Schnelles autonomes Überwasserfahrzeug setzt Kamikazedrohnen ab

Die Kraken3 Scout Medium soll bei militärischen Operationen unter anderem Kamikazedrohnen von See aus absetzen können. Das Boot setzt auf Hydrofoil-Technik.

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Kraken3 Überwasserfahrzeug in Fahrt

(Bild: Kraken Maritime Technology)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Das britische Unternehmen Kraken Maritime Technology hat auf der Special Operation Forces Week Conference in Tampa im US-Bundesstaat Florida das unbemannte Überwasserfahrzeug Kraken3 Scout Medium gezeigt, von dem aus Kamikazedrohnen etwa des Typs Switchblade 600 und 300 vom Wasser aus eingesetzt werden können. Das Boot kann mit dem von Kraken entwickelten kollaborativen Autonomiesystem "HaloSwarm" komplett autonom betrieben oder von einem menschlichen Operator ferngesteuert werden.

Etwa 8,3 m ist die Kraken3 Scout Medium lang. Der Schiffskörper kann Nutzlasten bis zu 600 kg aufnehmen. Zwei Bereiche sind für unterschiedliche Nutzlasten ausgelegt. Das können etwa Drohnen, Material, aber auch Soldaten sein. Der Einsatzschwerpunkt dürfte wohl auf militärischen Kamikazedrohnen liegen, die dann von dem Boot aus gestartet werden.

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Platz dafür soll genug sein. Das Boot könne "eine Menge" an Drohnen des Typs Switchblade 600 und 300 des US-Herstellers Aerovironment aufnehmen. Dabei handelt es sich um röhrenförmige Drohnen, die zur Aufklärung und dem Angriff von gegnerischen Zielen genutzt werden können. Switchblade 600 hat eine Reichweite von rund 40 km, Switchblade 300 fliegt Ziele bis zu einer Entfernung von 10 km an. Von der Switchblade 300 gibt es auch noch eine verbesserte Version, die bis zu 30 km weit fliegen kann. Die Drohne kann außerdem mit Aufklärungselektronik oder einem Gefechtskopf ausgestattet sein. Sie nennt sich dann "Blackwing". Auch kann das Boot mit einem Drohnenabwehrsystem wie etwa Titan 4 ausgerüstet werden, um gegnerische Drohnen von der See aus abzuwehren.

Militärische Missionen kann das Boot vollständig autonom ausführen. Dabei ist jedoch eine menschliche Überwachung und Zielfreigabe zwischengeschaltet. Die Positionsbestimmung erfolgt dabei über GPS. Bei schlechtem Empfang schaltet das System auf das alternative Präzisionsnavigationssystem HalNav. Das nutzt Himmelspolarisation, Sonnen- und Mondverfolgung, Himmelsverfolgung, Inmarsat-Satellitenpositionierung und Lagesensoren, um die genaue Position der Kraken3 zu ermitteln. Alternativ steuert ein Operator an Land oder auf See das Boot aus der Ferne. Die Kraken3 ist mit bis zu vier Kamerasystemen ausgestattet, um Rückmeldung von der Umgebung zu geben. Das können auch weitreichende optische Systeme sein. Die Kommunikation erfolgt über 2,4-GHz-Bänder, Mobilfunk, Kurzwelle oder Starlink.

Mehrere der Drohnenboote können im Verbund zusammenarbeiten, Drohnen absetzen und generische Ziele gemeinsam bekämpfen. Das System bietet insgesamt die Möglichkeit, in gefährliche Gebiete einzufahren, ohne Soldaten gefährden zu müssen.

Die Kraken3 wird von einem Dieselmotor angetrieben. Zu den technischen Details des Antriebs hält sich Kraken jedoch bedeckt. Bis zu 650 Nautische Meilen (rund 1204 km) soll das Boot bei voller Ausschöpfung der 600 Nutzlast zurücklegen können. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei maximal 55 Knoten (knapp 102 km/h), im normalen Fahrbetrieb bei 35 Knoten (knapp 65 km/h).

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Um die Reichweite und die Geschwindigkeit erreichen zu können, setzt Kraken auf Hydrofoil-Technik. Unterwassertragflächen verschaffen dem Boot ab einer bestimmten Geschwindigkeit so viel Auftrieb, dass sich der Rumpf aus dem Wasser hebt und das Boot mit geringerem Widerstand auf den Flächen dahingleitet.

(olb)