Medizinwissen: Streaming-Dienst "Medudy" will Ärzten bei der Fortbildung helfen
Da Ärzte kaum Zeit für Fortbildungen haben, will das Start-up "Medudy" mit einer Plattform helfen. Dort stehen Expertenvideos mit Medizinwissen zur Verfügung.
(Bild: Medudy)
(Bild: Medudy)
Ärzte haben kaum Zeit, müssen sich aber dennoch weiterbilden, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Das Start-up Medudy will Abhilfe schaffen und erstellt auch mit der Hilfe von KI kompakte Lerninhalte in Form von Videos, die im Arbeitsalltag der Ärzte zwischengeschoben werden können. Avatare von bestimmten Experten können die Lerninhalte dabei in mehr als 60 verschiedenen Sprachen wiedergeben. Über Details zu der 2023 veröffentlichten Plattform haben wir mit Medudy-Gründer Felix Stockmar gesprochen.
Wie ist das Feedback bisher?
Das Feedback fällt sehr positiv aus. Unsere Nutzerinnen und Nutzer sind oft erstaunt über die lebensechte Darstellung der Avatare. Auch von den Referierenden erhalten wir immer wieder positive Rückmeldungen. Für sie bedeutet die Kooperation mit uns eine erhebliche Zeitersparnis. Sie schätzen die Möglichkeit, qualitative Inhalte in mehreren Sprachen zu erstellen, ohne aufwendige Produktionsprozesse in Kauf nehmen zu müssen.
Welche KI-Sprachmodelle sind da so im Einsatz?
Wir setzen auf eine Mischung aus verschiedenen KI-Modellen im Bereich Generative AI, um realistische Avatare und Text-to-Speech-Stimmen zu erstellen und unsere Produktionsprozesse schneller und effizienter zu machen. Da ständig neue Modelle auf den Markt kommen, probieren wir viel aus und bleiben flexibel – wir sind nicht auf ein Modell fixiert, sondern optimieren ständig unsere Lösungen, um immer die besten Ergebnisse zu liefern.
Videos by heise
Zum einen nutzen wir die Leitlinien, aber auch viele Fachpublikationen als Basis und erstellen neue Inhalte auf Basis veröffentlichter Studien oder aktualisierter Leitlinien. Denn oft bleibt im ärztlichen Alltag nicht die Zeit, sich nebenbei durch hunderte Seiten zu lesen, um auf dem neuesten Stand zu sein. Unsere Inhalte werden dann in kleine Wissensblöcke aufgeteilt, die sich die Ärzte dann auf unserer Streaming-Plattform ansehen können und für einen Teil der Inhalte auch Fortbildungspunkte erhalten – wenn sie die Fragen in einem Multiple-Choice-Test richtig beantworten. Dafür haben wir eine Schnittstelle, so dass die Punkte direkt auf das Konto des Arztes gehen.
Und das klappt auch mit kurzen Inhalten?
Da gibt es noch eine Herausforderung, denn eigentlich muss ein Inhalt 45 Minuten lang sein, damit wir die Punkte für die Continuing Medical Education (CME) vergeben dürfen. Das entspricht aus unserer Sicht nicht der modernen Kommunikation. Wir wollten das Thema Fortbildung für Ärzte alltagstauglich machen, analog zu einer Netflix-Staffel, in der die Inhalte aneinandergereiht sind und man nach Belieben pausieren kann.
Das Ganze haben wir nach Fachgebieten gegliedert. Inhalte für Urologen gehen über unser Distributionsnetzwerk auch nur an Urologen, kardiologische Themen nur an Kardiologen und so weiter. Über das Netzwerk kommen die Ärzte dann auf unsere Seite, wo dann die Interaktion stattfindet. Einer unserer stärksten Kanäle ist ein Newsletter, mit dem wir mittlerweile rund 240.000 Ärztinnen und Ärzte aus allen Fachbereichen erreichen.
Wie wird das Ganze finanziert?
Wir monetarisieren die Ärzteschaft nicht, sie hat kostenlosen Zugang zur Seite. Das Ganze finanziert sich durch Kooperationen mit Gesundheitsorganisationen aus dem Pharma- und Life-Science-Bereich, die mit uns gemeinsam Inhalte umsetzen.
Wie wird die Unabhängigkeit gewährleistet?
Die Inhalte werden von unserer Redaktion wissenschaftlich ausgewogen aufbereitet. Wir wollen kein Werbekanal für die Pharmaindustrie sein, sondern hochwertige Wissensinhalte für Ärzte und Fachkreise generieren. Die Hoheit über die Inhalte liegt bei uns.
(mack)