GCO: Community auf der Couch

Onlinespieler und Forenteilnehmer ändern stetig ihr Verhalten, so die Aussage verschiedener Vorträge auf der aktuell in Leipzig stattfinden Fachmesse GCO. Betrachtet wurden dabei gleichermaßen psychologische und soziale Aspekte.

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Von
  • Dirk Srocke

In seinem Vortrag "Clusters in Social Games – How do people play social games?" beschreibt Ben Kirman von der University of Lincoln vier typische Verhaltensmodelle von Social Gamern. Diese werden durch Kontaktzahl und Interaktionsmuster bestimmt. Der "Evangelist" entspricht beispielsweise einem begeisterten Kommunikator, der mehr soziale Kontakte initiiert als empfängt. Kompletter Gegenentwurf dazu ist der "Antisocial", der Anfragen im Spiel weder startet noch beantwortet. Dazwischen liegen "Socialite" und "Reluctant".

Die Verhaltensformen lassen sich nicht fest bestimmten Personen zuordnen, erklärt Kirman. So verringere sich die Kommunikationsaktivität etwa, wenn ein Anwender weniger Zeit zum Spielen findet. Demzufolge wäre es müßig, Spiele auf eine archetypische Person zuzuschneiden. Stattdessen müsse man Verhaltensmuster zum Kern der Spieleentwicklung machen.

Einen verwandten Ansatz vertrat Wilfried Henseler, Consultant beim Onlinespiel-Experten ICO Partners, im Vortrag "Psychology in Community Mangement". Henseler setzt auf die Transaktionsanalyse, um den Zustand von Foren zu bewerten. Dabei wird ein Sample von Forenbeiträgen nach dem Ich-Zustands-Modell bewertet. Demnach lassen sich Äußerungen als kindlich, erwachsen oder autoritär klassifizieren - und grafisch als Egogramm darstellen. Idealerweise überwiegen "erwachsene" Wortbeiträge in einem gesunden Forum.

Die klassifizierten Äußerungen dürfen dabei nicht mit realen Personen gleichgesetzt werden, da jeder Mensch stimmungsabhängig mit allen Zuständen kommunizieren kann. Das Egogramm ist also lediglich Indiz für den aktuellen Status eines Forums.

Mit einem Egogramm können Moderatoren und Community Manager auch den Erfolg verschiedener psychologische Kommunikationsstrategien testen. Hierfür gab Henseler gleich einige Beispiele. Wenn unangenehme Wahrheiten schon ausgesprochen werden müssen, so sollen diese wenigstens nett verpackt werden. So dürfen Community Manager unter gar keinen Umständen das Wort "Problem" in den Mund nehmen. Der Stimmung in Foren sei es zudem zuträglich, wenn bei unbeliebten Patches auch die Vorzüge kommuniziert werden. "Wenn man schon einen Frosch schlucken muss, verkaufen sie ihn wenigstens zusammen mit der Prinzessin - der kann man nicht böse sein", so Henseler. (hps)