Seagate: KI treibt Speicherbedarf über Herstellungskapazitäten hinaus

Bald soll der Bedarf nach mehr Speicherplatz in Rechenzentren so schnell steigen, dass er über den Kapazitäten der Hersteller liegt.

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(Bild: Aleksandr Grechanyuk / Shutterstock.com)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Auf der Messe Computex in Taiwan hat Seagate in der vorvergangenen Woche eigene Analysen sowie Analysen von Marktforschern zur Zukunft des Geschäfts mit Festplatten für Rechenzentren vorgelegt. Laut einer Projektion von IDC soll sich der Platzbedarf von 2023 bis 2028, also im Zeitraum von fünf Jahren, verdreifachen.

Wie das taiwanische Branchenmedium Digitimes berichtet, sieht Seagate dabei nicht nur ein gutes Geschäft voraus, das Unternehmen ist auch besorgt. Bald könnte nämlich der Platzbedarf über den Herstellungskapazitäten der gesamten Branche liegen. Auf einer kurz vor der Computex abgehaltenen Veranstaltung für Investoren von Seagate lag die gesamte in Rechenzentren erzeugte Datenmenge im Jahr 2020 bei 72 Zettabyte. Im Jahr 2028 sollen es schon 394 Zettabyte sein. Seagate zitiert dabei eine Studie von IDC. Ein Zettabyte sind eine Milliarde Terabyte.

Das Problem: Die gesamte Storagebranche, bei Datacenter-Festplatten also Seagate, Toshiba und WD, stellt laut Seagate bisher pro Jahr nur Laufwerke mit einer Gesamtkapazität von ein bis zwei Zettabyte her. Nötig wären also Sprunginnovationen, doch die sind bisher nicht in Sicht. Seagate selbst liefert bisher zwar Platten mit bis zu 36 TByte aus. Basierend auf der dort schon eingesetzten HAMR-Technik sollen jedoch laut der Investoren-Präsentation bis 2026 nur Laufwerke mit bis zu 40 TByte folgen, und bis 2028 dann 50 TByte.

In Rechenzentren sollen bis 2028 ganze 394 Zettabyte gespeichert werden.

(Bild: Seagate)

Im gleichen Dokument (PDF) beschreibt Seagate auch, wie sich der Platzbedarf vor allem durch generative KI vervielfacht, und zwar am Beispiel eines Musikvideos. Brauchen einige generierte Bilder noch ein MByte, so sind es für den Song schon 5 MByte, und für das Video dann 50 MByte pro Minute. Größtes Wachstumshemmnis für Rechenzentren bleibt jedoch die Energieversorgung, wie Seagate bei einer eigenen Befragung von 300 seiner Kunden mit Rechenzentren bestätigte.

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Weil aber dennoch die Festplatten knapp werden könnten, will sich Seagate laut Digitimes vor allem um mehr Recycling von Laufwerken kümmern. Derzeit, so das Unternehmen, würden jährlich rund 200 Millionen Laufwerke geschreddert, damit die darauf gespeicherten Daten nicht in falsche Hände gelangen. Mit neuen Verschlüsselungsverfahren auf Laufwerksebene will Seagate das überflüssig machen.

Dabei sollen nur die Schlüssel auf den Platten sicher gelöscht werden müssen – und nicht die ganze Kapazität, was bei Enterprise-Laufwerken mehrere Tage dauern kann. Dazu arbeitet die Firma mit Standardisierungsgremien wie NIST und ISO zusammen. Auch die Materialien aus mechanisch zerstörten Festplatten will Seagate vermehrt wieder in die Produktion überführen.

Erwähnt werden muss an dieser Stelle auch, dass sich rund um offenbar lange in Rechenzentren betriebene Festplatten von Seagate inzwischen eine Art Graumarkt entwickelt hat. Vielfach landen seit Monaten aufbereitete Laufwerke ohne entsprechende Kennzeichnung als Neuware auch bei seriösen Händlern. Laut neuestem Stand sollen dafür unter anderem automatisierte Beschaffungssysteme verantwortlich sein. Seagate untersucht diese Vorfälle weiterhin, hat jedoch noch keine umfassende Stellungnahme abgegeben.

(nie)