Frankreich: Polizei beschlagnahmt zahlreiche Mini-Mobiltelefone in Gefängnissen
In französischen Gefängnissen haben zahlreiche Inhaftierte mit winzigen Mobiltelefonen Kontakt nach außen gehalten. Das hat die Polizei nun unterbunden.
Größenvergleich der Geräte
(Bild: Eurojust)
Frankreichs Polizei hat in dutzenden Gefängnissen winzige Mobiltelefone konfisziert, mit denen die Insassen unerlaubterweise Kontakt zur Außenwelt gehalten haben. Das haben das französische Innenministerium und die Agentur der Europäischen Union für justizielle Zusammenarbeit in Strafsachen (Eurojust) mitgeteilt. Im Rahmen der Operation "Prison Break" ("Gefängnisausbruch") seien fast 500 Gefängniszellen durchsucht worden. Außerdem sei das Online-Portal stillgelegt worden, über das die Geräte vertrieben wurden. Insgesamt wurden demnach 5000 dieser Geräte in ganz Frankreich lokalisiert, in den Gefängnissen selbst wurden 88 entdeckt.
"Lösen keinen Alarm aus"
Die Mobiltelefone in der Größe eines kleinen Feuerzeugs stammen laut Frankreichs Gendarmerie aus China, angepriesen wurden sie explizit mit dem Hinweis, dass die Geräte bei Einlasskontrollen in Gefängnissen nicht gefunden würden. Die Website des Anbieters namens OPORTIK wurde beschlagnahmt, die darüber sichergestellten Informationen sollen dabei helfen, die Kunden und Kundinnen zu identifizieren. Die Mobilgeräte waren demnach speziell für die Einschleusung in Gefängnisse vorbereitet worden. "Hier finden Sie alle unsere Mini-Handys und Zubehör, die an der Einlasskontrolle keinen Alarm auslösen", hieß es auf der Website.
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Die Ermittlungen haben demnach ergeben, dass solche Geräte unter anderem dazu verwendet wurden, aus den Haftanstalten heraus Straftaten wie Drogenhandel, Betrug, Brandstiftung und sogar Auftragsmorde zu koordinieren. Geprüft werde noch, ob über Hintertüren auf den Geräten gar Daten ins Ausland übermittelt wurden. Drei Personen, die die Geräte geliefert haben sollen, wurden auf französischem Staatsgebiet festgenommen. Insgesamt wurden bei den Durchsuchungen in den Gefängnissen selbst 88 Mini-Handys und 76 andere Mobiltelefone sichergestellt, in einem Lagergebäude wurden 500 weitere und 70.000 Euro Bargeld konfisziert.
Eurojust erklärt noch, dass die technischen Spezifikationen und weitere wichtige Informationen zu den Geräten an Strafverfolgungsbehörden in ganz Europa und darüber hinaus weitergegeben wurden. Damit sollen nationale Behörden jetzt überprüfen können, ob solche Geräte auch in ihren Gefängnissen eingesetzt werden. Andere Staaten können die Daten erfragen. Die Geräte kamen demnach mit wenigen Metallteilen aus und waren auch deshalb so schwer zu entdecken. Die beschlagnahmten Geräte werden jetzt von Sicherheitsexperten ausgewertet, heißt es noch.
(mho)