iPhone-Spiel "The Art of Fauna": Die Kunst, lehrreich und unterhaltsam zu sein

Ein Schiebepuzzle über Tiere für Jung und Alt hat im App Store einen erfolgreichen Start hingelegt. Entwickler Klemens Strasser legt großen Wert auf Inklusion.

vorlesen Druckansicht 2 Kommentare lesen
Impressionen aus dem Spiel "The Art of Fauna"

Impressionen aus dem iPhone-Spiel "The Art of Fauna"

(Bild: mki / heise online)

Lesezeit: 4 Min.
Inhaltsverzeichnis
close notice

This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Eltern stecken beim Smartphone- oder Tablet-Gebrauch ihrer Kinder oft in der Klemme: Man möchte dem Nachwuchs gerne Apps und Spiele an die Hand geben, die zumindest ein wenig auch gut fürs Köpfchen sind. Doch die andere Seite möchte es natürlich vor allem unterhaltsam haben.

Das iPhone-Spiel "The Art of Fauna" hat das Zeug zum guten Kompromiss – vielleicht sogar dafür, Begeisterung hervorzurufen. Bei dem Anfang Februar erschienenen Spiel, das wie ein historisches Buch vom Nutzer aufgeschlagen wird, gilt es, Tiermotive aus Schnippseln zusammenzubauen. Im ersten Moment ist das alles ganz einfach, doch der Schwierigkeitsgrad steigt rasch und die Schiebeteile werden kleiner und stärker unterteilt. Bereits in den ersten Tagen nach Release wurde das Spiel über 18.000 Mal heruntergeladen und von Apple als "Spiel des Tages" in diversen Ländern vorgestellt.

Wer am Schiebe-Bild verzweifelt, kann jederzeit einen Button antippen und erhält stattdessen eine Textansicht. Auch in dieser gilt es, die Fragmente zusammenzusetzen – sie ist eng verbunden mit den Bildteilen, sodass mit dem korrekten Zusammenbau des Textes auch das Bild fertiggestellt wird– und umgekehrt. Frust dürfte dadurch so schnell nicht aufkommen, aber langweilig wird es eben auch nicht. Text und Bild informieren abschließend über das zusammengesetzte Tier – das ist der Bildungsanteil der App.

Die Idee, der Generation Alpha mit dieser App ein Schiebepuzzle mit kolorierten Zeichnungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu empfehlen, klingt zunächst etwas Retro und nach Opa-erzählt-von-früher. Doch Entwickler Klemens Strasser aus Graz in Österreich ist eher unverdächtig, das Rad der Zeit zurückdrehen zu wollen. Hauptberuflich wirkte er mehrere Jahre an der Kalender-App Fantastical mit und ist heute Lead Developer beim Smart-Home-Türschloss-Hersteller Nuki. Nebenberuflich entwickelt er mit viel Liebe Spiele.

Einen Faible für alte Spielkonzepte, die er in die Neuzeit überträgt, hat er allerdings schon. So veröffentlichte der 30-Jährige im Jahr 2022 bereits die Ancient Board Game Collection und bekam dafür gleich eine Nominierung für den Apple Design Award 2023. Eine weitere Nominierung für eine von Apples beiden höchsten Auszeichnungen erhielt er bereits im Jahr zuvor für sein Spiel Letter Rooms. In Cupertino ist er ein "alter Bekannter", hatte sage und schreibe vier WWDC-Stipendien und erhielt sogar den Nachwuchs-Design-Awards Apples im Jahr 2015.

Videos by heise

Apples Faible für seine Arbeit hat vor allem damit zu tun, dass er sich Inklusion groß auf die Fahnen geschrieben hat. Entsprechend begrüßt einen auch in "The Art of Fauna" gleich ein Einführungsbildschirm, der wahlweise einfache Sprache, Dyslexie-freundliche Schriftarten, auswählbare Farbschemata, Voice Over, Voice Control und Inhaltsfilter für sensible Menschen anbietet. Er wolle das Spiel unter anderem auch für Blinde spielbar machen, sagt der Entwickler.

Insgesamt gibt es 110 Puzzles in der App, die in fünf verschiedene Kategorien unterteilt sind. Die ersten 10 sind kostenlos. Wer danach weitermachen möchte, kann für knapp 8 Euro die restlichen freischalten, wahlweise auch jeweils 20 Puzzles in einer Ökozone für knapp 3 Euro – per Einmalkauf und ohne Abo. Überdies gelobt der Entwickler, 20 Prozent der Einnahmen an Naturschutzorganisationen zu spenden.

Und wenn der Nachwuchs trotzdem nicht "anbeißt", hat das Spiel immer noch das Zeug, für Papa und Mama sowie alle anderen Interessierten ein wunderbarer Zeitvertreib zu sein.

(mki)