet wie Starlink, Kuiper oder IRIS2 – in den kommenden Jahren der europäische Markt für die Satellitenherstellung "im Milliardenbereich wachsen" werde. Konkret fördert das Ministerium Verbundvorhaben "Offshore Spaceport – Lösungsfindung und Infrastrukturentwicklung für orbitale Starts" (OSLIOS), hinter dem die GOSA steht. Das Konsortium will nach einigen Verzögerungen ab 2026 erste Microlauncher von der Plattform im Meer abheben lassen.

An der Gosa sind der Bremer Raumfahrtkonzern OHB, der Ingenieurdienstleister Tractebel Engineering, der Telekommunikationsanbieter MediaMobil, die Reederei Harren & Partner, das Versicherungsunternehmen Lampe & Schwartze und sowie BLG Logistics beteiligt. Die Fördermaßnahme führt die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des BMDV durch. Die im Rahmen von OSLIOS gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Entwicklung von Test-Systemen einfließen und den Weg zur Nutzung der mobilen Infrastruktur ebnen. Schnorr erhofft sich davon auch einen Beitrag für "die europäische Souveränität in dieser Zukunftstechnologie".

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Die Bundesregierung und der Bundestag unterstützten das Vorhaben, für das der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) 2019 die gedankliche Initialzündung gab, zunächst mit einem Haushaltsbeschluss und einem Volumen von 2 Millionen Euro bis 2025. Die Ampel zeigte sich später aber skeptisch. Starts von der Nordsee aus müssten sorgfältig im Einzelfall geprüft werden, hieß es voriges Jahr von der Exekutive. Die Umweltauswirkungen des maritimen Weltraumbahnhofs könnten umfangreich sein, warnte das federführende Wirtschaftsministerium. Zudem fehle noch ein Weltraumgesetz. Vor- und Nachteile eines eigenen deutschen Startplatzes für Trägerraketen beleuchtete zuvor das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag.

(mack)