Nur 0,001 Prozent des Meeresbodens ist erforscht

Nur ein geringer Teil des Tiefseebodens ist durch Taucher oder U-Boote dokumentiert, und das sehr ungleichmäßig. Das solle sich ändern, fordern Forscher.

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Ocean Blue Unterwasser mit Sonnenstrahlen

Unterwasser mit Sonnenstrahlen

(Bild: DrShutter/Shuttersctock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Dass wir mehr über den Mond oder den Mars wissen als über die Weltmeere, ist eine häufig angebrachte Binsenwahrheit. Ein Team der Ocean Discovery League hat untersucht, wieviel Meeresgrund die Menschheit erkundet hat. Danach ist uns der Meeresgrund in der Tiefsee nicht nur weitgehend, sondern praktisch vollständig unbekannt.

70 Prozent der Erdoberfläche ist von Meeren bedeckt. Der überwiegende Teil davon gilt als Tiefsee, das bedeutet tiefer als 200 Meter unter der Meeresoberfläche. Diese Bereiche machen 66 Prozent der Erdoberfläche aus, insgesamt knapp 336 Millionen Quadratkilometer.

Wie wenig Meeresboden bekannt ist

(Bild: Ocean Discovery League)

"Unsere Daten zeigen, dass wir weniger als 0,001 Prozent visuell untersucht haben", schreibt das Team um Katherine Bell von in der Fachzeitschrift Science Advances. Das entspreche etwa der Größe von Rhode Island -– der kleinste US-Bundesstaat hat eine Fläche von 3100 Quadratkilometern.

FĂĽr die Studie hat das Team hat die Daten von knapp 44.000 Tauchexpeditionen ausgewertet, die seit 1958 in diese Regionen unternommen wurden. Diese fanden ĂĽberwiegend in 120 nationalen AusschlieĂźlichen Wirtschaftszonen (AWZ), auch 200-Meilen-Zone genannt, statt.

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Nur ein knappes Fünftel der Expeditionen wurden auf hoher See durchgeführt, obwohl diese 58 Prozent der Tiefsee ausmacht. Und es werden immer weniger: In den 1960er Jahren ging es noch bei etwas mehr als Hälfte der Expeditionen auf hohe See. In den 2010er Jahren waren es nur nicht knapp 15 Prozent.

Die Verteilung sei zudem extrem eingeschränkt, moniert das Team: 65 Prozent der Expeditionen hätten in der AWZ von drei Ländern stattgefunden: Japan, Neuseeland und den USA. Einige Bereiche, wie etwa Canyons oder Bergrücken seien gut erforscht, andere wie etwa Ebenen oder Seeberge hingegen kaum.

Wo getaucht wurde

(Bild: Ocean Discovery League)

Ohnehin betreiben nur sehr wenige Länder Tiefseeforschung: 97 Prozent der Expeditionen wurden von fünf Ländern durchgeführt: Deutschland. Frankreich, Japan, Neuseeland und den USA. Grund seien die hohen Kosten für solche Expeditionen.

"Angesichts der zunehmenden Bedrohung der Tiefsee – vom Klimawandel bis zur Möglichkeit von Bergbau und Ausbeutung von Ressourcen – wird die begrenzte Erforschung einer so riesigen Region zu einem großen Problem für Wissenschaft und Politik", sagte Bell, Leiterin der Ocean Discovery League und Hauptautorin der Studie. "Wir brauchen ein viel besseres Verständnis der Ökosysteme und Prozesse in der Tiefsee, um sachlich fundierte Entscheidungen über Ressourcenmanagement und Naturschutz treffen zu können."

Der Tiefsee, also dem Bereich ab 200 Meter unter der Meeresoberfläche, kommt eine wichtige Rolle bei der Gesunderhaltung unseres Planeten zu, wie etwa Sauerstoffproduktion oder Klimaregulierung. Die Lebensformen könnte zudem als Nahrung oder als potenzielle Lieferanten von neuen Arzneimitteln dienen. Deshalb sei es wichtig, diesen Bereich weiter zu erforschen, resümieren die Forscher. Die visuelle Bildgebung sei dabei eine der wichtigsten Methoden.

Das sei allerdings in Anbetracht der Fläche ein schwieriges Unterfangen: Selbst wenn 1000 Forschungsteams jedes Jahr drei Quadratkilometer untersuchen würden, würde es mehr als 100.000 Jahre dauern, den gesamten Meeresboden zu vermessen und zu dokumentieren.

"So vieles in unseren Ozeanen bleibt ein Geheimnis", sagte Ian Miller, wissenschaftlicher Leiter der National Geographic Society. "Die Erforschung der Tiefsee unter der Leitung von Wissenschaftlern und lokalen Gemeinschaften ist entscheidend für ein besseres Verständnis des größten Ökosystems der Erde."

(wpl)