Desktop-Virtualisierung – Es wird mehr versprochen als gehalten

Auf dem “Desktop-Virtualisierungsgipfel 2010“ von PC Ware Desktop-Virtualisierung wurde das Thema "Virtual Desktop Infrastructure" kritisch diskutiert: Es kann für Unternehmen echte Vorteile bringen, allerdings sind viele Lösungen noch nicht ausgereift und die Projekte müssen sorgfältig und kompetent durchgeplant werden – eine verantwortungsvolle Aufgabe für die Dienstleister.

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Von
  • Dr. Jakob Jung

Das Thema weckte Interesse: Über 100 Besucher, darunter viele Entscheider aus Landkreisen und kleineren Städten, nutzten den “Desktop-Virtualisierungsgipfel 2010“ des Systemhauses PC-Ware, um sich darüber zu informieren, ob sie von der Desktop-Virtualisierung (VDI, Virtual Desktop Infrastructure) profitieren können. Jörg Mecke, Serviceline Manager IT-Consulting bei PC-Ware, wundert sich nicht über den Zuspruch seines Events, denn er hat bereits im letzten halben Jahr ein steigendes Interesse und auch ganz konkret die Zunahme von VDI-Projekte registriert.

Auch PC Ware reagiert auf die rege Nachfrage und will seine auf Desktop-Virtualisierung-Mannschaft personell weiter aufstocken. Allerdings warnt Mecke vor allzu großer Euphorie. Bei so manchem Hersteller sieht er noch Nachholbedarf: “Technisch hundertprozentig ausgereift sind viele der Lösungen noch nicht“, kritisiert der Berater. Er beurteilt Desktop-Virtualisierung als ein Hype-Thema, „bei dem mehr versprochen als gehalten wird.“ Gefragt sei deshalb eine ehrliche und auf Erfahrung beruhende Beratung. „Vor allem die individuellen Ansprüche der Nutzer müssen von den Softwareherstellern technologisch viel stärker berücksichtigt werden als bisher.

Chancen und Stolpersteine

VMware View 4 verfĂĽgt ĂĽber eingebaute Management-Funktionen

(Bild: VMware)

Ein ganzer Haufen von Stolpersteinen, die den Weg zum erfolgreichen VDI-Projekt behindern, erfordern viel Akribie bei Planung von Projektberatern und Dienstleistern. „VDI ist die Königsklasse der Virtualisierung, denn die Anwender sind nicht berechenbar“, versichert Rüdiger Nelzer, Senior Systems Engineer bei VMware.

Allein die unflexiblen und für VDI inakzeptablen Lizenzbedingungen von Microsoft sorgten bisher auf breiter Front für Unmut. Doch die Redmonder zeigen jetzt Einsicht: Seit 1. Juli 2010 gilt die Lizenzvariante “Virtual Desktop Access“. Damit fordert der Hersteller von den Unternehmen nicht mehr die volle Windows 7 Enterprise Lizenzgebühr, sondern begnügt sich mit einer Flatrate von 100 Dollar pro Jahr und Gerät. Dies erleichtert vor allem den Einsatz von Thin Clients. Ralf Siller, Senior Solution Sales Professional bei Microsoft, verspricht in der Frage der Lizenzierung von VDI noch weitere Verbesserungen.

Citrix Xen Desktop 4 enthält die Technologien HDX und Flexcast

(Bild: Citrix)

Sicherheit, Performance und Storage fordern von den Projektverantwortlichen bei der Planung ein gehöriges Maß an Vorausdenken. „Storage ist ein unterschätzter Faktor“, macht Mecke aufmerksam. „Auf herkömmlichen Rechnern kosten einige GByte Speicherplatz fast nichts, werden sie ins Network Attached Storage (NAS) verlagert, geht das richtig ins Geld.“ Er empfiehlt, sich auch über die Auslastung des Netzwerkes bereits im Vorfeld Gedanken zu machen.

Sven Haubold, Channel Account Manager Recovery Management & Database Modelling bei CA Technologies legt dies VDI-Interessenten ans Herz, Best Practices zu beachten und Storage sowie Netzwerke als eigene Themen im Projekt zu behandeln. „Die Datensicherung steht in Projekten zu Unrecht an letzter Stelle. Wir wünschen uns, dass dafür die Schnittstellen von VMware, Microsoft und Citrix besser werden.“

Haken kann es auch, wenn Virenscanner ohne Anpassung an die virtuelle Infrastruktur eingesetzt werden. Laufen gleichzeitig Updates aller Virenscanner, kann es bei der Prozessorkapazität zu Problemen kommen. Die Empfehlung von Trend Micro lautet deshalb auch, die Sicherheit in die Cloud zu verlagern und Signaturdatenbanken nicht mehr lokal, sondern sekundenaktuell gehostet vorzuhalten.

Thin Print vereinfacht das Drucken von virtuellen Desktops

(Bild: ThinPrint)

Auf die Lösung von Druckproblemen hat sich das Berliner Software-Hersteller Thin Print spezialisiert. “Das Bereitstellen virtueller Desktops ist einfach, aber es gibt schnell Probleme, wenn alle Treiber installiert werden sollen“, warnt Gundula Bischoff , Sales Director DACH. Ihr Unternehmen setzt deshalb auf “Driver Free Printing“, wobei alle nötigen Druckertreiber auf einem dedizierten Drucker-Server zentral vorgehalten werden. Die Berliner haben noch weitere clevere Features für den Einsatz in VDI-Umgebungen ersonnen: Sie ermöglichen von mobilen Geräten wie dem Apple iPhone und iPad zu drucken und zu faxen. Es wird automatisch per IP-Ranges oder Mapping erkannt, welcher Drucker sich gerade in der Nähe des Anwenders befindet und die Druckausgabe auf genau dieses Gerät geleitet. Ressourcen-Knappheit kann Thin-Print Dokumente bis zu 98 Prozent komprimieren und arbeitet dabei mit Bandbreitenbegrenzung. So wird verhindert, dass ein einziger Druckauftrag alle virtuellen Desktops lahmlegt. (gs)