Internet schlägt Arbeitsagenturen
Einer Studie zufolge melden nur vierzig Prozent der Berliner Unternehmen ihre offenen Stellen noch an die Arbeitsagenturen. Eine Ausschreibung im Internet verspreche größeren Erfolg.
Lediglich vierzig Prozent der Berliner Unternehmen melden ihre offenen Stellen noch an die Arbeitsagenturen, weil das Vermittlungsverfahren ihrem Bekunden nach gravierende Mängel aufweist. Eine Studie des IP-Instituts für Personalmanagement – eines gemeinsamen Unternehmens der Freien Universität Berlin und der Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg – legt nahe, dass der Bedeutungsverlust der Arbeitsagenturen bei der Personalbeschaffung dramatische Ausmaße annimmt. Die Firmen bevorzugen offenbar weiterhin den Weg über die klassische Anzeige, aber auch die Ausschreibungen über das Internet haben sich in Jahresfrist verdoppelt.
Die im Mai 2004 durchgeführte Regionalstudie zur Wirkung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente ergab ferner, dass der Berliner Arbeitsmarkt zwar weiterhin im Fluss ist – fast achtzig Prozent der befragten Unternehmen haben seit Anfang des Jahres 2003 Mitarbeiter eingestellt und ihre Einstellungsaktivitäten im Vergleich zu 2002 leicht gesteigert. Diese Entwicklung habe aber nicht zu einer Entspannung auf dem Arbeitsmarkt geführt: Zum einen handle es sich bei diesen Einstellungen weitgehend um fluktuationsbedingte Wiederbesetzungen, zum anderen bleibe der Saldo aus geschaffenen und abgebauten Arbeitsplätzen weiter negativ.
Hatten 2002 noch 36 Prozent der befragten Unternehmen ihre Mitarbeiter erfolgreich über die Arbeitsagenturen eingestellt, waren es 2003 nur noch 18 Prozent. Über ihre Homepages haben die Firmen doppelt so viele Mitarbeiter gefunden. IT-Unternehmen waren an der Stichprobe repräsentativ beteiligt, spezifische Ergebnisse liefert die Studie in diesem Bereich aber nicht.
Das Institut hat auch die Akzeptanz der neu geschaffenen Personal-Service-Agenturen (PSA) untersucht. Obwohl fast die Hälfte der befragten Unternehmen auf Zeitarbeitsfirmen zugreift, haben bisher nur acht Prozent der Firmen Arbeitnehmer aus den PSA eingesetzt. Dies könne einerseits mit der noch relativ geringen Zahl von PSA-Arbeitnehmern zusammenhängen, allerdings wiesen die Aussagen zu vorliegenden Erfahrungen mit PSAs auf ungeeignete Bewerber in Bezug auf Qualifikation, Belastbarkeit und Motivation hin. Drei Viertel der befragten Unternehmen, die noch Stellenbesetzungen planen, wollen der Studie zufolge zukünftig gar keine Meldungen mehr an die Arbeitsagenturen geben.
Das Institut nennt die regional gewonnenen Ergebnisse "durchaus repräsentativ" für die bundesweite Situation. Eine Kurzfassung der Studie liegt zum Download bereit. (fm)