PowerHarvester: Akkusystem für dynamische Stromtarife

Der "PowerHarvester" soll sich trotz Mindestkosten von 8900 Euro für Haushalte mit hohen Verbräuchen schon ab sechs Jahren amortisieren können.

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Der PowerHarvester bei der Vorstellung gestern in Berlin

(Bild: 1KOMMA5°)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Die Solarfirma 1Komma5° stellt ein Akkusystem vor, das für Haushalte ohne Solaranlage gedacht ist, den "PowerHarvester". Die Batterie soll mindestens 8900 Euro kosten für die kleinste Akkugröße von 7,7 kWh, inklusive des Energiemanagers "Heartbeat AI", einem Smart Meter und allen Einbaukosten. Dieser Preis soll sich laut Anbieter für Haushalte mit Verbräuchen über 10.000 kWh pro Jahr schon ab sechs Jahren amortisieren können. Die Batterie eigne sich damit vor allem für Haushalte mit E-Autos und Wärmepumpen. Den PowerHarvester gibt es in den Größen 7,7 kWh, ⁠⁠11,6 kWh, ⁠15,5 kWh, ⁠19,4 kWh, ⁠23,3 kWh und ⁠27,2 kWh.

Zusätzlich zur Hardware benötigen Kunden einen dynamischen Stromtarif und ein Abo für den "Energy Trader", der serverseitig die Lade-Entlade-Prognosen berechnet. Er kostet 9,90 Euro pro Monat. Das System ist wechselstromseitig gekoppelt, also mit eigenem Batterie-Wechselrichter ausgestattet. Das erlaubt weitreichende Kompatibilität mit der restlichen Hauselektrik.

Die maximale Effizienz des Siliziumkarbid-Umrichters beträgt 98,2 Prozent. Sie tritt beim Laden des Akkus aus dem Netz auf. Die niedrigeren Effizienzen des unteren Teillastbereiches (also vor allem Haus-Grundlast) rechnet das Heartbeat-Gerät in den Akkufahrplan ein. Zu den Nennleistungen machte 1Komma5° noch keine Angaben.

"Derzeit verschenkt Deutschland überschüssigen sauberen Strom aus Wind und Sonne regelmäßig ins Ausland. Später kaufen wir dann Strom zu hohen Preisen wieder zurück, wenn Sonne und Wind nicht verfügbar sind. Das ist wirtschaftlicher Irrsinn", sagt Philipp Schröder, CEO und Mitgründer von 1Komma5°. "Mit der PowerHarvester Batterie ermöglichen wir jetzt allen Stromkunden, direkt von diesen Strommengen zu profitieren und Teil der dauerhaften Lösung dieses Problems zu werden."

Auch die Agora Energiewende setzt fest darauf, dass private Haushalte die teuren Speicher kaufen, weil gewerbliche Investoren das nur tun, wenn die Rendite stimmt. Die Haushalte sollten jedoch ebenfalls berechnen, ob sie damit ökonomisch zumindest einigermaßen gut bedient sind.

Die durchschnittlichen deutschen Stromkosten liegen Stand 14. 4. 2025 bei 27 ct/kWh. Rechnet man der Einfachheit halber mit 30 Cent und der versprochenen maximalen Senkung um die Hälfte, kommt der PowerHarvester auf einen durchschnittlichen Spread von 15 Cent. Die Verluste nicht eingerechnet, müsste er selbst im Idealfall knapp 60.000 kWh durchpumpen bis zur Amortisation des Mindestpreises von 8900 Euro.

Die durchschnittliche Lade-Entlade-Effizienz ("Roundtrip"-Effizienz) von Wechselrichtern liegt (aufgrund des Teillastanteils) zwischen 75 und 85 Prozent. Der Energy Trader kostet 118,80 Euro pro Jahr. Inklusive mittlerer Verluste und Software-Abo über sechs Jahre müsste der Akku also über 80.000 kWh in sechs Jahren verarbeiten, um sich zu amortisieren. Das bedeutet für den hier überschlagenen 7,7-kWh-Akku: deutlich über 10.000 Vollzyklen nur bis zur Nullrendite.

Update

Bezüglich meiner Einschätzung "das lohnt sich nicht" meldete sich 1Komma5°-CPO und Mitgründer Jannik Schall mit einigen Einwänden und Korrekturen. Für die Annahme der Stromkosten verwendet die Firma nicht meine Verivox-Grenzkosten pro kWh, sondern die deutschen Durchschnitts-Stromgesamtkosten auf die kWh umgerechnet des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW von 39,8 ct/kWh. Zusätzlich seien die Akkuverluste in der Aussage "Stromkosten um die Hälfte senken" bereits enthalten. Auch damit bleibt es jedoch beim "schwierig" mit der Rentabilität des Akkus. Er ist schlicht zu teuer.

Jannik Schall sieht das anders: "Nur das Gesamtpaket aus Dynamischem Stromtarif, Energiemanagement und Batteriespeicher liefert die maximale Wirtschaftlichkeit: Ohne Speicher ist der Kunde Preisspitzen im dynamischen Stromtarif schutzlos ausgeliefert, gleichzeitig kann in Niedrigpreiszonen der anfallende Verbrauch im Direktbezug beglichen werden, während gleichzeitig der Speicher mit günstigem Strom befüllt wird. Für dieses Gesamtpaket sehen wir bei Haushalten mit hohem Stromverbrauch Amortisationszeiten von unter sechs Jahren."

1Komma5° sieht den Akku dabei nicht als separate Investition an, sondern vergleicht das Paket aus dynamischem Stromtarif, reduzierten Netzentgelten nach §14 EnWG und Akku mit einem Strom-Fixtarif. Bei hohen Verbräuchen über 10.000 kWh pro Jahr kann sich dieses Angebot im Vergleich zu einem Fixpreisangebot in unter 6 Jahren amortisieren. Selbst in der von 1Komma5° angeführten Beispielrechnung verschlechtert jedoch der Akku die relative und absolute Wirtschaftlichkeit des Systems. Im vorgelegten Rechenbeispiel mit Wärmepumpe wird klar, warum: 78 Prozent von 12.000 kWh Strom kommen direkt vom Netz, nur 22 Prozent laufen über den Akku. Das angenommene Szenario wäre ohne die knapp 9000 Euro Akkukosten wesentlich günstiger, obwohl 1Komma5° stolze 7000 Zyklen für den Akku angibt und von 402 Zyklen pro Jahr ausgeht.

1Komma5° bietet das System nur mit Akku an, es gibt so etwas aber auch ohne. Wer vergünstigte Netzentgelte nach Modul 3 des §14 EnWG mit einem dynamischen Stromtarif und etwas Energiemanagement verbinden will, findet solche schlanken Lösungen bei Ostrom, Rabot.Charge oder Tibber. Bei diesen Anbietern kann man allerdings oft lange warten auf die für reduzierte Netzentgelte nötigen Smart Meter, während 1Komma5° durch die Zusammenarbeit mit dem wettbewerblichen Messstellenbetreiber Solandeo Smart Meter zügiger liefern kann.

(cgl)