Spotlight Fotokultur – Ausstellungen und Festivals im Mai 2025
Indien im Doppelblick, Fotografie im Exil, Streetfotografie aus dem Leica-Archiv und das Fotofestival in Zingst – der Mai hat für Fotofans einiges zu bieten.
(Bild: Torsten A. Hoffmann)
Spannungsfeld Indien
Indien ist laut, bunt, widersprüchlich – und für viele westliche Betrachter oft schwer zu fassen. Die Ausstellung "Bewegendes Indien: Torsten A. Hoffmann | Craig Semetko", die vom 9. Mai bis zum 12. Juli 2025 in der Leica Galerie in Stuttgart zu sehen ist, nähert sich diesem komplexen Land mit zwei sehr unterschiedlichen fotografischen Blickwinkeln. Der deutsche Fotograf Torsten A. Hoffmann und der amerikanische Streetfotograf Craig Semetko zeigen Indien in seiner ganzen Vielfalt – mit viel Respekt, Neugier und kreativem Gespür.
(Bild: Torsten A. Hoffmann )
Beide Fotografen konzentrieren sich dabei auf die Stadt Mumbai, die auch Partnerstadt von Stuttgart ist. Dort treffen Gegensätze besonders drastisch aufeinander: extreme Armut und wirtschaftlicher Aufschwung, informelle Siedlungen und futuristische Architektur. Genau hier setzt Hoffmann mit seiner Serie "Architecture of the Poor" an. Er dokumentiert das Leben im Slum Dharavi, einem der größten der Welt. Durch die Kombination von Langzeitbelichtungen und farbintensiven Motiven entstehen eindrucksvolle, fast malerische Bilder. Doch Hoffmann zeigt nicht nur Gebäude, er porträtiert mit viel Einfühlungsvermögen auch die Menschen, die darin leben.
Ganz anders geht Craig Semetko an das Thema heran. Der Leica-Fotograf ist ein Meister der Streetfotografie – inspiriert von Henri Cartier-Bresson – mit dem Blick für den entscheidenden Moment. In "India Unposed" fängt Semetko das scheinbar Nebensächliche ein, das sich oft als tiefsinnig oder gar absurd entpuppt. Seine Schwarz-Weiß-Fotografien sind pointiert, manchmal humorvoll, aber immer menschlich. Er fotografiert den Alltag nicht als Folklore, sondern als ehrliches Spiegelbild der Gesellschaft.
"Bewegendes Indien" zeigt nicht das eine Indien, sondern viele Gesichter eines Landes voller Gegensätze. Eine sehenswerte Ausstellung für alle, die sich für Fotografie als Mittel der Weltbetrachtung interessieren.
Fotokunst im Exil
Vom 4. April bis 22. Juni 2025 zeigt das Kunst- und Kulturzentrum (KuK) in Monschau (in der Nähe von Aachen) die Ausstellung "Fotokunst im Exil 1928–1949". Die Schau beleuchtet ein bislang wenig bekanntes Kapitel der Fotogeschichte: das fotografische Schaffen von Künstlerinnen und Künstlern im Exil. Viele von ihnen waren jüdischer Herkunft oder politisch engagiert und mussten in den 1930er Jahren vor den Nationalsozialisten fliehen, nach Paris, London, Mexiko, New York oder Palästina. Einige hatten bereits ein etabliertes fotografisches Werk, andere fanden im Exil erst zur Kamera. Trotz der schwierigen Umstände schufen viele ausdrucksstarke Porträts, sozialkritische Reportagen und avantgardistische Kompositionen – fotografische Werke, die bis heute wirken, aber oft im Schatten anderer großer Erzählungen stehen.
(Bild: David Seymour)
Die Ausstellung spannt einen Bogen von der Weimarer Republik über die Fluchtjahre bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs und dokumentiert sowohl künstlerische Kontinuitäten als auch Brüche in den Biografien. Im Mittelpunkt stehen unter anderem fotografische Positionen von Grete Stern, Ellen Auerbach, Roman Vishniac oder Walter Zadek – Namen, die Kennern ein Begriff sind, die es aber auch für ein breiteres Publikum neu zu entdecken gilt.
Was diese Ausstellung so besonders macht: Sie verbindet kunsthistorische Tiefe mit fotografischer Qualität. Es geht nicht nur um Geschichte, sondern auch um Bildsprache, Stile und persönliche Sichtweisen. Die Schwarz-Weiß-Fotografien, oft auf Silbergelatinepapier, zeugen von technischem Können, aber auch von großem Einfühlungsvermögen. Viele der gezeigten Arbeiten wurden lange Zeit übersehen oder vergessen.
Meisterwerke der Streetfotografie
Die Leica Welt in Wetzlar zeigt aktuell die Ausstellung "Die Magie der Straße - Meisterwerke der Street Photography aus dem Leica Archiv". Sie läuft bis zum 29. September und zeigt bedeutende Momentaufnahmen aus fast 100 Jahren Straßenfotografie. Ob eine Szene auf einem Pariser Boulevard, ein flüchtiger Blickwechsel auf einen amerikanischen Zebrastreifen oder spielende Kinder in den Gassen von Havanna – die Straße war schon immer Schauplatz des wirklichen Lebens.
(Bild: Magnum Photos/Alex Webb)
Mit der neuen Ausstellung in Wetzlar zeigt das Traditionsunternehmen nun Highlights aus dem hauseigenen Bildarchiv. Die rund 80 Fotografien stammen von renommierten Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Bruce Gilden, Thomas Hoepker, Alex Webb oder Mary Ellen Mark, die allesamt als Meister ihres Fachs gelten und von denen viele mit einer Leica-Kamera unterwegs waren. Die ausgestellten Arbeiten zeigen nicht nur unterschiedliche fotografische Handschriften, sondern auch die Entwicklung eines Genres, das mit dem Aufkommen der Kleinbildkamera überhaupt erst möglich wurde. Denn ohne Leica wäre die Streetfotografie nicht so, wie wir sie heute kennen. Die kleinen, leisen Kameras ermöglichten erstmals spontane Aufnahmen im öffentlichen Raum, ohne großes Aufsehen, aber mit großer Nähe zum Motiv.
Neben den Bildern gibt es ergänzendes Archivmaterial, Hintergrundinformationen zu den Aufnahmen sowie eine Videoinstallation mit Interviews. Auch die Bedeutung der Street Fotografie in der heutigen Zeit – Stichwort Datenschutz und urbane Bildkultur – wird thematisiert.
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Ressourcen im Fokus – Horizonte Zingst
Vom 23. Mai bis 1. Juni 2025 findet in Zingst an der Ostsee das 18. Umweltfotofestival »horizonte zingst« statt. Das diesjährige Thema lautet Ressourcen und verspricht wieder ein dichtes Programm an Ausstellungen, Workshops, Vorträgen und Aktionen rund um den Komplex Fotografie und Nachhaltigkeit.
(Bild: Holger Martens / horizonte zingst)
Das Leitthema zieht sich wie ein roter Faden durch die kuratierten Ausstellungen in der ganzen Stadt. Gezeigt werden Arbeiten internationaler und nationaler Fotografinnen und Fotografen, die sich mit den Herausforderungen unserer Zeit auseinandersetzen – Klimawandel, Artensterben, Migration, soziale Gerechtigkeit. Dabei stehen jedoch nicht nur die Krisen im Fokus, sondern auch Lösungen, Visionen und die Widerstandskraft von Natur und Mensch.
Besonders für technikaffine Fotobegeisterte bietet das Festival zahlreiche Möglichkeiten, ihr Wissen zu erweitern. Über 80 Workshops stehen auf dem Programm, von der klassischen Landschaftsfotografie über Porträt- und Streetfotografie bis zu Drohnenaufnahmen und Video. Mit dabei sind renommierte Dozenten und Markenpartner wie Leica, Nikon, Canon oder Olympus. Wer möchte, kann vor Ort Equipment testen, Fragen stellen und sich persönlich austauschen.
Was das Festival in Zingst so besonders macht, ist seine Einbettung in die Umgebung an der Ostsee und den Küstenort Zingst. Großformatige Open-Air-Ausstellungen auf dem Deich, am Strand oder im Kurpark machen die Fotografie für jedermann sichtbar und zugänglich. Abends verwandeln sich die Häuserfassaden in Projektionsflächen für bewegende Fotogeschichten – ein visuelles Erlebnis unter freiem Himmel.
Besuchen Sie auch die c’t Fotografie auf dem Fotomarkt des Umweltfotofestivals »horizonte zingst«! Unsere Redaktion präsentiert sich im Herzen der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, wo sich der Fotomarkt vom Fischmarkt bis zur Seebrücke erstreckt und für alle Besucher kostenlos zugänglich ist. Er bietet eine gute Gelegenheit, neue Kameramodelle und Zubehör ausgiebig zu testen. Alle wichtigen Marken der Branche sind vertreten, viele bieten auch einen Check & Clean-Service an.
(vat)