Erstmals dreidimensionale Struktur der Atmosphäre eines Exoplaneten enthüllt

Durch den Zusammenschluss mehrerer Teleskopschüsseln konnte erstmals die dreidimensionale Struktur der Atmosphäre eines Exoplaneten kartiert werden.

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Eine Kugel mit mehreren Schalen, daneben die Wörter "Iron", "Sodium" und "Hydrogen"

Schematische Darstellung des Aufbaus der Atmosphäre von WASP-121b

(Bild: ESO/M. Kornmesser)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Einer Forschungsgruppe ist es erstmals gelungen, die dreidimensionale Struktur der Atmosphäre eines Exoplaneten zu erforschen. Das hat die Europäische Südsternwarte (ESO) jetzt mitgeteilt, deren Instrumente die Arbeit ermöglicht haben. Herausgefunden hat das Team damit, dass sich die Atmosphäre von WASP-121b ("Tylos") anders verhält als auf allen Planeten, die wir bislang erforschen können: "Es fühlt sich an, wie etwas aus einem Science-Fiction-Film", meint Hauptautorin Julia Victoria Seidel von der ESO. Gefunden hat ihr Team einen Jetstream aus Wasserstoff über einer separaten Strömung aus Natrium, die Gas von der heißen zur kühleren Seite des Exoplaneten befördert. Die tiefste Schicht bildet ein Wind aus Eisen.

Wie die ESO erläutert, ist die Analyse dank einer Zusammenschaltung der vier großen Einheiten des Very Large Telescopes mithilfe eines Instruments namens Espresso gelungen. Durch die vervierfachte Lichtmenge habe man schwächere Details sichtbar machen können. Als der Exoplanet vor seinem Stern vorübergezogen ist, konnte man deshalb tiefer in seine Atmosphäre blicken und die Struktur enthüllen. Gefunden hat das Team extrem schnelle Gasströme, die für immens starke Verwirbelungen sorgen: "Selbst die stärksten Hurrikane im Sonnensystem wirken im Vergleich dazu ruhig", meint Seidel.

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Der Exoplanet WASP-121b, der inzwischen auf "Tylos" getauft wurde, ist in der Forschung kein Unbekannter. Schon vor drei Jahren waren sein exotischer Wasserkreislauf und die Wolken aus Metall erforscht worden. Es handelt sich um einen ultraheißen Jupiter, der seinen Stern so nah umkreist, dass er gravitativ gebunden ist und ihm immer die gleiche Seite zuwendet. Nachgewiesen wurden dort Wolken aus Eisen, Magnesium, Chrom und Vanadium, nicht auffindbar war dagegen bislang Titan. Das wurde nun aber direkt unter dem Jetstream entdeckt. Die Forschungsarbeit zur vertikalen Struktur der Atmosphäre von WASP-121b ist jetzt im Wissenschaftsmagazin Nature erschienen.

(mho)