"Beeindruckende Intelligenz": Habicht lässt sich bei Jagd von Ampelsignal helfen
In einem Ort in den USA hat ein Habicht komplexe Vorgänge an einer Straßenkreuzung in einer Art für die Jagd ausgenutzt, die zuvor noch nie beobachtet wurde.
Ein Rundschwanzhabicht ("Cooper's hawk")
(Bild: Vladimir Dinets)
In den USA hat ein Zoologe eine "beeindruckende Anpassung" eines Greifvogels an die besonderen Gegebenheiten einer bestimmten Straßenkreuzung beschrieben, die er als "beeindruckendes" Zeichen von Intelligenz deutet. Es geht um einen Habicht, der offenbar gelernt hat, dass an einer Ampelkreuzung unter bestimmten Umständen die Schlange an Autos lang genug wird, um als Deckung für einen Angriff auf eine Gruppe von fressenden Vögeln zu dienen. Dafür habe der Vogel eine präzise mentale Karte der Umgebung entwickeln müssen. Der Fall bestätige einmal mehr, dass Raubvögel genauso erfinderisch und lernfähig sein können wie Papageien und Rabenvögel.
Ein Stau als Deckung
Wie Vladimir Dinets von der University of Tennessee erläutert, geht es um einen einzelnen sogenannten Rundschwanzhabicht und seine Jagdtaktik in West Orange im US-Bundesstaat New Jersey. Dort gibt es demnach eine bestimmte Kreuzung, an deren Ampel zumeist nicht mehr als vier Autos warten. Sobald aber jemand zu Fuß die Straße überqueren will und dafür per Taste eine Grünphase erbittet, dauert die rote Ampelphase länger, was zu mehr wartenden Autos führt. Gleichzeitig weist dann ein Signalton blinde Menschen darauf hin, dass sie nun die Straße überqueren können.
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(Bild:Â Dinets)
Dinets hat nun beobachtet, dass der Raubvogel irgendwo in der Umgebung auf dieses Geräusch gewartet und sich in einen Baum am Ende der Straße gesetzt hat, sobald es ertönt. Danach habe er gewartet, bis genug Autos warten, um in Bodennähe daneben zu einem kleinen Baum in der Nähe der Ampel zu fliegen. Dort war er dann nur wenige Meter von einem Vorgarten auf der gegenüberliegenden Straßenseite entfernt, auf dem regelmäßig mehrere Vögel die Krümel gefressen haben, die von der Veranda einer Familie dort hinuntergeworfen worden waren. Der Raubvogel nutzte die Deckung der Autos, um die Vögel anzugreifen. Als im folgenden Jahr die Ampel aufhörte, Geräusche abzugeben und die krümelnde Familie ausgezogen war, ist auch der Raubvogel verschwunden.
Die Studie, die der Zoologe dazu geschrieben hat, könnte man nur sehr schwer reproduzieren, gesteht er ein. Gleichzeitig passe sie zu anderen Beobachtungen von komplizierten Jagdmanöver in der Tierwelt. Das Vorgehen des anfangs noch jungen Vogels zeige, dass er die Verbindung zwischen dem Signal und der Länge der Autoreihe erfasst und selbst die Möglichkeit erkannt hat, diese als Deckung zu benutzen. Dass er dafür über eine mentale Karte der Umgebung verfügt, zeige sich daran, dass er seine Beute während des Flugs neben den Autos aus dem Blick verliert. Ein solches Verständnis menschlicher Verkehrsmuster und eine derartige Ausnutzung sei bislang noch nie wissenschaftlich beschrieben worden, schreibt er im Fachmagazin Frontiers in Ethology.
(mho)