Trump unzufrieden mit Apple: iPhones aus Indien für USA unerwünscht
Um hohen Zöllen bei der Einfuhr in die USA zu entkommen, setzt Apple verstärkt auf die iPhone-Fertigung in Indien und verärgert damit den US-Präsidenten.
(Bild: Sebastian Trepesch)
US-Präsident Trump hat Apple erneut dazu aufgefordert, iPhones in den USA zu fertigen und dort Werke zu bauen – und nicht nur weitere Teile der Produktion von China nach Indien zu verlagern. Er habe "ein kleines Problem" mit Apple-Chef Tim Cook gehabt, erklärte Trump auf einer Pressekonferenz in Katar. Er habe schon "alle diese Werke geduldet", die Apple über die Jahre in China gebaut hat – die Geschichte dürfe sich jetzt nicht in Indien wiederholen. Apple müsse stattdessen die Produktion in die USA bringen.
Der Konzern hat zum Jahresanfang eine Investition von 500 Milliarden US-Dollar in den Heimatmarkt in Aussicht gestellt. Eine gravierende Verlagerung der Produktion beinhaltet das allerdings nicht. Apple werde das jetzt noch einmal erhöhen, merkte Trump vage an. Apple selbst hat sich dazu bislang nicht geäußert.
Apple setzt bei iPhone-Fertigung verstärkt auf Indien
Wegen der zwischenzeitlich exorbitanten Strafzölle auf Waren in China hat Apple die Endfertigung von iPhones in Indien offenbar deutlich erweitert. Im laufenden Geschäftsquartal könne der Hersteller die US-Nachfrage fast komplett mit iPhones aus Indien decken, erläuterte Cook jüngst vor Finanzanalysten. Einem Bericht zufolge will der Konzern bis Ende 2026 in der Lage sein, alle iPhones für den US-Markt in Indien vom Band laufen zu lassen.
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Seit Längerem zeichnet sich ab, dass Apples Abhängigkeit vom Produktionsstandort China zu einem immer gravierenderen Problem wird. Cook gerät jetzt zudem zwischen die Stühle: Die Verlagerung der iPhone-Endmontage nach Indien wird nämlich nicht nur in den USA argwöhnisch betrachtet, sondern auch in China: Dort wird Apples Vorhaben soweit möglich blockiert. Für das laufende Quartal schätzt Apple, dass die aktuellen Zölle den Konzern rund 900 Millionen US-Dollar kosten könnten. Für die iPhone-17-Reihe sind einem Bericht zufolge deswegen bereits Preiserhöhungen im Gespräch. Eine nennenswerte Verlagerung der riesigen iPhone-Produktion in die USA gilt derzeit als unwahrscheinlich – es wäre ein extrem kostspieliges Projekt, das viele Jahre in Anspruch nehmen würde. Abgesehen von der riesigen Endfertigung sitzen auch zahlreiche Apple-Zulieferer in China.
Kritik an Apples Verhältnis zu China
Apple habe mit dem Aufbau seiner Produktion und riesigen Lieferkette China letztlich erst zu einer High-Tech-Nation gemacht, kritisiert aktuell ein Financial-Times-Journalist in einem neu erschienenen Buch "Apple in China". Das habe massiv Technik und Know-How dorthin transferiert, ohne dass es auch einen Wandel zu mehr Demokratie gegeben habe. China sei damit letztlich zu einem Produktionsriesen geworden, der nicht nur den globalen Smartphone-Markt sondern auch andere Märkte etwa bei Elektroautos von hinten aufrollen könne. Apple bezeichnete das Buch gegenüber Vanity Fair als "unwahr" und mit "Ungenauigkeiten" gespickt.
(lbe)