Unangefochtener Spitzenreiter: Nach Rekordfund jetzt 274 Saturnmonde bekannt

Seit 2023 fĂĽhrt der Saturn die Liste der Planeten mit den meisten Monden an. Nach einem jetzt publik gemachten Rekordfund setzt er sich wohl uneinholbar ab.

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Im Vordergrund die Oberfläche eines Mondes, dahinter der Saturn und weitere Monde.

KĂĽnstlerische Darstellung des Saturn mit einigen Monden

(Bild: NASA/GSFC)

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Ein Forschungsteam hat bei einer ausführlichen Suche mit dem besten, was die Technik aktuell zu bieten hat, 128 neue Monde um den Saturn entdeckt. Der Ringplanet kommt damit jetzt auf insgesamt 274 Monde, fast doppelt so viele, wie alle anderen Planeten im Sonnensystem zusammen. "Ich glaube nicht, dass der Jupiter das jemals aufholen wird", meint Forschungsleiter Edward Ashton von der Nationalen Akademie der Wissenschaften Taiwans. Bei den neu entdeckten – und von der Internationalen Astronomischen Union akzeptierten – Trabanten handle es sich um "irreguläre Monde". Es sind wohl Fragmente größerer Himmelskörper, die bei Kollisionen zerstört wurden.

Wie das Forschungsteam jetzt erläutert, hat es die Umgebung des Saturn mit dem Canada-France-Hawaii Telescope zwischen 2019 und 2021 so genau wie möglich untersucht und durch die Kombination von Bildern nach den schwächsten Signalen gefahndet. Dabei wurden etwas mehr als 60 Monde und noch viel mehr nicht zu klassifizierende Objekte entdeckt. Deshalb habe man sich diesen Objekten im Jahr 2023 erneut gewidmet und bestätigen können, dass es sich tatsächlich um Trabanten handelt. Die seien allesamt nur wenige Kilometer groß und vor vergleichsweise kurzer Zeit entstanden. Das Team vermutet, dass sie erst seit einer Kollision vor weniger als 100 Millionen Jahren um den Saturn kreisen.

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Wie Ashton weiter ausführt, wurden die meisten der über 100 neuen Monde in der sogenannten Mundilfari-Untergruppe entdeckt. Die ist nach dem gleichnamigen Saturnmond benannt und enthält offenbar die Überreste dieser Kollision. Die Entdeckung ermögliche also einen wertvollen Einblick in die Geschichte des Saturn und seiner irregulären Begleiter. Mit der gegenwärtigen Technik dürfte man nun nicht mehr viele Monde entdecken, meint Ashton noch. Der Saturn dürfte seinen Spitzenplatz damit wohl behalten. Beim Jupiter kennen wir aktuell nur 95 Monde, bei Uranus und Neptun weniger als 30 beziehungsweise 20. Im inneren Sonnensystem verfügen nur die Planeten Mars und Erde noch über Monde.

Dass in der Umlaufbahn des Saturn vor etwa 100 Millionen Jahren ein retrograd um den Saturn kreisender Mond mittlerer Größe zerstört wurde, wurde bereits vermutet. Dieser Zeitpunkt passt auch gar nicht schlecht zum immer wahrscheinlicher werdenden Entstehungszeitpunkt der markanten Ringe. 2022 hat ein US-Forschungsteam erläutert, dass eigene Simulationen nahelegen, dass ein vor 160 Millionen Jahren zerstörter Mond des Saturn nicht nur die Ringe, sondern auch einige Besonderheiten des ganzen Systems erklären könnte. Eine andere Forschungsgruppe hat 2023 nachgelegt: Ihre Analysen auf Basis anderer Daten legen nahe, dass die Ringe vor 100 Millionen bis maximal 400 Millionen Jahren entstanden sind.

(mho)