Folgen des extremen Sonnensturms: GPS-Probleme und außergewöhnliche Polarlichter

Vor einem Jahr sorgte ein extremer Sonnensturm weltweit für beeindruckende Polarlichter. Die NASA hat nun eine ganze Reihe weiterer Folgen zusammengetragen.

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Farbiges Polarlicht über einem Schiff am Sandstrand

Die Aurora über einem Sandstrand in Polen

(Bild: Patryk Kosmider/Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Der stärkste geomagnetische Sturm der Sonne seit mehr als 20 Jahren hat vor einem Jahr teils gravierende Folgen auf der Erde gehabt – nur Stunden nach einer umfangreichen Übung von US-Behörden zu genau einem solchen Ereignis. Das hat die US-Weltraumagentur jetzt zusammengetragen. Der dort auf Gannon-Sturm getaufte Sonnensturm vom 10. und 11. Mai 2024 war der erste extreme Sonnensturm seit 2003 und hat demnach unter anderem dafür gesorgt, dass über GPS lokalisierte Traktoren in den USA von ihrem Kurs abgekommen sind. Auf den betroffenen Farmen seien dadurch im Schnitt Kosten von 17.000 US-Dollar angefallen. Zwei Aufnahmen des Flugzeugtrackers Flightradar24 machen deutlich, wie massiv der Flugverkehr umgeleitet werden musste.

Folgen des großen Sonnensturms für die Luftfahrt (2 Bilder)

Flugverkehr am 11. Mai 2024 – nach dem Sonnensturm (Bild:

Flightradar24

)

Durch den Sonnensturm sei außerdem die Erdatmosphäre ungewöhnlich stark erwärmt worden, wodurch sie sich ausdehnte, erklärt die NASA weiter. In der Folge musste ein Forschungssatellit der Weltraumagentur zum Absturz gebracht werden, fünf Monate früher als geplant. Andere Satelliten mussten mehr Treibstoff aufwenden, um ihre Umlaufbahnen zu halten und möglichen Kollisionen auszuweichen. In der Magnetosphäre der Erde wurde der stärkste elektrische Strom seit 20 Jahren erzeugt, und um unseren Heimatplaneten tauchten vorübergehend zwei neue Ringe aus elektrisch geladenen Teilchen auf, ergänzt die NASA. Diese Beobachtung sei wichtig für die Raumfahrt, denn diese Teilchen können Raumschiffe oder Raumfahrende gefährden.

Auch die bislang sichtbarsten Folgen des Sonnensturms haben die Forscher und Forscherinnen aus den USA untersucht: Die beeindruckenden Polarlichter waren demnach nicht nur dort zu sehen, wo sie sonst sehr selten sind, sie traten auch ungewöhnlich hoch auf. Entstehen sie normalerweise in etwa 600 km Höhe, seien sie diesmal fast 1000 km hoch beobachtet worden. Das erklärt demnach auch die ungewöhnlichen Farben, die auf die dort angeregten Moleküle zurückgegangen sind. Die aufsehenerregenden Polarlichter in Magenta, die in Japan aufgetreten sind, seien auch deshalb sehr einzigartig gewesen.

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Folgen hatte der massive Ausbruch der Sonne aber nicht nur für die Erde, sondern auch für andere Planeten. Vor allem der Mars lag direkt im Einflussbereich, was nicht nur aus dem Orbit nachgewiesen werden konnte: Von dort habe der Orbiter Maven extrem viele Polarlichter nachgewiesen. Auf der Oberfläche haben die Kameraaufnahmen des Rovers Curiosity ungewöhnlich viel Rauschen aufgewiesen, das von den geladenen Sonnenteilchen verursacht wurde. Vergleichbar starke Strahlung habe das Gerät seit seiner Landung im Jahr 2012 noch nicht gemessen. Wären Menschen dort gewesen, hätten sie so viel davon abbekommen, wie sonst bei 30 Röntgenaufnahmen ihres Oberkörpers.

Sonnenteilchen stören Curiositys Kameras

(Bild: NASA/JPL-Caltech)

Auch wenn der geomagnetische Sturm von Mitte Mai 2024 damit verschiedenste Folgen hatte, so sorgte er doch nicht für katastrophale Schäden, wie sie bei noch stärkeren Ereignissen befürchtet werden. Bei den meisten dürfte er für die beeindruckenden Polarlichter in Erinnerung bleiben. Die jetzt von der NASA zusammengetragenen Erkenntnisse sollen dabei helfen, dass Forscher und Forscherinnen solche Ausbrüche besser verstehen und wir uns auf der Erde besser vorbereiten können. Angesichts unserer starken Abhängigkeit von verschiedenster Technik könnte ein stärkerer Sonnensturm viel dramatischere Folgen haben als Sonnenstürme, die sich vor dem 20. Jahrhundert ereignet haben.

(mho)