Fotoalbum
Ein Bild sage mehr als tausend Worte, heißt es. Tausend Bilder, gemeinsam in einem Ordner gespeichert oder – schlimmer – wahllos über die Festplatte verstreut, ergeben jedoch noch lange keinen Roman, sondern eher ein Bilderrätsel, das es zu lösen gilt.
- Michael Riepe
Wenn diese Ausgabe der iX erschienen ist, dürften die ersten Urlauber bereits den Weg zurück in die Heimat gefunden haben – das alljährliche Sichten und Sortieren der mitgebrachten Fotos kann beginnen. Wer zu Hause bleiben und arbeiten muss, steht jedoch nicht selten vor der gleichen Aufgabe. Sammlungen von Bildern fürs Web, Abbildungen für wissenschaftliche Veröffentlichungen oder Grafiken für Präsentationen tendieren dazu, zu wuchern wie Unkraut auf der Wiese.
Zwar kann man Bilddateien nach bestimmten Kriterien in unterschiedlichen Verzeichnissen ablegen – etwa nach dem Entstehungsdatum oder -ort. In einer solchen Sammlung etwa alle Landschaftsbilder oder Grafiken zu einem bestimmten Thema zu finden, ist jedoch schwierig, weil das Dateisystem nur die Suche nach Dateinamen unterstützt.
Was fehlt, sind zusätzliche Informationen über den Inhalt der Bilder, etwa das Motiv, Entstehungsort und -datum oder das verwendete Aufnahmegerät und dessen Einstellungen. Frei wählbare Stichworte (Tags) erlauben es darüber hinaus, Bilder bestimmten Gruppen zuzuordnen. In Kommentaren kann der Nutzer zum Beispiel festhalten, wann oder wofür er ein Bild verwendet hat.
Einige dieser Metadaten muss der Anwender manuell hinzufügen, andere lassen sich automatisch erfassen – Digitalkameras etwa speichern in der Regel Datum, Uhrzeit und Einstellungen wie Blende und Belichtungszeit im Exchangeable Image File Format (Exif) in der Bilddatei. Kameras oder Smartphones mit integriertem GPS-Empfänger können obendrein ihren Standort während der Aufnahme dokumentieren. Neben Exif findet man außerdem das Metadatenformat des International Press Telecommunications Council (IPTC) oder Adobes XMP-Format (Extensible Metadata Platform).
Metadaten helfen Ordnung halten
Zum Anlegen und Bearbeiten von Metadaten eignet sich zum Beispiel gqview. Das Programm bietet einen Bildbetrachter mit den üblichen Manipulationsfunktionen wie Zoomen, Spiegeln und Drehen, ein abtrennbares Navigationsfenster mit Listen- oder Miniaturansicht sowie die Möglichkeit, Bilder in virtuellen Ordnern (Collections) zu gruppieren. Der Nutzer kann Stichworte zum Bild speichern und in den Stichworten suchen. Als zusätzliche Suchkriterien bietet gqview die Datei- und Bildgröße, das Entstehungsdatum und den Dateinamen. Außerdem spürt das Programm in einer Sammlung gleiche oder ähnliche Bilder auf.
Der gqview-Ableger geeqie bietet außerdem Unterstützung für ICC-Farbprofile und kann Histogramme sowie die Farbwerte individueller Pixel anzeigen. Vom Nutzer setzbare Markierungen erlauben eine schnelle Auswahl von Dateigruppen im Navigationsfenster. Steht beim Übersetzen des Programms die Bibliothek libchamplain zur Verfügung, ruft geeqie außerdem Kartenausschnitte zu GPS-Koordinaten aus dem Netz ab – etwa vom OpenStreetMap-Projekt – und zeigt sie an.
Für den gelegentlichen Einsatz sind gqview und geeqie gut geeignet, zumal der Nutzer seine Bilder nicht erst in die Anwendung importieren muss. Allerdings ist ihr Funktionsumfang relativ gering. Fortgeschrittene Anwender und Profis dürften zum Beispiel die Möglichkeit vermissen, nach bestimmten Exif-Metadaten zu suchen. Das Bearbeiten von Bildern, soweit es über Drehen und Spiegeln hinausgeht, delegieren die Programme an externe Anwendungen wie gimp. Der ist jedoch für typische Operationen wie Entrauschen, Farb- und Gammakorrekturen oder gelegentliche Spezialeffekte fast zu mächtig.
Die wichtigsten Funktionen zum Verwalten und Bearbeiten von Fotos bündelt digiKam zu einem Paket. Virtuelle Fotoalben, Tagging und umfangreiche Such- und Sortierfunktionen bringen Ordnung ins Bilderchaos. Als Speicher für Alben und Metadaten dient eine SQLite-Datenbank. Für den Import von Bildern verwendet digiKam die Bibliothek libgphoto2, die über 1200 unterschiedliche Kameramodelle unterstützt – einschließlich solcher, die Fotos statt im JPEG- in einem proprietären Raw-Format liefern. Bilder lassen sich aber auch aus anderen Quellen importieren, etwa von einem Scanner oder mit der Screenshot-Funktion.
Am digitalen Leuchttisch kann der Nutzer Fotos ansehen und vergleichen. Die Bildbearbeitung verwendet intern eine Auflösung von 16 Bit und unterstützt zahlreiche Filter und Effekte, darunter eine Korrektur des berüchtigten „Rote-Augen-Effekts“. Zusätzliche Funktionen lassen sich per Plug-in nachrüsten; unter anderem unterstützt digiKam das KDE Image Plugin Interface (KIPI), für das zahlreiche Plug-ins existieren. Der Batch-Modus erlaubt es, mehrere Dateien in einem Arbeitsgang zu bearbeiten.
Wer seine Bildersammlung veröffentlichen will, kann eine der Export-Funktionen nutzen, die vom simplen Speichern in einem Verzeichnis über das Generieren von HTML-Code für die eigene Webseite bis zum Upload bei PicasaWeb oder Flickr reichen. Außerdem erlaubt es digiKam, Bilder per E-Mail zu versenden, zu drucken und auf CD oder DVD zu archivieren.