Themenmolekül: The Miracle is YOU
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute: Ein Strauß wissenschaftlicher Wunderlichkeiten von der chemischen Romantik bis hin zu den zehn verstörendsten wissenschaftlichen Entdeckungen.
- Peter Glaser
Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu digitalen Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich der geneigten Leserschaft an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen. Heute: Ein Strauß wissenschaftlicher Wunderlichkeiten von chemischer Romantik über einen Do-it-Yourself-Fusionsreaktor bis hin zu den zehn verstörendsten wissenschaftlichen Entdeckungen.
Chemie und Verführung: "Wenn ich ihm ein wenig davon gebe, wird er mir verfallen!"(Aus der US-Comic-Heftreihe "Nellie the Nurse" von 1948). Wie reizvoll doch Reagenzgläser sein können.
Der Astronom Florian Freistetter drüben bei Astrodicticum Simplex hat zwei Musikvideos über das elektromagnetische Spektrum gefunden – "The Electromagnetic Spectrum Song" von Emerson Foo und Wong Yann sowie die "ElectroMagnetic Spectrum Song Summary"-Karaoke-Version zur Melodie von Mamma Mia, dargeboten von Schülern der Blue School Wells, Somerset, unter der Leitung von Mr. Shaw.
Romantik für Nichtromantiker: "You and I are Chemistry"... Wie wär's, wenn wir unsere Atome ein wenig ineinander verschränken würden? Oder wie es bei Kurt Tucholsky in "Deutsch für Amerikaner" heißt: "Fräulein, würden Sie sich unterstehen, mich durch diesen Abend zu streifen?"
Coole Küchen-Acessoires: "The Earl" – gläserne Salz- und Pfefferstreuer für Laborfreunde, dem klassischen Erlenmeyer-Kolben nachgebildet. Ideal für den Chemiker im Manne, natürlich auch in der Frau. Es gibt diese Erlenmeyer-Kolben-Varation auch für Essig und Öl, man kann also seine Küche in ein richtiges Experimentierfeld verwandeln.
Planeten am Hals: Die Sonnensystem-Halsketten von Laura Cesari sind nach den Planeten unseres Heimatsystems aufgebaut. Sie bilden – zum Umhängen – entweder das gesamte Sonnensystem ab oder jeweils einen Planeten mit all seinen Monden in den jeweils proportional entsprechenden Distanzen. Um die Ketten herzustellen, war einiges an Berechnungen und Prototypen nötig. Die erste Kette war fast zwei Meter lang, jede Perle repräsentierte 20 Millionen Meilen (32 Millionen Kilometer).
Wissenschaftliche Arbeitsmoral: Der Chemiker Guido Koch hat einen Brief aus seiner Studienzeit in den neunziger Jahren wiedergefunden, in dem er von den Institutsleitung angepfiffen wurde, weil er nicht ganz selbstverständlich täglich und an den Wochenenden an der Arbeit sei: "I have noticed that you have failed to come in to lab on several weekends, and more recently have failed to show up in the evenings."
Richtige Wissenschaftler, die richtige Wissenschaft machen: Maggie Koerth-Baker berichtet, wie ein Besuch im Fermilab bei Chiago die Wahrnehmung von Kindern über das, was ein Wissenschaftler ist und wer ein Wissenschaftler sein kann, verändert.
Andere Leute basteln Modellschiffe: Mark Suppes aus Brooklyn ist tagsüber Ruby-on-Rails-Developer, nachts vervollkommnet er seinen selbstgebauten Fusionsreaktor. Der Test-Ring besteht aus Teflon und Kupfer, hochtemperaturbeständigem, supraleitfähigem Magnetband und einer Flüssigstickstoffkühlung. “Ich habe das selbe Problem wie McDonalds”, sagt Suppes – “wie kann man die heiße Seite heiß halten und die kalte Seite kalt?” Momentan tüftelt er an einer Multilevel-Kühlung.
Saturday Come Slow: "Massive Attack" im Audio Lab der Universität Cambridge. Musik, Technologie und Wissenschaft in einer großartigen Verbindung. Sientific Summer Sound.
Frauen in der Wissenschaft: Eine Ode an einige große, mit dopeltem X-Chromosom ausgestattete Geister, unter ihnen die Wissenschafts-Illustratorin Beatrix Potter, die Astronomin Jocelyn Bell Burnel sowie Kay McNulty, Betty Jennings, Betty Snyder, Marlyn Wescoff, Fran Bilas und Ruth Lichterman, die von 1946 an ENIAC programmierten und am Laufen hielten.
Der sorgsam gezeichnete menschliche Körper mit all seinen Einzelheiten: "An Atlas of Anatomy: or, Pictures of the Human Body" auf 24 kolorierten Quart-Tafeln, dazu einhundert separate Abbildungen von Mrs. Florence Fenwick Miller, 1879.
Ein wunderbarer alter Experimentierkasten aus dem fünfziger Jahren, mit Kugel-Atommodellen und einer eigenen kleinen Nebelkammer – Vorwärts in die Kuhzunft! Wer würde da noch etwas anderes werden wollen als Forscher?
Wie Wissenschaftler die Welt sehen: Der anonyme Cartoonist, der das Webcomic "Abstruse Goose" betreibt, wirft ein paar bemerkenswerte Blicke auf den "scientifically literate mind". In einem Interview zitiert er Carl Sagan: “Science is a way of thinking much more than it is a body of knowledge.”
Die zehn verstörendsten wissenschaftlichen Entdeckungen (jedenfalls für Leute, die Zehner-Listen mögen) aus dem "Smithsonian Magazine", darunter die Tatsache, dass die Erde nicht im Zentrum des Universums steht, dass uns die Mikroben über sind und dass Dinge, die gut schmecken, schlecht für uns sind.
Die norwegische Künstlerin Toril Johannessen hat nachgezählt, wie oft das Wort “miracle” in einem Jahr in den Magazinen Nature und Science vorkommt, dazu noch die Worte “logic” und “love” im Art Journal. Aus den Ergebnissen hat sie statistische Gemälde angefertigt.
The Miracle is YOU:"In jeder Zelle von dir vollziehen Atome sechs Billionen Veränderungen pro Sekunde..." Ein ungewöhnliches Musikvideo von Kute Blackson über das Potential des Menschen und seine wissenschaftlichen Grundlagen – Du selbst bist das Wunder. (Musik: Alex Gibson). (bsc)