Schimpfolino-Weiterentwicklung: Schimpfen jetzt über Handy und Smart Speaker
Der in der Make vorgestellte Schimpfwortgenerator Schimpfolino hat zwei Ableger bekommen: Jetzt kann man auch via Handy und Smart Speaker schimpfen.
Nikolai Radke ist der Erfinder von Schimpfolino.
(Bild: Melissa Ramson)
Mehrere Artikel in der Make beschäftigten sich mit dem kleinen, handlichen Schimpfwortgenerator Schimpfolino. Er besteht aus einem kleinen Bildschirm in einem niedlichen Monstergehäuse. Auf Knopfdruck erscheinen auf dem Bildschirm für einige Sekunden zufällig generierte, kindgerechte Schimpfwörter wie "zottelige Zitterbürste" oder "belangloses Lotterzeug". Das Projekt hat inzwischen zwei Nachfolger.
Auf GitHub hat der User Mdecker-MobileComputing eine Android-App namens Schimpfmeister erstellt. Genau wie das Original erzeugt die App auf Knopfdruck ständig neue zufällige Schimpfwörter aus vorgegebenen Wortlisten. Insgesamt lassen sich auf diese Weise mehrere Millionen Schimpfwörter generieren. Im Gegensatz zum Vorläufer kann die App auch individuelle Schimpfwörter abspeichern.
(Bild: GitHub)
Über zwölf Millionen Schimpfwörter
Die Zusammensetzung neuer Schimpfwörter erfolgt im ursprünglichen Projekt über fünf Wortlisten mit jeweils 160 Wörtern. Drei von den Listen sind für je ein Geschlecht ausgelegt; somit sind nicht alle Wörter frei kombinierbar. Die Anzahl der Kombinationen beträgt demnach 160 × 160 × (160 + 160 + 160) = 12.288.000. Jede Beschimpfung besteht aus drei Teilen und wird durch einen einfachen Algorithmus zusammengesetzt. Der Schimpfolino läuft auf einem Mikrocontroller vom Typ ATtiny85 und die Wörter werden aus einem EEPROM gelesen.
Auch für das Smart Home gibt es einen Schimpfolino-Ableger. Auf der Open-Source-Smart-Home-Plattform iobroker.net hat der Nutzer BananaJoe von Schimpfolino gelesen und wollte die Funktionalität gleich in Alexa einbauen. Mithilfe der von Google entwickelten visuellen Programmiersprache Blockly hat er eine JavaScript-Funktion gebaut, mit der die Beschimpfungen aus dem Schimpfolino-Projekt an den Smart Speaker übergeben werden.
Auch in der Schweiz wird geschimpft
Die Idee eines schimpfwortproduzierenden Automaten ist nicht neu. Schon 1995 hat der Schweizer Schriftsteller und Programmierer Beat Gloor über die Idee einer Schimpfmaschine geschrieben. 2005 wurde die Idee zur Realität, als eine von ihm konstruierte Schimpfmaschine als Kunstinstallation in der Stadt Baden aufgestellt wurde. Auch hier werden per Knopfdruck und anhand von vier Wortlisten Schimpfwörter erstellt. Die Schweizer Schimpfmaschine, noch heute im Internet abrufbar, haut Sätze wie "elefantös versnobter erz grobian" oder "unendlich tobsüchtige vorstadt ratte" heraus.
Wem das alles zu viel Beschimpfung ist, kann sich auch die ebenfalls von Beat Gloor gebaute Schätzelimaschine anschauen. Sie grüßt mit schönen Komplimenten statt mit Beschimpfungen, etwa "mein allerliebster seidenweicher Schmuse-Zauberstab". (mch)