IAEA-Chef warnt vor weiteren Drohnenflügen über AKW von Saporischschja
Nach dem Absturz einer feindlichen Drohne in der Nähe des AKW Saporischschja fordert der Chef der International Atomic Agency ein Ende von Drohnen über AKWs.
Das Atomkraftwerk in Saporischschja mit seinem Kühlteich.
(Bild: IAEA / Fredrik Dahl)
Rafael Mariano Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (International Atomic Agency – IAEA), hat militärische Drohnenflüge im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine über dem ukrainischen Atomkraftwerk (AKW) in Saporischschja scharf verurteilt. Das geht aus einer Mitteilung der IAEA am Mittwoch hervor. Grossi forderte eine sofortige Einstellung der Flüge, nachdem es zu einem Einschlag einer Drohne in der Nähe des AKW gekommen war.
Der Vorfall ereignete sich am Mittwochmorgen. Das IAEA-Team hörte kurz vor 10 Uhr (Ortszeit) Schüsse. Mitarbeiter des AKW Saporischschja teilten dem IAEA-Team daraufhin mit, dass eine Drohne das Dach des Schulungszentrums, das sich etwas außerhalb des AKW-Geländes befindet, getroffen hätte. Unklar ist, ob die feindliche Drohne direkt auf das Gebäude gelenkt worden war oder ob die Drohne infolge eines Abschusses auf das Gebäude stürzte. Der Schaden sei nicht groß, Opfer habe es keine gegeben.
"Diese gemeldeten Drohnenvorfälle sind sehr besorgniserregend, da sie eine direkte Bedrohung für die nukleare Sicherheit darstellen könnten. Um es einfach auszudrücken: Es gibt zu viele Drohnen, die in der Nähe von Nuklearanlagen fliegen, nicht nur in der Nähe des Kernkraftwerks Saporischschja. Das muss sofort aufhören", sagte Generaldirektor Grossi.
Nach Angaben der IAEA soll es sich dabei um den dritten Angriff in diesem Jahr auf das Ausbildungszentrum mit einer Drohne gehandelt haben. Im Januar 2025 gab es bereits einen gemeldeten Drohnenangriff auf das Ausbildungszentrum in Saporischschja. Im April stürzte eine abgeschossene Drohne in der Nähe des Ausbildungszentrums ab.
Mehrere ukrainische Nuklearanlagen betroffen
Auch andere Atomanlagen sind im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine immer wieder von Drohnenangriffen betroffen. Im Februar beschädigte eine Drohne den Neuen Sicheren Einschluss (NSC) des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Nordukraine. Der NSC war gebaut worden, nachdem der Reaktorblock 4 des AKW 1986 kollabiert und dabei Radioaktivität freigesetzt worden war. Der NSC sollte den weiteren Austritt von Radioaktivität verhindern und vor äußeren Einflüssen schützen.
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Laut IAEA sollen ebenfalls bei den aktiven Kernkraftwerken Chmelnyzkyi, Riwne sowie Nuklearanlagen in der Südukraine regelmäßig Drohnen beobachtet worden sein. In einem südukrainischen AKW seien am Freitag Drohnen im Abstand von etwa zwei Kilometern gesichtet worden. Das IAEA-Team sei vor Ort gewesen und habe Flugabwehrfeuer wahrgenommen. Ebenfalls am Freitag seien Drohnen in die Sperrzonen von Tschernobyl eingeflogen.
(olb)