An der Sektorgrenze

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An der Sektorgrenze

Die erste 3-TByte-Festplatte entblößt wieder einmal die Innovationsbremse Nummer 1 der PC-Technik, nämlich die Windows- und Abwärtskompatibilität. Dieses schier unsterbliche Dogma lebt vom zähen Gemisch aus egoistischem Verhalten einiger Hersteller und dem Verlangen vieler Käufer, uralte Software auf nagelneuen Rechnern zu betreiben. Doch es wäre besser, auch mal saubere Schnitte zu wagen – etwa jetzt bei der Partitionierung von Festplatten.

Die dazu nötige Schlüsselinformation, die Partitionstabelle, lagert seit den 80er-Jahren im sogenannten Master Boot Record (MBR). Damit kommen alle x86-Betriebssysteme zurecht. Doch die bisherige MBR-Partitionstabelle stößt bei 2 TByte an ihre Grenze. Obwohl die PC-Branche das seit Jahren weiß, wird die 2-TByte-Schwelle nun aber nicht etwa mit zukunftsweisender Technik überwunden, sondern mit einer Notlösung.

Das bessere Verfahren gibt es längst. Seit Ende der 90er-Jahre drängt Intel auf eine Ablösung des veralteten PC-BIOS durch das Extensible Firmware Interface (EFI) beziehungsweise dessen Variante UEFI, zu der sich 2006 auch Microsoft bekannt hat. Die EFI-Spezifikation bringt Festplatten die GUID Partition Table (GPT), die Milliarden von Terabyte verwalten kann. Doch die PC-Branche schafft den Umstieg nicht. Daran trägt Microsoft einen großen Teil der Schuld: Während etwa Linux GPT-Platten seit Langem unterstützt, können neuere Windows-Versionen sie zwar als Datenlager nutzen, aber nur unter speziellen Bedingungen davon booten. Letzteres beherrschen ausschließlich die x64-Editionen von Windows Vista, Windows 7 oder Windows Server in Verbindung mit UEFI-tauglichen Mainboards.

Auf einem PC mit reiner UEFI-Firmware würde aber kein 32-Bit-Windows mehr starten, auch kein DOS und keine der älteren Linux-Versionen. Das Booten herkömmlicher Live-CDs oder USB-Sticks wäre unmöglich. Zwar gibt es Abhilfe, aber nur mit Einschränkungen und Nachteilen. Die Folge: Bisher sind keine UEFI-Windows-PCs auf dem Markt.

In ihrer Not formatieren Festplattenhersteller die ersten 3-TByte-Laufwerke mit 4-KByte- statt mit 512-Byte-Sektoren, sodass der MBR noch reicht. Auch mit dieser technischen KrĂĽcke gibt es Probleme, vom Einsatz als Boot-Laufwerk raten die Hersteller ab. Einzig als per USB oder FireWire angebundenes Datenlager traut sich Seagate die erste 3-TByte-Platte zu verkaufen.

Das Kuddelmuddel bei der Festplattenpartitionierung wird Auf- und Umrüster noch Jahre beschäftigen. Auch auf diesem Gebiet zeigt Apple, wie es besser geht: Mac OS X hat den Umstieg auf einen EFI-Dialekt samt GPT längst vollzogen. Bei Apple entscheidet halt ein einzelner starker Mann, während es die vielstimmige PC-Branche wieder einmal nicht schafft, einen gemeinsamen Weg in die Zukunft zu beschreiten – keiner wagt den ersten Schritt. (ciw)