Saudi Arabien: Neom-FĂĽhrung soll hohe Kosten vertuscht haben

Das Siedlungsprojekt Neom mit der Bandstadt The Line in Saudi-Arabien ist umstritten. Es droht zum finanziellen Desaster zu werden.

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KĂĽnstlerische Darstellung von The Line

KĂĽnstlerische Darstellung von The Line: Fertigstellung erst 2080?

(Bild: Neom)

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Eine verspiegelte Stadt, die sich 170 Kilometer durch die Wüste zieht: Was zum Symbol für die Zukunft Saudi-Arabiens nach dem Öl werden soll, könnte zu einem ökonomischen Albtraum werden.

The Line soll nur 200 Meter breit und 500 Meter hoch, dafür aber eben 170 Kilometer lang werden. Auf einer Fläche von nur 34 Quadratkilometern sollen einmal neun Millionen Menschen leben. Das Projekt ist in verschiedener Hinsicht sehr umstritten, auch weil Menschen dafür zwangsumgesiedelt wurden.

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Finanziell scheint das Prestigeprojekt von Kronprinz Mohammed bin Salman höchst problematisch: Die "von Sci-Fi inspirierten Träume" des künftigen Monarchen seien "mit der Realität" kollidiert", berichtet die US-Tageszeitung Wall Street Journal: Die Kosten seien immens gestiegen, die Arbeiten hinter dem Zeitplan.

Grund für die Probleme sei "ein Tanz der gegenseitigen Täuschungen", schreibt die Zeitung: Der Kronprinz habe "fantastische Pläne" gehabt. Das Führungspersonal hingegen habe Probleme und die realen Kosten vor ihm geheim gehalten. Das geht aus einem 100-seitigen Bericht hervor, der dem Neom-Vorstand bereits vor einem Jahr vorgelegt wurde und den das Wall Street Journal einsehen konnte.

Die Überprüfung des Projekts ergab demnach "Beweise für eine absichtliche Manipulation" der Finanzen. Diese seien durch Mitglieder des Managements begangen worden, die beispielsweise unrealistische Annahmen in den Geschäftsplan aufgenommen hätten. Dabei sollen sie laut dem Untersuchungsbericht von Beschäftigten des Beratungsunternehmens McKinsey unterstützt worden sein, das an dem Projekt mitarbeitet.

Eine Neom-Sprecherin warf dem Wall Street Journal vor, die Zahlen falsch interpretiert zu haben. Ein McKinsey-Sprecher sagte der Zeitung, das Beratungsunternehmen halte sich an internationale Wirtschaftsregeln und sei in keine Manipulationen bei der Finanzberichterstattung involviert.

Das Vorhaben Neom gehört zu Saudi Vision 2030, einem Konzept zum Umbau der Wirtschaft, um vom Öl unabhängig zu werden. Es umfasst mehrere Einzelprojekte im Nordwesten Saudi-Arabiens. Darunter ist die im vergangenen Jahr eingeweihte Luxusferieninsel Sindalah, die allerdings noch nicht fertig ist, Trojena, ein Ski-Resort in den Bergen im Hinterland, die Stadt Oxagon, die zur Hälfte an Land, zur Hälfte auf Schwimmpontons entstehen soll, und eben The Line.

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Nach offiziellen Angaben soll The Line 2045 fertig sein und 500 Milliarden US-Dollar kosten. Inzwischen geht das Management davon aus, dass das gesamte Neom-Projekt erst 2080 fertiggestellt sein wird. Die Kosten könnten sich auf 8,8 Billionen US-Dollar summieren.

(wpl)