Schmutzige Bomben: Die falsch verstandene Gefahr?

Die direkten Auswirkungen einer Bombe mit radioaktivem Material sind weitaus geringer als weithin angenommen -- doch ungefährlich seien sie trotzdem nicht, meint ein US-Regierungsberater.

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Von
  • Sascha Mattke

450 Millionen Dollar will das Energieministerium der USA ausgeben, um das Land gegen Angriffe mit Nuklearwaffen und mit so genannten schmutzigen Bomben zu wappnen. Doch zumindest die Bedrohung durch die zweite Variante wird weithin überschätzt, schreibt der Sicherheitsberater Richard A. Muller in seiner neuen Kolumne für Technology Review aktuell.

Schmutzige Bomben sind im Prinzip konventionelle Sprengsätze, denen radioaktives Material mitgegeben wird, das durch die Explosion verteilt werden soll. Sie sind dadurch wesentlich einfacher herzustellen als echte Nuklearwaffen. Laut Muller ist aber auch die Gefahr, die von ihnen ausgeht, wesentlich geringer: Je weiter eine gegebene Menge an radioaktiver Strahlung verteilt wird, desto geringer ist die Gefahr, dass sie hoch genug ist, um bei Menschen im betroffenen Gebiet Krebs auszulösen. Vermutlich aus diesem Grund, schreibt Muller, wies Al Quaida eines ihrer Mitglieder an, seinen Plan mit einer schmutzigen Bombe aufzugeben und stattdessen zwei Apartment-Häuser mittels einer Gasexplosion zu zerstören.

Größer als die direkte ist laut Muller die psychologische Gefahr, die von schmutzigen Bomben ausgeht -- möglich wäre etwa eine Massenpanik nach ihrer Zündung. Zudem könnten sich Terroristen bestehende Regelungen zunutze machen, um die Wirkung zu verstärken: Zwar sei die Wahrscheinlichkeit für tödliche Strahlendosen gering, aber eine schmutzige Bombe könne die Radioaktivität weit über die aktuell erlaubten Grenzwerte bringen. Zwangsevakuierungen und damit verbunden massive Störungen im öffentlichen Leben wären die Folge.

Richard A. Muller ist Physik-Professor an der University of California in Berkeley. Dort hält er die Vorlesung "Physics for Future Presidents"; außerdem ist Muller seit 1972 Berater für die nationale Sicherheit der USA. Den Artikel von Muller über schmutzige Bomben bringt Technology Review aktuell:

(sma)